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Cole, der Meister-EisbärNHL-Star beendet seine Karriere

Erik Cole (r.) wurde zum 2005 zum Meisterhelden der Eisbären, Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak  zu seinem Fan. Foto: picture-alliance/dpa/dpaweb. Montage: HockeywebErik Cole (r.) wurde zum 2005 zum Meisterhelden der Eisbären, Hockeyweb-Reporter Ronald Toplak zu seinem Fan. Foto: picture-alliance/dpa/dpaweb. Montage: Hockeyweb

Erste gesamtdeutsche Meisterschaft

Die Zeit, Karussell im Bildertaumel des Lebens. 12 Jahre ist es inzwischen schon wieder her, dass Erik Cole zum Helden von Hohenschönhausen wurde. Und für mich. Der US-Amerikaner hatte 2005 maßgeblichen Anteil am Gewinn der ersehnten ersten gesamtdeutschen Meisterschaft des EHC Eisbären Berlin. Nicht umsonst wurde der Weltklasse-Stürmer zum MVP der Play-offs gewählt. Seitdem ist Helmut, wie ihn die Fans in Anlehnung an Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl nannten, Legende. Alles hat seine Zeit. Die, in welcher der Meisterheld als Profi sportlich begeisterte, ist nun vorbei. Leider. Der 38-Jährige hängt seine Schlittschuhe an den Nagel, beendet seine Karriere.

Midlife Crises verscheucht   

2005 wurde ich, damals Eisbären-Reporter für den Berliner Kurier, 40 Jahre alt. Es kommt mir wie gestern vor. Wenn ich es vermeide, auf meinen Ausweis zu schauen. Es war ein besonderes Jahr. Nicht nur ob meines runden Geburtstages. Auch beruflich. Die Eisbären respektive Erik Cole schafften es, die aufkommenden Anzeichen einer Midlife Crisis zu verscheuchen. Die Spielzeit war vom Ausfall der NHL geprägt. Viele DEL-Mannschaften verstärkten sich mit Stars aus der besten Liga der Welt. Die Bären holten den deutschen Nationaltorwart Olaf Kölzig, Nathan Dempsey und eben Cole über den großen Teich. Genug Ablenkung für einen mit dem Alter hadernden Sportreporter, denke ich.

Echt cool, der Cole

Niemals werde ich das erste Aufeinandertreffen mit Cole vergessen. Im kleinen Pressecontainer am Welli stellte sich der damals 25-Jährige aus der Kleinstadt Oswego vor. Ich gebe es zu, viel sagte er mir nichts. Aber er war eben ein NHL-Star. Allein das sorgte schon für Gänsehaut. So einer muss doch gut sein. Dachte ich. Locker. Lustig. Richtig cool gab er sich, der Cole. Besonders auffällig aber waren seine Muskelberge. So ganz anderes als man das von den eher drahtigen Kollegen aus der Deutschland kannte. Dieser Typ hätte auch als Terminator in Hollywood Karriere machen können.

Erstes Selfie: Cole und ich

Was mich erstaunen ließ, war für Cole normal. Die NHL ist eben auch körperlich ein ganz anderes Kaliber. Was auch der damalige Eisbären-Trainer Pierre Pagé seinen deutschen Cracks gebetsmühlenartig predigte. Und Cole weitergeben wollte. Besonders den damals blutjungen Florian Busch nahm der Superstar unter seine Fittiche. ’Er hat fantastische Hände, großes Talent. Florian hat das Zeug dazu, in der NHL spielen, muss aber noch Muskelmasse zulegen“, erklärte er mir. Ohne abgehoben dabei zu wirken. Er wollte Buschi einfach nur helfen. Auch eine Geschichte, die zeigt, dass ihm jegliche Allüren fremd waren. Auf und neben dem Eis.Cole, und deshalb können sich einige Sport-Sternchen ein ganz großes Stück von ihm abschneiden, war keine Diva. Kein Autogrammjäger wurde vergessen, jeder Fotowunsch erfüllt. Sympathisch, bodenständig, glaubwürdig, menschlich - genau deshalb ist Cole so beliebt. Um solche Reaktionen hervorzurufen, braucht es  mehr als Talent. Dafür braucht es Integrität und Demut. Er ist einer von uns geblieben. Und hinterließ deshalb ewige Spuren - auch in meinem Gedächtnis. Bei ihm war ich Fan. Nicht Reporter. Er war ein körperbetonter Spieler. So viel zum Thema Muskelmasse. Aber kein unfairer Haudrauf. Nach einem viel diskutierten Check wurde Cole in den Play-offs 2005 von der DEL gesperrt. Zu Unrecht. Wie ich damals fand. Und immer noch finde. Der Aufkleber ’Wattebauschliga“, den die Fans gefertigt hatten, hängt noch heute zu Hause an meiner Pinnwand.

Völlig verdient: Meister-MVP 

Konnte Cole und die Bären bekanntlich nicht stoppen. Ich freute mich wie Bolle, als er völlig verdient MVP der Play-offs wurde. Es war seine erste Meisterschaft. Und deshalb für ihn etwas ganz Besonderes. Der knallharte Kerl weinte Freudentränen. Er freute sich wie ein kleines Kind. 2002 hatten seine Hurricanes das Stanley-Cup-Finale gegen Detroit verloren. Ein für ihn einschneidendes Erlebnis, das ihn zutiefst prägte, wie er erzählte. Jetzt, endlich, hatte er den Ballast dieser Niederlage abgeworfen. Auf der Feier des legendären Meistertitels wollte ich — natürlich - ein gemeinsames Foto mit Cole. Ich bekam es auch. Es war, glaube ich, mein allererstes Selfie. Wenige Wochen später war dann das Handy kaputt. Das Foto auch. Ärgert mich noch heute maßlos. Aber ich habe es tief in der Schatztruhe meines Herzens verschlossen.

Gewinn des Stanley-Cups

Cole kehrte zu den Carolina Hurricanes zurück. Trotzdem ließ er sich immer über die Ergebnisse der Bären unterrichten. Einmal Eisbär, immer Eisbär. Noch eine Anekdote dazu. Nachdem er durch ein brutales Foul in der NHL einen Halswirbel-Anbruch erlitt, organisierten die EHC-Fans eine ’Werd-schnell-wieder-gesund"-Aktion. ’Ich war von der langen Unterschriften-Liste absolut überwältigt“, sagte er mir damals am Telefon. Vielleicht trug auch diese Geste zur relativ schnellen Genesung bei. Denn in den Play-offs wurde Cole noch rechtzeitig fit und holte mit den Hurricanes den ersehnten Stanley-Cup. Deutscher Meister und nur knapp ein Jahr später NHL-Champion — wer kann das schon von sich behaupten!

Cole wird nun Botschafter der Hurricanes. Als Profi ist Schluss. 12 Jahre, nachdem ich ihn kennenlernen durfte. Eine lange Karriere. Eine lange Zeit. Die mich etwas melancholisch stimmt. Jetzt spüre ich sie wieder, die Midlife Crises, die mir die Eisbären und Cole 2005 genommen hatten. (Autor: RT)