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Ambri und das AbstiegsgespenstVon klein bis gro

Kann der HC Ambri-Piotta mal wieder in Richtung Play-offs schielen? (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)Kann der HC Ambri-Piotta mal wieder in Richtung Play-offs schielen? (Foto: dpa/picture alliance/KEYSTONE)

Die Reihenfolge der Teams ist eine Besondere: Wir fangen mit der kleinsten Ortschaft an und steigern uns bis zur größten Stadt der Schweiz, Zürich.

Im ersten Bericht stellen wir kurz die Teams HC Ambri-Piotta, SC Langnau und HC Davos vor.

HC Ambri-Piotta (1.000 Einwohner)

Seit wenigen Jahren, genauer seit 2007, passiert in der kleinen Ortschaft Ambri-Piotta, nur wenige Kilometer südlich des St. Gotthardt-Tunnels das gleiche Phänomen. Das Abstiegsgespenst wird im September gesichtet und nur mit viel Mühe im nächsten Frühjahr wieder vertrieben. Von der Saison 2013/14 abgesehen, als es schon im November vertrieben werden konnte, zeigt es sich seit zehn Jahren und die leidenschaftlichen Tifosi haben es am meisten von allen Teams verdient, wenn ihre Mannschaft mal wieder mit der Qualifikation zu den Play-offs das Gespenst frühzeitig verjagt.

Unter Leitung von Präsident Filippo Lombardi wurde versucht, den mühevollen Weg der Sanierung, der Ausrichtung in die Zukunft und gleichzeitig sportlich mindestens den Klassenerhalt zu schaffen.

Verantwortung

Zurück zu den Wurzeln lautet das Motto und deswegen steht ab sofort ein alter Haudegen, d.h. ein echter Ambri-Mann, hinter der Bande, während das Gespann Dwyer/Kossmann nicht mehr existent ist. Der alte Neue ist Luca Cereda, 35-jähriger Bellinzoner, der bereits nach der Saison 2006/07 als Spieler aufhörte und seitdem sämtliche Juniorenmannschaften Ambri coachte und in der letzten Saison das Farmteam aus Ticino in der NLB hielt.

Tor

Der Komplettaustausch ist noch nicht abgeschlossen. Es fehlt immer noch ein Back-up. Chmel, Descloux und Zurkirchen mussten gehen, mit Conz kam ein erfahrene Nr. 1 aus Fribourg. Er trägt die größte Verantwortung, muss von Anfang an funktionieren.

Verteidigung

Drei Spieler (Giannini, Mäenpää und Berger) gingen. Für den starken Aufbauspieler Mäenpää kam der Italo-Kanadier Nick Plastino. Der 31jährige hat schon in allen großen Ligen Europas gespielt, gilt als guter Aufbauer mit einem strammen Schuss. Der zweite Neuzugang ist ein echtes Talent. Misha Moor, 20-jährig, U20-Nationalspieler wird sofort ins kalte Wasser geworfen, aber Schweizer Talente kennen das. Zum Glück geblieben sind die Stammspieler Collenberg, Gautschi, Jelovac, Ngoy und Zgraggen.

Sturm

Acht Mann haben die Tessiner verlassen, darunter verlässliche Kräfte wie Bastl, Duca, Fuchs und Pesonen. Das tat weh. Der Relaunch beinhaltet, auch wegen fehlender finanzieller Mittel, nur vier Mann und die sollen eigentlich Qualität aufweisen. Wichtigster Neuzugang ist der Ukrainer mit Schweizer Pass, Evgeni Chiraev. Er kommt aus Langnau, leider kein Goalgetter. Dazu muss noch Jeff Taffe genannt werden. Der 36-Jährige kommt vom KHL-Verein Slovan Bratislava, kann mit 180 NHL-Spielen und 114 KHL-Spielen glänzen. Taff muss ebenfalls sofort einschlagen, wenn man Erfolg haben will. Einen interessanten Anwärter auf die wenigen ausländischen Posten ist der erst 21jährige Dominic Zwerger. Der Österreicher war in der WHL in bei den Everett Silvertips Topscorer, will sich nun in einer der etablierten Liga durchsetzen. Wenn er das schafft, dann ist eine Karriere in der Nationalmannschaft Österreichs sicher. Vom Meister Bern kam schließlich noch Marco Müller. Ein Linksschütze mit Potenzial, der sicherlich zu einem Leistungsträger heranwachsen kann. Viele der Ambri-Stürmer haben bereits mehrere Jahre in dem kleinen Dorf verbracht, kennen die Schwierigkeiten, wie z.B. Bianchi, d‘Agostini, Hrabec, Kostner, Lauper, Lhotak und Monnet.

