Die Frankfurt Lions und die Kassel Huskies waren im Sommer 2010 aus finanziellen Gründen aus der höchsten deutschen Spielklasse ausgeschieden. Aus den Lions wurden die Löwen, und seit Oktober 2010 starteten sie in der Regionalliga West durch, während die Huskies in der Hessenliga ihren Neuanfang begannen. Am Ende der Saison wurden die Löwen unangefochten Meister der Regionalliga und stiegen in die Oberliga West auf. Die Huskies dominierten die Hessenliga und übersprangen die Regionalliga. Damit treffen die beiden Traditionsvereine seit dieser Saison in der Oberliga West wieder aufeinander.
Rückhalt der Fans
Und auch, wenn man auf dem Eis weiter gegeneinander kämpft, eint die Erzrivalen vor allem ein Erfolg: Der enorme Rückhalt ihrer Fans. Die Ligazugehörigkeit scheint den Anhängern der hessischen Klubs herzlich egal zu sein: Kassel verzeichnete in den elf Heimspielen der Oberliga Vorrunde durchschnittlich 4043 Zuschauer, Frankfurt 3.966, davon knapp 2.000 Dauerkartenkunden. Damit belegen die Vereine sensationell die Plätze 10 und 11 in der Zuschauerstatistik aller deutschen Teams. Zum Vergleich: Die Grizzly Adams Wolfsburg, immerhin Vizemeister 2011, haben in der DEL nur 2.169 Zuschauer pro Partie.
Mit dem ehrlichen Neustart in der Hessenliga gewannen die Schlittenhunde bereits in der vergangenen Spielzeit den Respekt vieler verloren gegangener Fans zurück. Die Verantwortlichen wissen die Unterstützung auf den Rängen wieder zu schätzen und bedanken sich mit viel Aufmerksamkeit bei ihren treuen Anhängern: Man kümmert sich wieder um die Fans – und die zahlen es zurück. Auf ihrer Facebook-Page (rund 6.900 Fans) und ihrem Twitter-Kanal (immerhin über 300 Followern) halten die Huskies ihre Fans nicht auf dem Laufenden, sondern suchen auch den Dialog. Auch in Frankfurt ist man enger mit den Fans zusammengerückt. Vor Saisonbeginn überreichten die Spieler den Fans die Dauerkarte an der Haustür. Regelmäßige Stammtische mit Spielern und Offiziellen kommen genauso gut an, wie die fast schon freundschaftliche Nähe der Spieler zu den Fans. „Die Fans sind uns sehr wichtig. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir all den Wünschen nachkommen“, so Michael Bresagk, der mitverantwortlich ist, dass heute überhaupt noch Eishockey in Frankfurt gespielt wird.
In Kassel beschenkte man zu Weihnachten die Anhänger mit einer Xmas-Card, mit der u.a. der Besuch eines Heimspiels gratis war. Ein Erfolg war auch „Night of the Legends“, bei der ehemalige und aktuelle Spieler gegeneinander antraten. Dabei sparten die Huskies nicht mit großen Namen: Tim Schnobrich, Shane Tarves, Mike Millar, Roger Öhmann, Örjan Lindmark und Tobias Abstreiter waren nur einige wenige der „Legenden“, die auch zu dieser Partie über 5.000 Fans in die Halle lockten. Und wieder wurde der Kontakt zu den Fans groß geschrieben: Nach der Partie feierten knapp 2.000 Fans gemeinsam mit Spielern und Offiziellen die kurzzeitige Wiedervereinigung. So hält man Begeisterung nicht nur am Leben, sondern entfacht sie immer wieder neu.
Rückhalt der Identifikationsfiguren, Heimkehrer und Sponsoren
Auch die Identifikation mit der Mannschaft wird in beiden Teams vorbildlich verfolgt und von den Fans begeistert angenommen. Im aktuellen Kader der Huskies stehen elf Spieler, die in Kassel geboren wurden; zehn weitere haben bereits früher für die Kassel Huskies oder ihre Nachwuchsteams gespielt. Manuel Klinge, der erst ein Jahr zuvor nach Mannheim gewechselt war und dort durchaus vielversprechende Perspektiven hatte, gab mit dem Wechsel in die Oberliga im Sommer 2011 sogar seinen Platz in der Nationalmannschaft auf. Mit Roland Mayr haben auch die Löwen seit dem Jahreswechsel einen erfahrenen DEL-Spieler in ihren Reihen, was erneut beweist, welchen Stellenwert das Frankfurter Eishockey besitzt.
Ein Grund für die vielen Kasseler Rückkehrer: Man kümmert sich bei den Huskies auch um die Spieler. Neun der Kasseler Cracks erhielten mit Hilfe des Vereins zum Beispiel noch vor Saisonbeginn einen Ausbildungsplatz – um neben ihrer Eishockey-Karriere auch einen Beruf zu erlernen.
Auch in Frankfurt betonen die Verantwortlichen immer wieder, dass man auf Spieler setzt, die aus der Region stammen. „Dies ist uns diese Saison eindrucksvoll gelungen. Viele Spieler haben bereits für den Frankfurter Nachwuchs gespielt“, freut sich Bresagk. So war es beispielsweise für Torhüter Boris Ackers wie ein Nachhausekommen, nachdem er erstmals wieder auf dem Frankfurter Eis stand. „Ich bin stolz wieder hier zu sein“, so Ackers bei seinem Amtsantritt. Den vielleicht prominentesten Star haben die Löwen aber hinter der Bande. Bresagk war es im vergangenen Sommer gelungen, Clayton Beddoes als Trainer nach Frankfurt zu holen. Dem Coach der Löwen steht Jamie Bartman als Chef der Huskies in puncto Bekanntheitsgrad in nichts nach. Beide betonen längst, dass sich ihre Arbeit in keiner Weise von der in der DEL unterscheidet.
Weder die Verbundenheit der Fans noch die der Spieler wäre aber so viel wert, wenn nicht auch die Sponsoren den beiden hessischen Teams die Treue hielten. Einige Großsponsoren und viele kleine Geldgeber haben es geschafft, dass Frankfurt und Kassel auf gesunden Füßen stehen. Nur auf einer solchen Basis, lässt sich das hessische Eishockey auch langfristig erfolgreich stemmen.
Start in die Oberliga-Endrunde
Auch wenn der Aufstieg nicht unbedingt notwendig ist, haben die Huskies die Rückkehr in die 2. Liga als Ziel ausgeschrieben. Die Löwen betonen immer wieder, nicht zwingend aufsteigen zu müssen. Zum Start der Meisterrunde am 6. Januar geht es für die beiden hessischen Teams wieder von vorne los: Die Endrunde der Oberliga West ist eine neue Spielrunde und alle Teams beginnen mit dem Punktestand null. Mindestens Platz vier muss nach den 14 Spielen erreicht werden, um sich für die Oberliga-Endrunde mit je zwei Vertretern der Oberligen Nord und Ost zu qualifizieren.
Nicht einmal zwei Jahre nach dem Ausscheiden aus der DEL haben die Huskies und die Löwen eine solide Grundlage für die Zukunft gelegt. Die beruht auf drei Säulen: Sponsoren, Fans und Spieler. In Frankfurt und Kassel stehen alle füreinander ein, ziehen an einem Strang und sind stolz darauf, ein Teil des jeweiligen Klubs zu sein. Kein Wunder also, dass die Begeisterung so groß ist.
Das hessische Eishockey lebt - sportlich drittklassig, ansonsten längst wieder erstklassig.



















