Franz Reindl: "Das ist mehr als eine Sensation"Pressestimmen zum Erfolg des DEB-Teams gegen Schweden

Gerhard Leinauer flehte inständig: „Sag bitte, dass der drin ist.“ - und er war drin! (picture alliance - Pool Reuters/AP Photo)Gerhard Leinauer flehte inständig: „Sag bitte, dass der drin ist.“ - und er war drin! (picture alliance - Pool Reuters/AP Photo)
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Selbst im eher nüchternen Fachmagazin „Kicker“ texteten die Redakteure vor Freude über den deutschen 4:3 Sieg gegen die deutlich favorisierten Schweden im besten Boulevard-Stil: „Einfach nur Wahnsinn. DEB-Team sensationell um Medaillen.“ Im folgenden Artikel wird Kapitän Marcel Goc zitiert: „Wir haben Eishockey-Geschichte geschrieben für Deutschland. Ich bin mächtig stolz, dass ich dabei sein darf.“ DEB-Sportdirektor Franz Reindl, bei der letzten Eishockey-Sensation, der olympischen Bronzemedaille von 1976, noch selbst als Spieler dabei, sagte: „Das Team ist über sich hinaus gewachsen. Das ist mehr als eine Sensation.“

Der Kölner Express ist natürlich begeistert vom deutschen Spiel, noch mehr aber von den emotionalen Glücksmomenten des deutschen Reporters-Duos Ehelechner/Leinauer. Als das 4:3 gefallen, aber noch nicht bestätigt war, brach es aus Patrick Ehelechner heraus: „Willst du mich verarschen?“ Und Gerhard Leinauer flehte inständig: „Sag bitte, dass der drin ist.“

Wie wir wissen, war der drin – weswegen Der Tagesspiegel gute Entwicklungsmöglichkeiten für das deutsche Eishockey sieht. Der Chefredakteur schreibt: „Die Zukunft leuchtet, erhält durch das Erreichte neue Chancen.“ Und weiter im Text: „Im Augenblick aber hat Deutschland riesige Chancen auf eine noch größere Sensation. 1976 hat ab sofort ausgedient.“

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) lobt die deutsche Mannschaft, die trotz ihres heroischen Fights immer noch Kraft für eine letzte Jubelrunde nach dem vierten Tor hatte. Voll auf Adrenalin und Endorphinen, hätte das deutsche Team an diesem historischen Tag wahrscheinlich das Halbfinale direkt im Anschluss spielen können. Am Ende wird von der Zeitung Keeper Danny aus den Birken zitiert: Sie seien womöglich nicht die stärksten Individualisten, verfügten aber über ein echtes Team, das diese Bezeichnung wirklich verdiene. Und weil der Rausch so schön ist, denkt er schon an den nächsten Kick: „Das Glücksgefühl ist unglaublich. Wir wollen mehr davon“.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) zitiert ebenfalls DEB-Sportdirektor Franz Reindl: „Damals war es schon eine andere Welt. Trotzdem ist eines gleichgeblieben: Der heutige Erfolg kam durch einen unglaublichen Zusammenschluss des Teams zustande.“ Auch Bundestrainer Marco Sturm kommt zu Wort: „Die Unit auf dem Eis war der Schlüssel in allen Spielen. Wir sind eine große Familie.“ Und vor dem Spiel gegen Kanada ist die Familie optimistisch, wie beispielsweise Christian Ehrhoff: „Da muss natürlich alles stimmen. Aber warum kann das nicht noch mal passieren?

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) bejubelt den Augenblick: „DEB-Team schreibt Eishockeygeschichte: Der Grund war der Aufopferungswille der Mannschaft“. Die DEB-Auswahl spielte voller Mut und Selbstvertrauen, stürmte nach vorn, schoss. Erst zur Hälfte der Partie übernahmen die Schweden wieder die Kontrolle. Mit konstant hohem Tempo und mit schnellen Pässen drängten sie das Team von Bundestrainer Sturm zurück. Das opferte sich in der Defensive füreinander auf, stand gut und blockte viele Schüsse. Mit dieser ungewohnten Situation tat sich der Weltmeister schwer – zu schwer. Auch die WAZ meint, es darf gerne so weitergehen, und sieht ein Luxusproblem auf die Sportredaktion zukommen: „Die Suche nach Superlativen für das Auftreten der deutschen Mannschaft in Pyeongchang scheint dabei schwerer als der nächste Sieg zu sein.“

Auch im Ausland wurde der Erfolg der deutschen Mannschaft gegen den aktuellen Weltmeister und Olympiasieger von 2006 registriert. Die schwedischen Zeitungen sind naturgemäß frustriert, wie sich in den Überschriften zeigt:

Dagens Nyheter: Fiasko. Deutschland besiegt Schweden im Viertelfinale.

Aftonbladet: Die schwedische Mannschaft erlebt bei Olympia ein völliges Desaster.

Expressen: Die Leistung der Schweden war gegen Deutschland beschämend, wie überhaupt über das ganze Turnier gesehen.

Etwas analytischer geht der Schweizer Sportinformationsdienst Watson das Spiel an und vergleicht gleichzeitig den deutschen Erfolg mit dem Schweizer Abschneiden. „Deutschland besiegt Schweden mit 4:3 und steht da, wo wir eigentlich stehen müssten. Was ist passiert?“, fragt der Redakteur und keilt sowohl gegen die einheimische NL als auch die DEL: Ist die Schweizer Liga zu wenig intensiv oder gibt es zu viele Spiele in der Liga? Alles eine Frage der Einstellung, meint der Frustrierte: In der deutschen „Operettenliga“ DEL (!) sei bis eine Woche vor Olympia noch gespielt worden. Dennoch wird die offenbar beklagte mangelnde Vorbereitungszeit der Eidgenossen abgetan mit dem Hinweis, dass die Deutschen noch weniger gehabt hätten. Auch dass die deutsche Mannschaft klaglos wegen einer Panne sechs Stunden am Flughafen auf den Abflug warten musste, beeindruckte die Schweizer Journalisten. Spielerisch habe das deutsche Team vor allem durch das Transition-Game überzeugt, also das schnelle Umschalten von Defensive auf Offensive – im Gegensatz zu den Schweizern, die eigentlich talentiertere Spieler hätten. Steile These, aber selbst wenn sie zutrifft, wird auch der Schweizer Kollege zugeben müssen, dass die Schweizer Spieler das angeblich größere Talent gut verbergen konnten.

Und die österreichische Zeitung Drei Kronen schreibt: „Als es darauf ankam, konnte die schwedische Mannschaft ihr Bestes nicht abrufen. Deutschland zeigte sich kompromisslos und zwang den Tre-Kronors sein Spiel auf.“

Deutsche Tugenden on Ice also – die Fortsetzung folgt hoffentlich in ein paar Stunden gegen Team Kanada.

 

 

 

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