Fazit: Ambri kann für eine Überraschung sorgen, darf sich aber keinen Fehlstart leisten. Hockeyweb-Tipp: Nach der Vorrunde zwischen 8 und 12.

SC Langnau Tigers  (9.000 Einwohner)

Der zweitkleinste Ort der Liga kann durchaus selbstbewusst aus der Wäsche sehen. Was in Langnau in der letzten Saison geschafft wurde, ist aller Ehren wert. Der vor der Spielzeit als eindeutiger Absteiger, evtl. noch gefährdet von Ambri, genannte Club zeigte vielfach die Krallen und manche der etablierten NLA-Vereine bekam einen nicht erwarteten Denkzettel verpasst. Am Ende stand der problemlose Klassenerhalt und mit zuvor erreichten 59 Punkten hätte es fast zu einem Play-off-Platz gereicht.

Verantwortung

Präsident Peter Jakob weiß, dass ein sehr kleiner Club wie die Langnau Tigers sehr genau mit dem Geld umgehen müssen. Daher muss man sofort entgegen steuern, wenn man das Gefühl hat, dass der Weg nicht passt. Der Italo-Kanadier Scott Beattie musste jedenfalls im Oktober 2016 schon gehen und Heinz Ehlers, der dann die Verantwortung übernahm, führte das Team in relativ sichere Gefilde und verdiente sich seinen Trainerjob in Langnau.

Tor

Das einzige NLA-Team, das keinen Austausch im Gehäuse vornahm, waren die Emmentaler. Allerdings zeigten Damiano Ciaccio mit 3,3 Gegentoren in 29 Spielen sowie Ivars Punnenovs mit 2,8 Gegentoren in 35 Spielen gute Leistungen. Da beide Spieler fast gleichstark sind, entschied sich Trainer Ehlers, beide Akteure regelmäßig einzusetzen um Kräfte zu sparen.

Verteidigung

Die einzigen drei Abgänge der Langnauer in der Defensive sind etwas rätselhaft, wenn man mal von Dan Weisskopf absieht. Dieser wechselt nach Biel, obwohl die letzte Saison nicht gerade die Erfolgreichste von ihm war. Fabien Currit sollte eigentlich zum NLB-Club Red Ice Martigny ausgeliehen werden, aber in Martigny soll ein Konkursverwalter eingesetzt worden sind. Somit steht im Augenblick die Zukunft von Currit fraglich aus. Die Nr. 3 aus diesem Trio, Matt Lashoff, kam letztes Jahr vom AHL-Club St. Antonio Rampage, spielte ein paarmal in Langnau, hat aber bis jetzt noch nirgendwo unterschrieben. Neu im Team sind Samuel Erni und Federico Lardi. Erni hat noch Potenzial nach oben, kam in Zug zuletzt auf sechs Punkte in 61 Spielen und ist ein Mann für die dritte oder vierte Reihe. Lardi dagegen muss keine Punkte machen sondern nur verhindern. Er ist ein harter, unangenehmer Verteidiger, der keine Angst vor harten Zweikämpfen hat und auch meistens als Sieger aus ihnen geht. Vielleicht sogar der richtige Nebenspieler von Koistinen, der in Langnau blieb oder Huguenin oder Seydoux. Hier hat Ehlers jede Menge Gestaltungsmöglichkeiten.

Sturm

Hier fanden die meisten Auswechslungen, wie bei jedem NLA-Verein statt. Auch hier mussten zwölf Akteure die Koffer packen, darunter auch Spieler wie Chiriaev, di Domenico, Gerber, Marcenauer oder Moggi. Einige von diesen hätten die Fans gerne weiter gesehen aber dafür kamen sechs Neue, die neugierig machen. Gleich vier Ausländer sind darunter. Aus Finnland zog es mit Antti Erkinjuntti einen der besten Assistspieler (35 Vorlagen in 50 Spielen) von Pelicans Lahti zu den Tigers. Aaron Gagnon kam vom Meister Bern, Anton Gustafsson aus Fribourg und Eric Himelfarb vom NLB-Club HC Thurgau. Ergänzt werden die vier von Emanuel Peter, einem erfahrenen Dritte-Reihe-Stürmer aus Zug sowie Benjamin Neukom. (Fribourg). Zusammen mit den etablierten bisherigen Tigers  wie Eero Elo, Thomas Nüssli oder Roland Gerber sollten die Langnauer auch in diesem Jahr eine gute Rolle spielen.

Fazit: Die Tigers können noch weiter kommen als im letzten Jahr. Hockeyweb-Tipp: Die Langnau Tigers landen nach der Vorrunde zwischen Platz 8 und 12.

