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Hockeyweb im Gespräch mit Vereinsverantwortlichen der Alps Hockey LeagueMeinungen durchweg positiv "es weht ein frischer Wind"

Hockeyweb im Gespräch mit Vereinsverantwortlichen der Alps Hockey LeagueHockeyweb im Gespräch mit Vereinsverantwortlichen der Alps Hockey League
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Wir haben uns mit den Pressesprechern des HC Pustertals, der WSV Sterzing Bronocs und des EHC Lustenau unterhalten und mal die aktuelle Gefühlslage erforscht.

Im Gespräch mit Patrick Kirchler vom HC Pustertal.

Wie empfinden Sie die Teilnahme an der AHL?

Durchaus positiv. Die Liga hat internationales Flair und bringt viele neue Gesichter: Gegnerische Teams und Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre, Ansprechpartner - ja sogar Zuschauer. Es weht also ein frischer Wind durch alle Reihen.

Welche Vorteile aber auch Nachteile bringt die Teilnahme mit sich?

Die Vorteile liegen nach etlichen Saisons mit unter 10 Teams in der früheren Serie A auf der Hand. Mehr Kompetition, besserer Modus...und die oben genannten Faktoren. Ein Nachteil, wenn man es überhaupt als Nachteil ansieht: der nationale Wettstreit um den „Scudetto“, um den klassischen Meistertitel, rückt in den Hintergrund.

Hat sich der Zuschauerschnitt verändert? Wenn ja in welche Richtung?

Der Zuschauerschnitt ist im letzten Jahr der Serie A in den Keller gewandert, so sehr dass man jetzt schon wieder einen Aufschwung spürt. Der HC Pustertal hat im Herbst 2016 mit Aktionen in beinahe jedem Heimspiel versucht die Zuschauer wieder zurück zu gewinnen, was eindrucksvoll gelungen ist. Nun gilt es Nachhaltigkeit zu schaffen, um wieder nach Vorne schauen zu können.


Ist es ein Nachteil als italienisches Team, dass viele Mannschaften aus Italien dabei sind?

Nein, ganz bestimmt nicht. Mehr Teams bedeutet mehr Konkurrenz und mehr Derbies. Wichtig bleibt, dass die Liga spannend ist und die Spiele umkämpft. Sicherlich wäre es wünschenswert, traditionsreiche Städte wie Mailand oder Meran zu gewinnen in den nächsten Jahren.


Seid ihr mit eurem vor der Saison gesteckten Ziele auf Kurs?

Der HCP war mit der Zielsetzung 2016/17 ungewöhnlich vorsichtig. Zu viele unbekannte Faktoren gab es im Sommer: die neue Liga, neue Gegner, Ausländerreduzierung, Einbau Jugendspieler...
Die Wölfe zieren mit den Rittner Buam die Tabellenspitze und haben die angepeilte Masterround (erste 6 Teams) und das Final Four um die Italien-Meisterschaft Ende Januar so gut wie in der Tsache. Ergo bisher absolut auf Kurs, dass der starke Saisonstart Begehrlichkeiten weckt, ist klar!


Merkt man ein einen Unterschied im Niveau der Spiele?

In Sachen spielerisches Niveau kann die „Sky Alps Hockey League“ der alten Serie A nicht das Wasser reichen. Dieses Defizit wird aber durch Einsatz, Laufbereitschaft und Spannung um die Tabellenplätze locker wettgemacht, sodass man hier eindeutig von einem „Schritt nach Vorne“ sprechen kann.

Haben sich eure Spieler verbessert?

Wie in jeder Saison gibt es Spieler die sich überraschend gut entwickeln oder eben auch nicht. Durch die neuen Konstellationen in den Kadern, viele junge Spieler in allen Linien und nicht zuletzt durch die neuen Gegner hat es auch bei den Wölfen positive und negative Überraschungen gegeben. Erwähnenswert dabei der 17-jährige Maxi Leitner, der in der Abwehr bereits seine Rolle gefunden hat, sowie „Oldie“ Patrick Bona (35), der als Antreiber im Sturm aufblüht.

Was könnte in der AHL noch besser laufen und was hat euch bisher positiv überrascht?

Einige Vereine, darunter auch der HCP haben die Gründung forciert und stehen zum neuen Format. Die positiven Rückmeldungen zeugen von einer breiten Akzeptanz bei Fans, Spielern und Sponsoren. Dass es im Tagesgeschäft ohne Startschwierigkeiten abläuft, wäre illusorisch. Einziger Wehrmutstropfen: in Sachen TV-Präsenz hinkt man noch nach, was dazu führt, dass die „AHL“ ausserhalb der Fanszene und Hochburgen noch nicht den Bekanntheitsgrad hat, den sie verdient.


