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Die Kessel-SpielePhil und Amanda Kessel peilen Gold in Sotschi an

Die Kessel-SpieleDie Kessel-Spiele

Die russischen Spieler können den restlichen Verlauf des Turniers nach der 1:3-Niederlage gegen Finnland vor dem Fernseher verfolgen und auch die Kanadier haben bisher nur beim 6:0-Erfolg über Österreich ihr Können wirklich aufblitzen lassen. Im Viertelfinale traf erst Shea Weber in der 54. Minute in Überzahl zum 2:1-Endstand gegen Lettland.

Auch wenn die Herren aus den USA natürlich zum engeren Favoriten-Kreis auf die Goldmedaille zählen, so hat dennoch kein anderes Team so souverän seine Spiele bisher absolviert wie die von Dan Bylsma trainierte Auswahl. Einzig und allein gegen die russische Auswahl geriet man kurz ins Straucheln, als man ins Penaltyschießen musste, um den Zusatzpunkt zu erlangen. Dort hielt St.-Louis-Stürmer T.J. Oshie dann dem Druck stand und verwandelte vier seiner sechs Versuche. Jonathan Quick, der den Vorzug vor Ryan Miller erhielt, trug seinen Teil dazu bei und parierte insgesamt 29 Schüsse. In den weiteren Gruppenspielen gegen die Slowakei und Slowenien zeigten die Amerikaner keine Schwäche und gingen mit 13:2 Toren als Sieger vom Eis. Auch das Viertelfinale gegen Jaromir Jagr und die Tschechische Republik wurde kein Stolperstein, am Ende hieß es 5:2 zu Gunsten der Amerika.

Die Geschwister mischen Sotschi auf

Für den Erfolg der Amerikaner ist auch Phil Kessel verantwortlich. Der Stürmer der Toronto Maple Leafs, der in der laufenden NHL-Saison bereits 31 Tore erzielt hat, führt nach vier Partien mit acht Punkten (fünf Tore und drei Vorlagen) die Scorerwertung an. Der Presse gegenüber gibt er jedoch an, dass es nicht wichtig sei, wie viele Punkte er erziele, schließlich stünde der Erfolg des Teams im Vordergrund und das entsprechende Ziel einer Medaille.

Auch Kessels Schwester Amanda, die im Turnier der Frauen vertreten ist, hat die gleichen Ansichten und sagt, dass es um das Team ginge. Ähnlich wie auch Phil führt Amanda die Frauen-Auswahl von Sieg zu Sieg und steht nun im Finale gegen Kanada. Damit ist sie ihm einen Schritt voraus, der sich im Halbfinale mit Crosby und Co. messen muss. Während Phil nach Aussagen einiger Experten bei den Herren noch „einer unter vielen“ ist, ist Amanda bei den Frauen ein großer Stern am Eishockey-Himmel.

Ihr College-Team, die Minnesota Golden Gophers, führte sie im Alter von 21 im vergangenen Jahr ohne eine einzige Niederlage zum Meistertitel. Für diese Leistungen wurde Amanda damals mit dem Patty-Kazmaier-Preis ausgezeichnet, die Auszeichnung für die wertvollste Spielerin. Nun ist sie 22 und steht in Sotschi vor dem größten Erfolg eines jeden Sportlers: Der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen.

Doch die Geschwister teilen nicht nur die gleichen Ansichten, denn glaubt man Kessels Mitspieler Patrick Kane, so haben beide auf dem Eis eine ähnliche Spielweise. Neben einer hohen Geschwindigkeit, einer guten Antizipation und einer entsprechenden Leichtigkeit haben beide auch noch den gleichen „Tick“ wenn es um das „Drumherum“ geht: Beide tragen die gleiche Ausrüstung, tapen ihren Schläger gleich, ziehen die Schlittschuhe gleich an und selbst in ihrem Gang seien sich beide ähnlich, führt Kane fort. In der Familie müsse es gute Eishockey-Gene geben. Einer Familie, in der auch das dritte Kind, Blake Kessel, Eishockey spielt, 2007 von den New York Islanders gedraftet wurde, aber noch keine NHL-Partie bestritten hat. Einer Familie, in der der Vater nach Aussage der Kinder nie auf Schlittschuhen gesehen wurde und im Trikot der Washington Redskins eine Football-Karriere als Quarterback absolvierte.

Krebs schweißt zusammen

Als Phil Kessel im Alter von 19 Jahren von den Boston Bruins gewählt wurde, war Amanda gerade einmal 15 Jahre alt und die Geschwister waren über 2.500 Kilometer getrennt, denn Amanda war damals noch an der High School in Minnesota. Dass dann auch noch bei Phil Hodenkrebs diagnostiziert wurde, hatte aber keinen negativen Einfluss auf das Verhältnis der beiden, ganz im Gegenteil. Immer wenn es die Zeit zulässt, besucht der Bruder die Spieler seiner kleinen Schwester, wie zum Beispiel während des Lockouts in der vergangenen Saison.

Gegenüber Journalisten gibt Amanda an, dass Phil ihr großes Vorbild sei und sie immer davon geträumt habe, mit ihm zusammen das Trikot der Amerikaner bei Olympischen Spielen zu tragen. Dieser Traum ist erfüllt und schon steht der nächste an: olympisches Gold!