Ost-Konferenz:
Überraschungsteams wird von Zweiflern gerne prophezeit, dass „der Fahrstuhl kommt“, dessen Fahrt dann freilich nur nach unten führen kann. Amur Chabarowsk steht zwar wieder an Platz eins der Ost-Konferenz, den es nach der 1:3-Niederlage im Spitzenspiel (am 27. Oktober) zwischenzeitlich an Traktor Tscheljabinsk abtreten musste, hat das jedoch lediglich zwei mehr absolvierten Spielen und dem einen Pünktchen zu verdanken, welcher am Donnerstag bei der 4:5-Penalty-Niederlage im Heimspiel gegen Torpedo Nischni Nowgorod heraussprang. Von den letzten vier Spielen verlor Amur indessen drei. Besonders bitter die 2:6-Klatsche am vergangenen Dienstag auf eigenem Eis gegen Dynamo Moskau. Die Hauptstädter ließen den bisherigen Liga-Primus nach einer knappen 1:0-Führung nach dem ersten Drittel nicht mehr vom Haken und banden schon im Mittelabschnitt den Sack mit vier Treffern zu.
Kann Traktor Tscheljabinsk am heutigen Freitag in seinem letzten Match vor der Länderspiel-Pause bei Salawat Julajew Ufa punkten, muss das spielfreie Amur tatenlos zuschauen, wie die „Traktoristen“ gemütlich an ihm vorbei auf Platz eins tuckern. Deren Chefcoach Walerij Belousow kann momentan mit Stolz auf seine Mannschaft blicken, die eine Serie imposanter Ergebnisse vorweisen kann. Besagtem 3:1-Heimerfolg über Chabarowsk ließen die Mannen um Ex-Eisbär Deron Quint zwei Auswärtssiege bei Neftechimik Nischnekamsk (8:2) und AK Bars Kasan (3:2) folgen. Am guten Lauf seiner Mannschaft hat Quint erheblichen Anteil, ist der 35-jährige Amerikaner doch aktuell mit fünf Treffern und sechs Vorlagen, gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Alexander Rijasanzew (4/7), Traktors punktbester Verteidiger. Und mit +4 stimmt im Gegensatz zur letzten Saison auch seine Plus/Minus-Statistik. Bekommen viele nordamerikanische Cracks auch Probleme mit den Gegebenheiten in Russland, die Frohnatur Deron Quint scheint sich mit allen Unwägbarkeiten arrangieren zu können und gehört so inzwischen zu den Top-Legionären in der KHL. Abgesehen von der großen Ausgeglichenheit des Kaders (von 13 bislang eingesetzten Stürmer haben alle mindestens einmal getroffen; für lediglich zwei Spieler steht eine negative Plus/Minus-Bilanz zu Buche), kann sich Chefcoach Belousow mit dem Kanadier Michael Garnett (17 Einsätze/12 Siege/Gegentorschnitt 1,88/ Fangquote 92,0%) zudem auf einen starken Torhüter verlassen. Garnett wurde just als bester KHL-Torsteher des Monats Oktober ausgezeichnet.
West-Konferenz:
Im Westen zieht weiter der SKA St. Petersburg seine Kreise. Der charismatische Chefcoach Milos Rhziga hat sein Star-Ensemble im Griff, das entschlossen von Sieg zu Sieg eilt. Gestützt auf eine enorm starke Defensive (erst 30 Gegentore in 18 Spielen und damit mit Abstand die wenigsten ligaweit) und einer überaus produktiven skandinavischen Dreier-Phalanx im Sturm, bestehend aus den beiden Schweden Tony Martensson (7 Tore/12 Vorlagen) und Mattias Weinhandl (8/7) sowie dem Norweger Patrick Thoresen (7/7), fegt SKA die Gegner reihenweise vom Eis. Die letzte Niederlage datiert vom 21. Oktober, einem Auswärtsspiel bei Torpedo Nischni Nowgorod (3:5). Danach gab es vier Siege hintereinander, den letzten am vergangenen Mittwoch mit 3:1 im Heimspiel gegen den Drittplatzierten der Ost-Konferenz Avangard Omsk. SKA St. Petersburg führt mit 43 Punkten nahezu unangefochten die Tabelle der West-Konferenz an. Nahezu, weil es mit Dynamo Moskau in der eigenen Division einen Kontrahenten gibt, dem es bisher gelang, SKA auf Sichtweite zu folgen. Nur der Zugehörigkeit beider Mannschaften zur Bobrow Division ist es geschuldet, dass die Moskowiter trotz 40 Punkten (allerdings aus 21 Spielen) dem Namensvetter aus Minsk (36) tabellarisch den Vortritt lassen müssen. Und hätte den Blau-Weißen nach ihrer Gala-Vorstellung in Chabarowsk (siehe oben) zwei Tage später nicht ein wenig die Kraft gefehlt, und wäre in Novokusnezk mehr herausgesprungen als der mühsame 3:2-Sieg nach Penalty-Schießen, die Mannschaft von Cheftrainer Oleg Znarok hätte den Abstand noch mehr verkürzen können. Das neue Dynamo Moskau hat augenscheinlich die mit der Fusion mit HK MWD einhergehenden Querelen überwunden. Zweifelsohne ist die traditionsreiche Geschichte des Klubs um ein sehr aufregendes Kapitel reicher, doch sportlich ist wieder mit Dynamo Moskau zu rechnen.

