Den Schritt in die AHL bereut?

Ganz und gar nicht. Im Gegenteil.



EHC Lustenau Werner Alfare

Wie empfinden Sie die Teilnahme an der AHL? Welche Vorteile aber auch Nachteile bringt die Teilnahme mit?

Grundsätzlich ist die AHL ein Fortschritt in die richtige Richtung, das Niveau ist gestiegen.

Die Organisation der Meisterschaft musste in relativ kurzer Zeit realisiert werden, dabei ist manchmal die Kommunikation auf der Strecke geblieben. Daraus kann man aber lernen. Für die (Amateur)-Vereine war sehr viel Neues zu bewältigen in kurzer Zeit. Es haben sich aber alle bemüht.

Hat sich der Zuschauerschnitt verändert? Wenn ja in welche Richtung?

In Lustenau hat sich der Schnitt leider nicht verändert. Vielleicht bessert sich das noch.

Ist es ein Nachteil als Österreiches Team das viele Mannschaften aus Italien dabei sind?

Nein im Gegenteil, das sind attraktive Gegner und die Reisestrapazen halten sich in Grenzen.

Seid ihr mit eurem vor der Saison gesteckten Ziele auf Kurs?

Im Augenblick ja, erstes Ziel war das Erreichen der Playoffs. Da sind wir derzeit auf Kurs.

Merkt ein einen Unterschied im Niveau der Spiele? Haben sich eure Spieler verbessert?

Natürlich ist das Niveau gestiegen, die Spieler bemühen sich, den höheren Anforderungen gerecht zu werden.

Was könnte in der AHL noch besser laufen und was hat euch bisher positiv überrascht?

Die Organisation durch die EBEL ist super. Was uns ein wenig fehlt ist die Rücksichtnahme auf „Amateure“ (wir haben z.B. nur 5 Profis in der Mannschaft). Ich weiß, dass es anderen Amateurvereinen auch so geht.

Den Schritt in die AHL bereut?

Bis jetzt nicht, ich hoffe, das bleibt so.

Stefan Troyer von den Broncos Sterzing



Wie empfinden Sie die Teilnahme an der AHL? Welche Vorteile aber auch Nachteile bringt die Teilnahme mit?

Die Teilnahme an der AHL ist aus unserer Sicht rundherum positiv zu bewerten. Der größte Vorteil von allen ist die Planungssicherheit für die nächsten Saisons, denn auch wenn die eine oder andere Mannschaft wegfallen sollte, was wir nicht hoffen, wäre das ohne Weiteres zu verkraften. Die italienische Serie A hing seit Jahren an einem seidenen Faden und wegen der geringen Anzahl an Teams war die Liga erpressbar, da man um jeden Teilnehmer zittern musste.

Bei mehreren Saisonspielen gegen immer die gleichen Gegner hatten auch die Zuschauer das Interesse verloren. Heuer hingegen ist bis zu den Playoffs jedes Team maximal zweimal zu Gast, und das bringt Abwechslung. Ein weiterer großer Vorteil ist auch die professionelle Organisation. Man merkt den Unterschied einfach, wenn mehrere Personen hauptberuflich für die Ligaorganisation zuständig sind. Der italienische Verband konnte dies aus Ressourcenmangel einfach nicht leisten, denn er ist ja nicht nur für das Eishockey, sondern auch für alle anderen Eissportarten zuständig. Auch die Zusammenarbeit mit dem DOPS (Department of Player Safety) ist ein großer Fortschritt, wie er in einer rein italienischen Liga aufgrund der Vorgaben des nationalen olympischen Kommittees (CONI) in Bezug auf die Sportgerichtsbarkeit nie möglich gewesen wäre. Der größte und wohl auch einzige Nachteil ist für viele Teams der höhere Reiseaufwand, aber da sind wir in Sterzing von der Geographie her wirklich gesegnet. Für Clubs wie Asiago und Cortina ist es aber mit Sicherheit ein großer Nachteil, denn für die verlängern sich die Wege enorm.


Hat sich der Zuschauerschnitt verändert? Wenn ja in welche Richtung?


