Miracle on Ice: US-Girls holen Gold gegen die Dauer-Olympiasiegerinnen aus KanadaEin Sieg für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau

Golden Girls: Die Olympiasiegerinnen aus den USA feiern. (picture alliance/Valery Sharifulin/TASS/dpa)Golden Girls: Die Olympiasiegerinnen aus den USA feiern. (picture alliance/Valery Sharifulin/TASS/dpa)
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Kanada hatte bei Olympia 24 Spiele in Folge gewonnen 

Es war ein Krimi. Ein Drama mit Herzschlagfinale. Ohne Happyend für den Seriensieger. Die Eishockey-Frauen der USA stoppten Rekord-Olympiasieger Kanada und holten Gold.  

Im Finale bejubelten die US-Girls enthusiastisch ein 3:2 (1:0, 0:2, 1:0, 0:0, 1:0) nach Penaltyschießen gegen den viermaligen Sieger und triumphierte zum zweiten Mal nach der Premiere 1998 in Nagano. Ein Eis-Märchen. Denn damals hatte Kanada im Endspiel seine bislang letzte Niederlage bei Olympia erlitten. Ein Schock. 2002, 2006, 2010 und 2014 holten die Ahornblätter Gold und waren zuvor 24 Spiele (!) bei Winterspielen ungeschlagen. Nun ist die schier unglaubliche Erfolgsserie gerissen.

Auf den Tag genau 38 Jahre nach dem legendären Miracle on Ice der Männer 

Für das US-Eishockey war es ein historischer Moment: Auf den Tag genau vor 38 Jahren war den Männern das legendäre "Miracle on Ice" gelungen, als eine fast ausnahmslos aus College-Spielern bestehende Truppe die übermächtige Sowjetunion in Lake Placid sensationell bezwungen hatten.

Beide Teams trafen sich bereits zum dritten Mal im Finale. Eine Tragödie für Kanada. Vor allem für Meghan Agosta. Die Stürmerin, die eigentlich zum vierten Mal in Folge Olympiasiegerin werden wollte, verschoss den entscheidenden Penalty und weinte am Ende bittere Tränen. Die 31-Jährige spielt ausschließlich für das Team Canada.

Hauptschiedsrichterin und Linienrichterin aus Hagen und Berlin

Für Kanada trafen in der regulären Spielzeit Haley Irwin (22.) und Marie-Philip Poulin (27.). Hilary Knight (20.) hatte das US-Team in Führung gebracht, Monique Lamoureux-Morando (54.) glich aus. Das Finale hatte übrigens auch deutsche Beteiligung. Als eine der beiden Hauptschiedsrichterinnen fungierte Nicole Hertrich aus Hagen. Zu den Linienrichterinnen gehörte die Berlinerin Lisa Linnek.

Sieg im Kampf um eine gerechtere Arbeitswelt

Für die US-Damen war es ein weiterer Sieg im Kampf für die Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung.  Im März letzten Jahres drohte ein Boykott des Teams bei der zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten stattfindenden WM in Plymouth/Michigan. Der Eklat konnte gerade so abgewendet werde.

Nach einem monatelangen Kampf um bessere Bezahlung und logistische Unterstützung erzielten die Frauen einem Vertrag, der dem der Nationalmannschaft der Männer entspricht. Der neue Vertrag sei „eine Chance, Geschichte zu schreiben, für jede Frau, die heute auf dem Eis steht, und für jedes kleine Mädchen, das zum ersten Mal die Schlittschuhe schnürt", sagte US-Angreiferin Hilary Knight damals. Die Belohnung 2017 war der Titel. Nach einem 3:2-Erfolg gegen – na klar – Dauerrivale Kanada.

Die Einigung gilt vorerst für vier Jahre. Dabei erfuhren die Ladys eine breite Unterstützung. Unter anderem richteten auch 15 Senatorinnen eine politische Note an USA Hockey. Auch die Spielerverbände der NFL, NBA, WNBA, MLB und NHL solidarisierten sich mit den weiblichen Kufencracks. In den USA hatten die Topspielerinnen umgerechnet 5.580 Euro für die insgesamt sechsmonatigen Zusammenkünfte vor Olympia plus Zuschüssen vom Nationalen Olympischen Komitee erhalten. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Im besten Fall wird nun eine sechsstellige Summe erreicht. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. „Wir sind aufgestanden für das, was richtig ist, und die Führung von USA Hockey hat uns zugehört”, sagte Kapitänin Meghan Duggan damals in einer offiziellen Stellungnahme.

Eine grandiose Goldmedaille also. Eine historische zudem. Fast ein Jahr, nachdem der Super-GAU in Form von Boykott drohte. Der abgewendet und nach dem WM-Titel nun mit dem Olympiasieg gekrönt wurde. Ein Erfolg für Respekt, Würde und eine gerechtere Arbeitswelt. Für die Gleichbehandlung von Mann und Frau.   

Bundespräsident Steinmeier zeichnet Eishockey-Nationalmannschaft aus
Silberhelden mit dem „Silbernen Lorbeerblatt“ geehrt

​Besondere Ehre für die Silberhelden: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnete am Donnerstagmittag die Spieler der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft mi...

Der DEB-Präsident im Hockeyweb-Interview
Franz Reindl: „Da hat’s mich voll hingehauen“

​Einige Tage nach dem größten Erfolg des deutschen Eishockeys mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen haben wir uns mit Franz Reindl, Präsident...

Nationale und internationale Schlagzeilen
„So nah dran“ – die Presseschau zur deutschen Silbermedaille

​Ein unfassbar spannendes Finale mit einem letztlich sogar leicht glücklichen Sieger ist zu Ende. Die Olympischen Athleten aus Russland besiegten den Außenseiter aus...

Eine Einordnung des historischen Silbertriumphs
Was das Wunder von Gangneung für das deutsche Eishockey bedeutet

​Die deutschen Eishockey-Spieler weinten. Sie weinten, weil ihnen in Gangneung gerade einmal 56 Sekunden fehlten, um die Heimreise aus Südkorea als Olympiasieger anz...

Final-Wahnsinn: DEB-Helden verlieren unglücklich erst in der Verlängerung
3:4-Niederlage gegen Russland. Deutschland ist Olympiasieger der Herzen!

Das Team von Bundestrainer Marco Sturm hatte schon eineinhalb Hände an der Goldmedaille. ...

Folge uns auf Facebook!