OAR: Ilya Kovalchuk und Pavel Datsyuk sind die SuperstarsHockeyweb analysiert das russische Eishockeyteam

Pavel Datsyuk (r.) ist mit 39 Jahren Kapitän und Chef. (picture alliance/Valery Sharifulin/TASS/dpa)Pavel Datsyuk (r.) ist mit 39 Jahren Kapitän und Chef. (picture alliance/Valery Sharifulin/TASS/dpa)
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Das Olympische Eishockeyteam Russlands hat das Finale der olympischen Winterspiele in Südkorea erreicht. Was früher, vor etwa zwanzig bis dreißig Jahren kaum eine Zeile in der Zeitung wert war, weil die Russen eigentlich alles gewannen, kommt es jetzt vielleicht nicht gerade einer Sensation gleich, aber eine Überraschung ist es doch.

Dabei hatten die Russen ein ähnliches Problem zu lösen wie die meisten anderen Spitzenteams. Sie mussten ihre Nationalmannschaft neu bestücken, wobei sie nur zum Teil ein Opfer der NHL wurden. Das Hauptproblem war das Doping. Russland sollte gesperrt werden aber in letzter Sekunde konnte durch eine Hintertür eine Teilnahme gesichert werden, allerdings musste Trainer Oleg Znarok (von 1993 bis 2002 in Deutschland bei Landsberg, Freiburg und Heilbronn als Spieler tätig) auf einige Spieler verzichten und konnte sich für dieses Turnier nur bei drei Mannschaften bedienen: bei Meister SKA St. Petersburg, ZSKA Moskau und Metallurg Magnitogorsk.

Tor: Erste Wahl für Znarok ist Vasili Koshechkin aus Magnitogorsk. Koshechkin wurde bisher fünfmal eingesetzt, erzielte dabei mit 1,08 Gegentoren/Spiel und einer Fangquote von 95,1% perfekte Werte. Back-up wird vermutlich Ilya Sorokin (ZSKA) sein, der im einzigen Spiel drei Gegentore kassierte und seitdem die Nr. 2 ist. Den dritten gemeldeten Torwart Igor Shestyorkin (St. Petersburg) werden wir wohl nicht sehen.

Die einzelnen Linien:

Im ersten Block werden Vladislav Gavrikov (St. Petersburg) und Vyacheslav Voynov (St. Petersburg) verteidigen. Beide sind auch in ihrem Stammverein erste Wahl und zusammen eingespielt. Gavrikov ist dazu noch recht offensiv eingestellt, hat für KHL-Verhältnisse schon gute fünf Tore erzielt. Voynov hat u.a. auch NHL-Erfahrung (254 Spiele für Los Angeles) und steht bis jetzt bei neun erzielten Toren in dieser Saison bei 39 Spielen. Superstar in der ersten Sturmreihe ist natürlich Ilya Kovalchuk (St. Petersburg). 848 NHL-Spiele und weit über 300 Spiele in der KHL zeigen seine Klasse, wobei er auch auf über 1.200 Punkte kam. Ihm zur Seite stehen Sergei Andronov (ZSKA) und Sergei Kalinin (St. Petersburg). Kalinin stammt aus Omsk, ging 2015 in die NHL zu New Jersey, wo er aber nie richtig heimisch wurde. Nach einem Jahr AHL in Toronto bei den Marlies ging er zurück nach Russland, diesmal zu St. Petersburg, wo er aktuell mit 31 Punkten in 49 Spielen durchaus als Verstärkung angesehen wird. Andronov versuchte sich auch kurz in den Vereinigten Staaten, kam aber über die AHL nicht hinaus und blüht er seit seiner Rückkehr, 2014 zu ZSKA wieder richtig auf.