Während der Zuschauerzuspruch im letzten Jahr trotz toller sportlicher Erfolge vor allem gegen Ende der Saison absolut enttäuschend war, sind wir heuer überrascht, dass sich der Schnitt trotz des schwachen Saisonstarts einigermaßen hält. Dies ist einmal dem Umstand geschuldet, dass das Team trotz der Niederlagen gut gespielt hat, aber ich denke es zählt auch, dass man die meisten Gegner nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommt. Es ist aber zu früh, die Auswirkungen der neuen Liga insgesamt zu beurteilen. Speziell bei den Teams, die nicht aus Südtirol stammen, muss die Akzeptanz erst noch wachsen, und von heute auf morgen Wunderdinge zu erwarten, wäre nicht realistisch. Man muss dem Projekt die Zeit geben um zu wachsen, und erst am Ende der nächsten Saison wird man die ersten aussagekräftigen Schlüsse ziehen können.

Ist es ein Nachteil als italienisches Team das viele Mannschaften aus Italien dabei sind?

Nein, im Gegenteil. Das erhöht die Identifikation mit der Liga, was speziell für die Teams von außerhalb

Südtirols ein Thema ist.

Seid ihr mit eurem vor der Saison gesteckten Ziele auf Kurs?

Nicht unbedingt. Uns war von Anfang an bewusst, dass der sechste Platz in der Vorrunde hoch gegriffen sein

könnte, aber dass wir die ersten sieben Spiele allesamt verlieren hätte niemand gedacht. Dabei waren wir in so gut wie allen Spielen nah dran, aber es hat eben nicht gereicht. Der verletzungsbedingte Ausfall von Colin

Behenna in den ersten 12 Spielen war natürlich auch nicht gerade hilfreich. Leider fiel dann gleich Francis

Verreault-Paul aus, weshalb wir bisher nur vier Drittel lang einigermaßen in Bestbesetzung spielen konnten.

Wegen der vielen Niederlagen zu Beginn ist der sechste Platz nun relativ weit weg, und auch wenn das Team in den letzten zehn Spielen sieben Siege geholt hat, muss nun alles perfekt zusammenspielen, dass wir noch eine Chance haben, unter die Top 6 zu kommen. Aber der Trend zeigt eindeutig steil nach oben, und es ist nicht gesagt, dass wir es nicht doch noch schaffen.

Merkt ein einen Unterschied im Niveau der Spiele? Haben sich eure Spieler verbessert?

Die Spiele sind wegen des harten Meisterschaftsmodus‘ wesentlich intensiver. Während in den letzten Jahren schon sehr viel schief gehen musste, damit man die Playoffs überhaupt verpassen konnte, war heuer vom ersten Spieltag an klar, dass es für den Großteil der Teams ein extrem harter Kampf werden würde. Das technische Niveau ist vielleicht etwas niedriger, aber die ungleich höhere Intensität macht das mehr als wett. Ich denke, die Spiele sind insgesamt deutlich attraktiver geworden. Wir haben in der letzten Saison und auch heuer sehr viele junge Spieler in das erste Team eingebaut, und diese haben beachtliche Schritte nach vorne gemacht. Es muss aber fairerweise angemerkt werden, dass in der Serie A bereits in der Saison 2014/15 ein Limit von vier Importspielern eingeführt wurde, was vielen jungen Spielern die wohlverdiente Chance gegeben hat, auf einem recht ansprechenden Niveau zu spielen. Die höhere Intensität in der Alps Hockey League ist aber mit Sicherheit ein weiterer Pluspunkt für sie.

Was könnte in der AHL noch besser laufen und was hat euch bisher positiv überrascht?

Man darf wie schon gesagt natürlich keine Wunderdinge erwarten, wenn in nur zweieinhalb Monaten eine völlig neue Liga aus dem Boden gestampft werden muss. Dass das insgesamt so gut geklappt hat, ist an sich schon eine große Überraschung. Hier muss man der Ligaleitung ein großes Kompliment aussprechen. In kleinen Details ist sicher noch Optimierungspotential vorhanden, aber insgesamt läuft es bereits sehr gut.

Was unbedingt verbessert werden muss, ist die mediale Sichtbarkeit, speziell in Italien. Im Fernsehen sind wir im Gegensatz zur Serie A praktisch überhaupt nicht mehr vorhanden, und da besteht dringender Handlungsbedarf. Ich bin aber überzeugt, dass wir zusammen mit der Ligaleitung auch diesen Aspekt noch in den Griff bekommen werden.

Den Schritt in die AHL bereut?

Auf gar keinen Fall!