Lange mussten die Ducks, die in den Play-offs 2011 im Conference-Viertelfinale gegen Nashville ausschieden, in der vergangenen Spielzeit auf ihre Nummer eins verzichten. Monatelang litt der Nationalkeeper immer wieder an Schwindelanfällen und Gleichgewichtsstörungen, nachdem er im letztjährigen All-Star-Game zweimal von einem Puck an der Maske getroffen wurde. Aber in dieser Saison kann das Team wieder auf den Appenzeller, der seit 2007 in Anaheim spielt und zuvor in Davos das Tor hütete, zählen.
Allerdings schien es zunächst eine wahre Katastrophen-Saison zu werden – eine Niederlage jagte die nächste. Selbst nach dem Trainerwechsel Anfang Dezember (für den langjährigen Coach Randy Carlyle kam Ex-„Caps“-Trainer Bruce Boudreau) ging es weiter bergab. Doch plötzlich, wie über Nacht, lernte der Stanley-Cup-Gewinner aus dem Jahr 2007 wieder das Siegen – abgesehen von der aktuellen 0:1-Niederlage in Dallas. Und Jonas Hiller, dessen Vertrag noch bis 2014 läuft, geht es auch gesundheitlich wieder besser.
Herr Hiller, vor gut zwei Wochen gab es einen kurzen Schockmoment, als Sie im Spiel gegen Columbus am Ende des ersten Drittels verletzt vom Eis mussten. Wie geht es Ihnen heute?
Im Moment recht gut. Es hat sich zum Glück nur als eine Entzündung im Knie herausgestellt und nicht als Schaden am Meniskus, wie zuerst befürchtet. Mit den richtigen entzündungshemmenden Medikamenten und der richtigen Behandlung hab ich das gut in den Griff bekommen.
Nach einer längeren Krise können die Ducks nun wieder siegen. Aus den vergangenen zehn Spielen wurden acht, die meisten davon klar, gewonnen. Woher kommt diese Initialzündung?
Es scheint, als ob wir als Team zusammengefunden haben und bereit sind, alles für die Mannschaft zu geben. Dank den Siegen kam auch das Selbstvertrauen zurück und der Glaube daran, gegen jeden Gegner gewinnen zu können.
Vielleicht waren es ja Ihre kritischen Worte zur Leistung Ihrer Teamkollegen, die den einen oder anderen wachrüttelten.
Ja, ich war sehr frustriert. Ich hasse es, zu verlieren und es schien mir, dass nicht immer alle meine Mitspieler mit 100 Prozent bei der Sache und bereit waren, alles für das Team zu geben. Solche Sachen müssen angesprochen werden, denn man kann nicht immer nur alles schön reden.
Neuer Coach, neues Glück. Was genau hat sich unter Bruce Boudreau verändert – für die Ducks, aber vor allem für Sie persönlich?
Die Beziehung zwischen dem Trainer und den Spielern wurde viel persönlicher. Während Randy Carlyle eine klare Distanz zwischen sich und dem Team hielt, ist Bruce näher bei uns und will auch wissen, wie es einem persönlich geht und nicht nur was auf dem Eis läuft. Ich kann jederzeit mit einem Anliegen zu ihm kommen. Er fragt mich auch, wie ich mich fühle, ob ich bereit sei zu spielen oder wieder einmal eine Pause bräuchte. So ist es definitiv einfacher, alles für den Trainier zu geben.
Wie zufrieden sind Sie denn zurzeit mit Ihrer eigenen Leistung? (aktuelle Fangquote: 90,7%, Gegentorschnitt: 2.81)
Naja, verglichen mit den letzten Jahren sind die Statistiken eher schlechter. Ich glaube, ich hatte am Anfang der Saison mit der gleichen Inkonstanz wie das ganze Team zu kämpfen und bin daher nicht vollends zufrieden. Doch in den letzen Wochen konnten sich sowohl das Team als auch ich steigern und ich bin sehr zuversichtlich, dass der zweite Teil der Saison besser wird.
Im Dezember hatten sich die NHL-Klubs auf eine Umstrukturierung der Liga geeinigt. Die Spielergewerkschaft (NHLPA) stimmte dem Vorhaben jedoch nicht zu. Wie ist Ihre persönliche Meinung zum „neuen“ Format?
Die Ablehnung der Umstrukturierung war wohl vor allem ein politischer Schachzug die Verhandlungen der Liga mit der Spielergewerkschaft betreffend. Meiner Meinung nach ist das größte Problem des neuen Formats, dass nicht alle vier Gruppen gleich viele Teams beinhalten. So ist es in einer Siebenergruppe einfacher in die Play-offs zu kommen als in einer Achtergruppe.
