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Cup-Sensation in der Schweiz: Zwei Zweitligisten im HalbfinaleBlick in die Schweiz

Rapperswils Cheftrainer Jeff Tomlinson freut sich über den Pokalerfolg. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Rapperswils Cheftrainer Jeff Tomlinson freut sich über den Pokalerfolg. (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)
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In der letzten Saison unterlag zum Beispiel der große SC Bern dem Drittliga-Aufsteiger aus Biasca und in diesem Jahr? Da knallt es im Cup, dass das Matterhorn wackelt. Im Halbfinale stehen von zwölf etablierten NL-Ligisten mit Davos und Biel ganze zwei und keiner der aktuell führenden Ligateams (Bern, Lugano und Zürich). Was war heute im Eidgenössischen passiert?

SC Rapperswil-Jona Lakers – EV Zug  5:1 (3:0, 1:0, 1:1)

Eine spannende Partie, zumindest vor Spielbeginn. Die Rapperswiler führen die Swiss League deutlich an und Zug hatte nach einer Niederlagenserie am letzten Wochenende wieder den Return geschafft, war in drei Spielen zu drei Siegen gekommen. Somit lag der Favoritenstempel bei den Zugern. 4820 Zuschauer kamen in die Kantonalbank-Arena nach Rapperswil und sahen, nach verhaltenem Beginn beider Mannschaften, ein „Rappi-Explosion“ in der zwölften Spielminute. Der 35-jährige Kanadier Jared Aulin sowie sein Landsmann Josh Primeau schossen innerhalb von 23 Sekunden den Underdog mit 2:0 in Führung. Die geschockten Zuger mussten sich daraufhin erst einmal finden, kassierten aber noch eine Zeitstrafe und prompt klingelte es im Kasten. Michael Hügli überwand Nationalkeeper Tobias Stephan zum überraschenden 3:0, bei dem es bis zur ersten Pause blieb. Natürlich wollten die Zuger nicht untergehen, im Gegenteil, drei Tore sind auch in Rapperswil aufholbar und natürlich dachten die Gästefans an den legendären 15. November 1994, als die damaligen Zuger Meier, Antisin und Quinn in der letzten Spielminute noch aus einem 3:6 ein 6:6 gemacht hatten. Diese Freude taten ihnen die die Lakers diesmal nicht. Konzentriert wie ein Schweizer Bergbauer in 2000 Metern Höhe verteidigten die Lakers ihre Führung und wechselten auf die Kontertaktik mit Erfolg. Der aus Kloten gekommene Jordan Gehler erhöhte in der 31. Minute gar auf 4:0. Für etwas Hoffnung sorgte Zugs Schwede Viktor Stalberg in der 41. Spielminute mit dem 4:1 aber die Hoffnung schwand komplett in der 50. Minute, als Leandro Profico, wie Gehler ebenfalls Verteidiger, mit dem 5:1 die favorisierten Gäste dumm aus der Wäsche schauen ließ.

HC Ajoie – SC Langnau Tigers 4:3 (1:0, 2:2, 0:1, 1:0) n.V.

Die sensationelle Story des HC Ajoie geht weiter. Erst wurde Lausanne aus dem Cup befördert, dann sogar das frühere Weltpokalsieger aus Zürich, wenn auch erst nach Verlängerung und jetzt gelang das Gleiche im Spiel gegen die Langnau Tigers. Sicherlich war der heutige Gegner nicht so hochkarätig wie Lugano und Zürich in den ersten beiden Runden, aber man darf nicht vergessen, dass Ajoie nur ein Zweitligist ist und somit nicht über die finanziellen Mittel verfügt. Nur 1627 Zuschauer kamen zum Spiel, der Rest wollte sich scheinbar ein Ausscheiden nicht zumuten. Nach dem Spiel ist man halt schlauer und vielleicht kommt es im Halbfinale, wo ein weiteres Heimspiel droht zu einer Zuschauer-Explosion. Im ersten Drittel zeigten sich beide Vertretungen noch zurückhaltend, wollten nicht ins offene Messer laufen. Nicht ins Konzept von Langnaus Headcoach Heinz Ehlers passte sicherlich das 1:0 in der 17. Minute durch Ajoies Reto Schmutz. Die Welt sah dann sicherlich eine Viertelstunde später rosiger aus, als Eric Himmelfarb (25.) und Raphael Kuonen (32.) das Ergebnis gedreht hatten und es somit 2:1 für die Gäste stand. Aber die Tigers hatten nicht die Rechnung mit den griffigen und angriffslustigen Gastgebern gemacht. Mathieu Maret und Kevin Ryer schossen ihrerseits ihre Farben mit einem Doppelschlag in der 35. Minute in Führung. Im dritten Drittel versuchten die nun sichtlich nervösen Tigers den Ausgleich zu erzielen, aber die Defensive von Ajoie um ihren glänzenden Keeper Dominic Nyffeler, sein Bruder Melvin zog übrigens am heutigen Tage mit Rapperswil ins Halbfinale ein, blieb standhaft, musste jedoch durch Langnaus Finnen Eero Elo (50.) den Ausgleich hinnehmen. Damit ging es in die Verlängerung aber einen Vorteil brachte diese Zusatzzeit den Tigers nicht. Ajoie hielt kräftemäßig mit und in der 78. Minute explodierte das Stadion, als die Leihgabe von Servette Genf, Auguste Impose mit dem 4:3 den Erstligisten aus dem Emmental aus dem Cup kegelte.

