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Bern nimmt Auszeit - der Vorsprung schmilztNL kompakt

Meister SC Bern gönnte sich eine kleine Pause. (picture alliance/KEYSTONE)Meister SC Bern gönnte sich eine kleine Pause. (picture alliance/KEYSTONE)
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Der Titelverteidiger aus Bern muss den Anstrengungen der letzten Wochen Tribut zollen. Aus einem komfortablen Elf-Punkte-Vorsprung sind aktuell noch sieben übrig geblieben. Verfolger Lugano konnte nur zum Teil aufholen, verlor von den letzten drei Spielen auch gleich zwei. Zug und Fribourg haben sich gefangen, während auch die Zürcher Lions eine Schwächephase durchmachen, deren Höhepunkt wohl das 1:5 gegen den Tabellenletzten Kloten war. Sensationelles tat sich in der letzten Woche im Mittelfeld: Biel holte zur Unterstützung für Headcoach Steinegger mit gleichen Rechten den Finnen Törmänen. Das Duo brachte es fertig, dass Biel von den letzten sieben Spielen sechs gewinnen konnte und den Anschluss an die Top Six geschafft hat. Eine ähnliche Serie, vier Siege in Folge, darunter ein 4:3 in Bern, hat Genf hinter sich, obwohl es am Genfer See finanziell mächtig rumort. Auch Lausanne konnte aufholen (Fünf Spiele, vier Siege), kämpft mit Genf und vor allem der dritten echten Wochenendüberraschung Langnau um Platz acht. Abgefallen ist Ambri, das sich ausgerechnet in dieser wichtigen Phase eine Niederlagenserie einhandelte - mit einem 4:9 in Langnau als Höhepunkt. Das Gleiche gilt für Kloten, dass zwar mit dem 5:1 im benachbarten Zürich überraschte, aber beim 1:4 zuhause gegen Langnau sofort wieder einknickte.

Wochenendsieger: Servette Genf (9:6 Tore, Sieben Punkte)

Die Überraschung schlechthin: Servette kämpft gegen finanzielle Probleme und um den wichtigen achten Play-Off-Platz. Eigentlich die besten Voraussetzungen um zu versagen aber die Westschweizer zeigen ihren begeisterten Fans das Gegenteil. Zwar benötigte Servette für die sieben Punkte drei Spiele und das Nervenkostüm wurde stark belastet, aber am Ende hatte sich der Aufwand gelohnt. Los ging es mit einem 1:0 gegen die zuletzt starken Fribourger. Der Alt-Internationale Goran Bezina traf in seinem 818. NL(A)-Spiel zum 135. Mal. Es folgte eine meisterliche Leistung beim Meister und Tabellenführer Bern. Selten mussten die anwesenden 15.200 Zuschauer eine derartige Überlegenheit eines Gastes mitansehen wie in diesem Spiel. Genf kam am Ende auf ein Schussverhältnis von 37:21, brauchte aber die Verlängerung. Zuvor hatten die Berner aus dem 0:1 (Simek) ein 3:1 gemacht (SCB-Tore: Haas, Kämpf und Hischier), ehe Genf noch ausgleichen konnte (Genfer Tore: Spaling und Loeffel). Der Schwede Tömmermes konnte dann in der 61. Minute für das 4:3 sorgen. So überlegen wie in Bern war Genf dann in Lugano nicht. Dennoch gab es wieder ein 4:3 nach Verlängerung. Für den HCL trafen bis zur sechzigsten Spielminute Bürgler, Hofmann und Fazzini, für Genf Richard, da Costa und Loeffel. Das Siegtor markierte in der 64. Minute Romain Loeffel.

Wochenendzweiter: SC Langnau (13:5 Tore, Sechs Punkte)

Die Tigers zeigten eine exzellente Leistung – in dieser Form können sie jeden schlagen. Zwar hieß der erste Gegner Ambri-Piotta, aber was die Langnauer zelebrierten, war nervenstarkes, blitzsauberes Eishockey. Nach 22 Minuten hatten die Langnauer Koistinen, Neukom und Kuonen bei einem Gegentor von Zwerger für ein 3:1 gesorgt. Dann folgten die starken 240 Sekunden der Tessiner. Kostner in Unterzahl, d`Agostini im doppelten Powerplay, Kubalik im einfachen Überzahlspiel machten aus dem 1:3 ein 4:3. Den 6000 Fans in der Ilfishalle, darunter etwa 300 aus Ambri, stockte der Atem, aber der SCL ließ sich nicht beirren. Noch vor der zweiten Pause drehten Berger (2) und Gagnon das Ergebnis und es stand 6:4. Das letzte Drittel wurde dann zu einem skandinavischen Highlight der Gastgeber. Die Kontingentspieler Thuresson, Gustafsson und Erkinjuntti erhöhten noch auf 9:4. Auch der zweite Gegner gehört diese Saison zur schwächeren Riege. Der EHC Kloten hatte aber ein paar Tage zuvor mit einem Auswärtssieg in Zürich von sich reden gemacht, sollte in diesem Spiel jedoch keine Chance haben. Zwar berannten die Flyers das Langnauer Tor, hatte ein Schussverhältnis von 54:23, aber die klar effizienteren Langnauer trafen ins Tor, machten aus dem 0:0 ein 4:1 (SCL: Neukom, Elo (2) und Blaser; EHCK: Schlagenhauf).