Sie haben die Verhandlungen bereits angesprochen. Der Tarifvertrag zwischen den NHL-Clubs und der NHLPA läuft im September aus. Vor dem letzten Abschluss kam es zu einem „Lockout“ in der Liga. Glauben Sie, eine Saison wie 2004/05 könnte sich wiederholen?
Ich hoffe schwer, dass sich eine Einigung finden lässt. Ein weiterer Lockout wäre „tödlich“ für das Eishockey in Amerika. Es hat lange gedauert, die Fans nach dem letzten Lockout wieder in die Stadien zu bewegen und gerade jetzt, da Eishockey im Vergleich zu anderen US-Sportarten wie Basketball und Baseball im Aufwind ist, wäre das verheerend.
Jakob Kölliker ist seit Mai 2011 neuer Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Zuvor war er jahrelang als U20-Coach und Assistenztrainer des Schweizer Nationalteams tätig. Was zeichnet „Köbi“ aus?
Ich glaube, kein anderer Trainer hat so viel internationale Erfahrung wie „Köbi“. Egal ob als Spieler, Junioren-Nationaltrainer oder Coach – er war wohl an jedem internationalen Turnier, das es gibt, beteiligt.
Worin liegen Ihrer Meinung nach die Unterschiede zwischen dem Schweizer und dem deutschen Eishockey?
Ich glaube, Deutschland hat es für eine Weile verschlafen, die richtigen Entscheidungen zu fällen, um junge Spieler zu fördern. Die strenge Ausländerregelung in der Schweiz führte dazu, dass die Schweizer Teams nun auf nationale Spieler angewiesen sind und diese auch in wichtigen Situationen zum Einsatz kommen. Aber ich glaube, dass man in Deutschland die Zeichen der Zeit erkannt hat und versucht, Versäumtes wettzumachen. Doch es dauert immer eine gewisse Zeit, in der die einstigen Nachwuchsspieler zu Nationalspielern „reifen“.
Bei welchem Ihrer jungen Schweizer Kollegen sehen Sie denn das größte Potenzial – sowohl in Nordamerika (z.B. Nino Niederreiter, Sven Bärtschi) als auch in der NLA?
Für diese Frage bin ich fast zu alt (lacht). Ich kenne nur Nino ein bisschen, aber habe ihn nur selten spielen sehen. Aber es freut mich, dass immer wieder neue junge Spieler den Schritt nach Nordamerika wagen und sich durchsetzen wollen – auch, wenn ich mich dadurch jedes Mal etwas älter fühle (schmunzelt).
Es ist jetzt genau ein Jahr her, dass Sie im All-Star-Game unglücklich vom Puck am Kopf getroffen wurden. Danach hatten Sie immer wieder mit Schwindelanfällen zu kämpfen, die Ärzte tappten lange im Dunkeln. Hat sich dadurch Ihre Einstellung zum Sport geändert?
Ich bin heute sicher dankbarer, wieder auf dem Eis stehen zu können und Eishockey zu spielen. Sachen, die ich vorher als selbstverständlich angeschaut habe, schätze ich mehr und ich genieße das Eishockey bewusster.
Was Sie neben dem Eishockey noch schätzen, sind tolle Autos – Jonas Hiller, der Auto-Freak. Welches heiße Gefährt hat es Ihnen denn besonders angetan?
Ich wünschte, ich hätte nur ein Traumauto, dann wäre der Platzmangel in der Garage etwas kleiner (schmunzelt). Ich liebe Autos, denen man nicht direkt die Leistung ansieht - quasi Wölfe im Schafspelz. Meine letzte Anschaffung war ein Cadillac CTS-V – als Kombi natürlich.
Eishockey, Autos… Freizeit?
Während der Saison bleibt nicht wirklich viel Freizeit. Meistens verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Freundin und/oder genieße das schöne und warme Wetter in Kalifornien. Zuweilen unternehme ich auch gemeinsam mit meinen Teamkollegen etwas. Wir haben eine sehr kollegiale Truppe zusammen, trotz des großen Konkurrenzkampfes. Mit Luca Sbisa verbringe ich öfters Zeit oder wir gehen ab und zu zusammen zum Essen oder ins Kino.
Und aufs Eis geht es wieder gemeinsam kommende Woche nach dem All-Star-Game am Sonntag – diesmal wartet Phoenix und vielleicht ein weiterer Erfolg. Was denken Sie, wird es am Ende der Saison noch für einen Play-off-Platz reichen?
Wenn wir so weiter spielen wie im Moment, glaube ich sehr wohl daran. Wir scheinen wie ein verwandeltes Team, das gegen jede Mannschaft gewinnen kann. Es ist noch ein weiter Weg bis zu den Play-offs. Doch ja, ich glaube sehr wohl daran.

