EHC Biel – SC Bern 5:3 (1:2, 2:1, 2:0)

In der Meisterschaft läuft es im Augenblick beim SC Bern. Vereinzelten Niederlagen folgen meistens mehrere Siege am Stück und im Augenblick ist man den Verfolgern um elf Punkte enteilt, kann schon fast für die Play-offs planen. Biel dagegen hat zuletzt häufiger verloren als gewonnen, muss aufpassen und die Play-offs im Auge behalten. Genau das Gegenteil dann im Cup. Der Meister kam ins Straucheln, wobei es im ersten Drittel noch ganz ordentlich lief. Zwar traf „Mr. Biel“ Mathieu Tschantre, er spielt seit dem Jahr 2000 bei Biel, bereits nach 58 Sekunden für den EHC aber die Antwort der Berner war eindeutig. Zwei Minuten später glich Simon Moser aus und weitere zwei Minuten später brachte Gaetan Haas seine Farben erstmals in Führung. Am Ende des Drittels führte Bern immer noch mit 2:1 aber im zweiten Drittel zeigte Biel, dass mit seinen Spezialisten kein Zuckerschlecken ist. Bereits die erste Gästestrafe, Moser musste wegen Beinstellen gehen, nutzte bereits nach zehn Sekunden Marco Pedretti aus. Noch waren die Berner guter Dinge, vor allem, als Gaetan Haas mit seinem zweiten Tagestor erneut für eine Berner Führung sorgte. Für einen kleinen Bruch im Berner Spiel war dann Fabian Lüthi (Biel) verantwortlich. Der 28-Jährige nahm, nach einem Sturmfehler der Berner, einen Paß von Jan Neuenschwander auf und versenkte mit einem Shorthander den Puck hinter Berns Keeper Pascal Caminada, der nominellen Nummr 2 des SCB. Richtig lustig wurde es ab der 44. Minute, denn da führte Biel mit 4:3. Topscorer Jakob Micflikier hatte getroffen. Jetzt griff Bern mit allen Mitteln an, bekam sogar die Chance eines Penaltys aber Tristan Scherwey scheiterte am Bieler Keeper Simon Rytz. In der 55. Minute war dann auch Deutschlands Nationalverteidiger Justin Krueger involviert, als er sich zusammen mit seinem Kollegen Ebbett mit den Bielern Lofquist und Pouliot ein Scharmützel leistete und auf die Bank musste. In der 59. Minute nahm schließlich Berns Coach Jalonen seinen Torwart vom Eis und musste mitansehen, wie sich Biels Marco Pedretti mit seinem zweiten Tor, diesmal ein Empty-Netter, zum Tagessieger aufschwang.

HC Davos – Servette Genf  4:1 (0:1, 2:0, 2:0)

Auch in Davos lockte das Wochentagspiel nur wenige Zuschauer hinter dem Ofen hervor, zumal es mit -2 Grad auch schon recht kalt im hochgelegenen Davos war. Dabei haben sei ein nettes Spiel verpasst, zumindest wenn man Fan des HC Davos ist. Arno del Curto, der 61-jährige Übungsleiter des HCD, der schon vieles in seinem Leben erreicht hat, wollte endlich mal in dne Genuss eines Swiss-Pokal-Halbfinales kommen. Pflicht war dafür ein Sieg und der fiel, zumindest wenn man das erste Drittel nachbetrachtet, schwer. Die gebeutelten Genfer, man spricht von finanziellen Sorgen, gingen durch einen Verteidiger in Führung. Arnaud Jacquemet schoss in der 17. Minute die Gäste mit 1:0 in Führung. Danach brauchte Davos etwas, und 15 Minuten später war es soweit. Innerhalb von 82 Sekunden machten Andres Ambühl und Jerome Portmann aus dem 0:1 ein 2:1. Die an diesem Tage harmlosen Genfer versuchten danach das Spiel offen zu halten, kamen aber zu keinen großen Möglichkeiten und als Dino Wieser in der 44. Minute das 3:1 markiert hatte, war das Spiel so gut wie entschieden. Das i-Tüpfelchen mit dem 4:1 kam dann noch von Marc Wieser, drei Minuten vor Spielende.

Damit stehen mit dem EHC Biel, den SC Rapperswil-Jona Lakers, dem HC Ajoie und dem HC Davos die vier Halbfinalisten fest, die am 4. Januar 2018 um den Einzug in das Finale streiten werden. Die Paarungen müssen jedoch noch ausgelost werden.