In der zweiten Verteidigungslinie arbeiten Bogdan Kiselevich (ZSKA) und Nikita Nesterov (ZSKA). Beide spielen auch in ihrem Verein zusammen und ergeben eine starkes Bollwerk. Dazu sind sie weniger offensiv ausgerichtet, haben aber ein gutes Auge und sind stark im Passspiel. Nicht umsonst hat jeder von ihnen bis jetzt schon 16 Assistpunkte auf dem Scorerkonto. Vor ihnen spielen Pavel Datsyuk (St. Petersburg), Kirill Kaprizov (ZSKA) und Nikita Gusev (St. Petersburg). Der 39-jährige Datsyuk ist der Kapitän der Mannschaft, kann von einer nahezu unheimlichen Erfahrung profitieren. Begonnen hat er seine Karriere in Jekaterinburg, ging dann in die NHL, wo er nur für Detroit spielte und 1.107-mal antrat (1.031 Punkte). Seit seiner Rückkehr spielte er nur für St. Petersburg, wo er immer noch einer der Leistungsträger ist. Sein Nebenspieler Nikita Gusev gehörte schon bei seinem Vorgängerverein Yugra Khanty-Mansiysk zu den besten Spielern, konnte sich bei St. Petersburg noch einmal verbessern. In dieser Saison steht er nach 53 Spielen bei 62 Punkten, ein erstklassiger Wert. Ein Rohdiamant ist der dritte im Bunde, Kirill Kaprizov. Er kam aus Ufa und gehört trotz seiner erst 20 Jahre zu den besten Stürmern von Altmeister ZSKA Moskau.

Ein Z-Team bildet die dritte Defensivreihe der Russen: Artyom Zub (St. Petersburg) und Andrei Zubarev (St. Petersburg), wobei die Führungsrolle Zubarev hat. Der 30-jährige erfahrene Akteur, der u.a. in der NHL bei Atlanta spielte, soll das erst 20jährige Talent Zub führen. Beide gelten als echte Verteidiger, deren Hauptjob das Aufräumen vor dem eigenen Tor ist. Die dritte Sturmreihe wird gebildet von Sergei Shirokov (St. Petersburg), Nikolai Prokhorkin (St.Petersburg) und Alexander Barabanov (St. Petersburg). Wie üblich wird die Reihe von einem erfahrenen Spieler angeführt, in diesem Fall Shirokov. Dieser wurde 2006 von den Vancouver Canucks als Nr. 163 gedraftet, spielte zwei Jahre in Übersee, kam in Vancouver nicht zurecht und verbrachte den jeweiligen, längeren Rest der Saison beim AHL-Team in Manitoba. Danach ging er zurück nach Russland, wo er zunächst bei ZSKA aktiv war, dann nach Omsk ging und schließlich in St. Petersburg landete. Sein Mitspieler Prokhorkin kam, wie Kaprizov, vor zwei Jahren aus Ufa in die Großstadt an der Neva und soll in diesem Jahr möglichst einen Sprung machen. Keinen Stadtwechsel brauchte Alexander Barabanov hinter sich bringen. Der 23jährige ist ein waschechter St. Petersburger, der lediglich einmal, 2013 innerhalb der Stadtgrenze beim lokalen Konkurrenzverein Karelya St. Petersburg spielte, ansonsten nur bei SKA. Sein Bruder Vladimir spielt beim lokalen Zweitligisten Dynamo St. Petersburg.

Im vierten Block hat Oleg Znarok zuletzt mit nur einem Verteidiger und gleich vier Stürmern gespielt. Dieser Defender war ein Spieler mit ungewöhnlichen Initialen: Y.Y., Yegor Yakovlev (St. Petersburg). Der Linksschütze kam aus Yaroslavl und hat in den letzten drei Jahren 130 Spiele für SKA absolviert und dabei knapp 50 Punkte erzielt. Falls Znarok von seiner Linie abweicht, könnte der achte Verteidiger Alexei Marchenko (ZSKA Moskau) sein. Marchenko hat im letzten Jahr noch in der NHL (Detroit, Toronto) gespielt, ist bei seinem neuen Verein ZSKA Moskau hauptsächlich als Passgeber aufgefallen. In der vierten Offensivlinie hat Oleg Znarok Ivan Telegin (ZSKA Moskau), Sergei Mozyakin (Magnitogorsk), Mikhail Grigorenko (ZSKA Moskau) und Ilya Kablukov (St. Petersburg) vorgesehen. Leader hier ist Mozyakin. Der 36jährige Angreifer aus der Industriestadt Magnitogorsk ist pro Saison immer noch für mindestens fünfzig Punkte gut steht in der olympischen Assistliste augenblicklich mit drei Punkten auf Rang 16. Zusammen mit Grigorenko, einem echten Toptalent ist auch die vierte Reihe nicht zu unterschätzen. Grigorenko ist zwar erst 23 Jahre alt, hat aber bereits 217 NHL-Spiele in Buffalo und Colorado absolviert und gehört mit 0,5 Punkten/Spiel auch bei ZSKA Moskau zu den Leistungsträgern.

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