HC Davos  (11.500 Einwohner)

Am ehesten zu vergleichen sind die Davoser mit dem EV Füssen. Beide Städte sind in etwa gleichgroß, können von sich behaupten, dass sie das Eishockey in ihrem Land geprägt haben und hatten bzw. haben den Titel eines Rekordmeisters. Der Unterschied zwischen beiden Städten begann in den siebziger Jahren. Während sich in Deutschland das Eishockey immer mehr von den kleineren Städter, was die Spitze angeht, weg bewegte konnte sich Davos, nach einem kurzen Niedergang zwischen 1969 bis 1979 und einem zweiten Absturz zwischen 1989 und 1992 zweimal neu erfinden und hat augenblicklich wieder eine tragende Rolle im Schweizer Eishockey. Seit dem Jahr 2000 haben die Davoser sechs Titel holen können und die Fans in dem Graubündner Tal erwarten, dass ihre Blau-Gelben nach zwei erfolglosen Jahren den Berner Bären diesmal erlegen.

Verantwortung

Das Wichtigste zuerst: Er ist geblieben. Die Rede ist von der Trainerlegende Arno del Curto. Der Arsene Wenger des Schweizer Eishockeys begann bereits mit 26 Jahren seine Trainerlaufbahn, die hauptsächlich 1982 im Großraum Zürich begann. 1995 bis 1996 war er in Luzern, dann trat er in die Dienste des HC Davos, wo er seit zwanzig Jahren wirkt. Sechs Meisterschaften sind Grund genug für Präsident Gaudenz Domenig, ihm einen Vertrag vorzusetzen, den del Curto höchstens selbst kündigen kann. Der Rest des Trainerteams blieb zusammen, del Curto`s Co ist weiterhin Remo Gross.

Tor

Große Spannung herrscht von Anfang an auf dieser Position. Nach dem Weggang von Melvin Nyffeler, ausgeliehen von Kloten und jetzt nach Rapperswil, haben die Davoser nur zwei, relativ junge Spieler. Beide natürlich Top-Talente. Einer ist Gilles Senn. Mit 21 Jahren bereits die Nr. 1, im letzten Jahr einen Torschnitt von 2,67. Sein  Backup darf sogar für die belgische Nationalmannschaft ran: Joren van Pottelberghe. Der 20jährige war schon für Linköping in der SHL auf dem Eis, ist U20-Nationalspieler und wurde 2015 als Nr. 110 in den NHL-Draft von Detroit gezogen. Allerdings ist es typisch für Trainer del Curto, dass er stark auf die Jugend setzt und zwei so jungen Spielern das Vertrauen schenkt.

Verteidigung

Die Topleute in der Defensive, wie du Bois, Paschoud und Forrer blieben. Es ging mit Lorenz, Nater, Rahimi und Rampazzo vier Mann, es kamen vier Neue. Einziger echter Leader unter ihnen ist der Schwede Magnus Nygren. Der international erfahrene Crack kam aus Färjestad, wo er einer der besten Blueliner war. Er soll eine blutjunge Defensive führen, deren Durchschnittsalter 22 Jahre ist. Die drei Neuzugänge in der Verteidigung sind Dominic Buchli, der erst 17-Jährige Davyd Barandun und, vorgestern erst vorgestellt, Tim Grossniklaus.

Sturm

Die Sturm-Abteilung ist eingespielt wie kaum ein andere in der NLA. Grund genug für del Curto, lediglich einen neuen Spieler zu holen. Gegangen sind zehn Akteure, darunter zahlreiche Leihgaben. Gerne hätten die Fans sicherlich Spieler wie Axelsson, Hall, Ledin, Ruutu, Shore oder Vaskivuo oder Spylo weiterhin gesehen, aber es sollte halt nicht sein. Der einzige Neue ist der Amerikaner Broc Little, der mit 1,75 Meter auch tatsächlich nicht gerade der Größte ist. Er gilt als klein, physisch etwas schwächlich aber als schnell und technisch versiert. Und er ist ein harter Arbeiter vor dem Tor, was für große gegnerische Verteidiger sicherlich nicht immer zum Besten ist. Ansonsten blieb der Großteil der spielerischen Qualität beisammen. Namen, die auch international bekannt sind wären z.B. Aeschlimann, Ambühl, Corvi, Jörg, Kousal, Lindgren, Sciaroni, Walser und die Wieder-Brüder Marc und Dino. Dazu kommen etliche Juniorennationalspieler, die an den Stühlen der Etablierten rütteln.

Fazit: Davos kann für die Überraschung sorgen. Bereits der Start in die CHL zeigte die spielerische Qualität an. Hockeyweb-Tipp: Nach der Vorrunde zwischen 1 und 4.

Hier geht es zum Teil 2 und Teil 3 der NL-Vorschau.