Wochenenddritter: EHC Biel (11:6 Tore, Sechs Punkte)

Auch die Bieler demonstrierten hohe Offensivkunst, brauchten für die elf Tore jedoch wie Genf drei Spiele. Die Show begann mit einem zunächst defensiv geprägten Spiel gegen den ZSC. Die Zürcher machten das Spiel, Biel schoss die Tore. Forster und Diem brachten Biel schnell mit 2:0 in Führung, dann kam Zürich, glich durch Herzog und Geering aus. In der 35. Minute brachte Pouliot Biel wieder in Führung. Im letzten Drittel gegen dem ZSC die Power aus und die Bieler bestimmten nun das Spiel und erhöhten durch Maurer und Micflikier sogar noch auf 5:2. Daraufhin setzte es in einem absolut ausgeglichenem Spiel ein knappes 2:3 in Davos. Zum Abschluss wurde Lausanne mit einem klaren 4:1 (Tore Biel: Neuenschwander(2), Earl und Kreis; LHC: Jeffrey) nach Hause geschickt.

Das Wochenendmittelfeld

Davos zeigte noch eine befriedigende Leistung, kam bei 7:5 Toren ebenfalls auf sechs Punkte. Zug folgte mit vier Zählern vor Lausanne. Kloten hätte sich höher platzieren können nach dem Sieg in Zürich, aber das 1:4 gegen Lausanne war wieder ein klarer Rückschritt. Hinter Kloten folgten die Titelanwärter Bern und Lugano, Platz Zehn schließlich für Fribourg.

Die Wochenend-Schlusslichter

Die orangene Laterne geht an einen desaströsen Zürcher SC. Zwar spielte Kenins zuletzt wieder in der vierten Reihe, aber die verletzten Shore und vor allem Nilsson fehlen den Stadt-Zürichern an allen Ecken und Enden. Einem schwachen 2:5 in Biel folgte ein katastrophales 1:5 gegen den ungeliebten Nachbarn aus Kloten. Die rote Laterne geht an Ambri-Piotta, das sich zwei eindeutige Niederlagen (4:9 in Langnau, 1:3 gegen Zug) leistete und mittlerweile schon sieben Punkte Rückstand auf den Tabellenzehnten (Lausanne) aufweist.

Die Schweiz trauert: Zarley Zalapski verstorben

Zarley Zalapski, 1968 in Edmonton geboren und eine Art Weltenbummler in Sachen Eishockey, ist mit 49 Jahren an den Spätfolgen einer viralen Infektion gestorben. Zalapski war im Oktober bereits mit Herzproblemen in ein Krankenhaus eingewiesen worden, allerdings kurz darauf wieder entlassen worden. Auf Grund von späten Komplikationen starb er, laut seiner Familie, am Sonntag im Schlaf.

Zalapski, mit 1,86m und 102 Kg Lebendgewicht ein echter „Brecher“, wurde 1986 von den Pittsburgh Penguins als Nr. 4 gedraftet. Der Nationalspieler kam dann 1987 nach Pittsburgh, wechselte später noch nach Hartford, Calgary, Montreal und Philadelphia und absolvierte 685 NHL-Spiele, in denen er 411 Punkte holte. Bereits 1998 zog es ihn das erste Mal in die Schweiz zu den ZSC Lions. Danach folgten eine Rückkehr in die amerikanische IHL und ein Zug durch die europäischen Eishockeygemeinden (München Barons in der Saison 2000/01, Meran, Esbjerg, Umea und Innsbruck). 2005 begann dann seine unvergessliche Zeit in der Schweiz. Martigny, Visp und Chur in der NLB, später dann Biel, Olten und schließlich Lausanne, wo er 2010 seine einzigartige Karriere beendete.

Natürlich sind auch ein paar Anekdoten mit seinem Namen verbunden. Die Beste: Eines Tages kam er aufgeregt ins ZSC-Sekretariat, wo er berichtete, dass ihm sein Auto geklaut worden sei. Ganz so schlimm war es dann doch nicht: Es hatte in der Nacht zuvor geschneit und sein Gefährt war schlicht zugeschneit.