16.30 Uhr war die Gegend um die Albert-Schultz-Halle noch eine Baustelle. Zwei Stunden später präsentierte sie sich zwar noch nicht fein-aber in größten Teilen blankpoliert. Seit dem Saisonende 2010 war das alte Gebäude bis auf die Grundmauern entkernt worden. Drumherum entstand durch eine unglaubliche Leistung in Anbetracht der Kürze der Zeit die neue Halle, die mit einem Anbau auf der Rückseite bedeutend vergrößert wurde und nun mit 7000 Zuschauern auch bedeutend mehr Potential hat, als vorher mit 4500. Die Stadt Wien stellte 40 Millionen Euro für diesen Umbau zur Verfügung. Eine schöne Geste, dass alle 530 Arbeiter, die an diesem Projekt mitgewirkt hatten, an diesem Abend als Ehrengäste geladen waren.
Schon beim Warmspielen merkte man, dass die Fans der Vienna Capitals absolut heiß auf den Saisonstart waren. 4700 hatten sich zum ersten Spiel in der neuen Halle eingefunden und diese machten von Beginn an klar, dass sie wie ein Mann hinter ihrer Mannschaft stehen. So gab es tatsächlich den einen oder anderen Gänsehautmoment, was aber auch dem Einsatz eines sehr engagierten Stadionsprechers und überaus passender Musikeinspielungen zu verdanken war, die es verstanden, das Publikum perfekt zu animieren. In den Foren rechneten sich die Fans zwar wenige Chancen auf einen Sieg über den mehrmaligen finnischen Meister Oulun Kärpät aus, aber Cheftrainer Tommy Samuelsson gab sich kämpferisch: „Ich weiß das es schwer wird, aber wir wollen ins Finale, das wieder in Wien stattfinden wird.“ Dass auch seine Jungs dasselbe Ziel haben, zeigten sie auf dem Eis.
Im ersten Drittel lief die Partie nur in eine Richtung, nämlich auf das von Ville Hostikka gehütete Tor der finnischen Mannschaft. Die Wiener gingen das hohe Tempo der Finnen mit, die ihrerseits mit hartem Körperspiel auffielen. Überhaupt saßen die Fäuste der Gäste locker, Meinungsverschiedenheiten wurden selten nur verbal ausgetragen. Allerdings waren die Capitals im Abschluss noch nicht präzise genug, um ihre Chancen auch zu verwerten. Etwas überraschend und zu diesem Zeitpunkt nicht gerade verdient fiel in der 19. Minute die Führung für Kärpät, als Michal Vondrka in Überzahl einen Abpraller nutzen konnte. Ab dem Mittelabschnitt hatten sich beide Mannschaften aufeinander eingestellt. So erzielte Francois Fortier (27.) im Powerplay den fälligen Ausgleich und in der 42. Minute machte Rafael Rotter in einer fünf zu drei Überzahl kurzen Prozess, als er die zwischenzeitliche Führung für die Capitals markierte. Dies egalisierte Ivan Huml (45.) jedoch kurze Zeit später, als er sich frei vor dem Tor stehend die Ecke zum Einschuss aussuchen konnte. Beiden Mannschaften war nun das hohe Tempo anzumerken, Konzentration und Kondition ließen erwartungsgemäß in den letzten Minuten nach. Mit dem Spielstand von 2:2 ging es in die Verlängerung, aber auch diese bracht keine Entscheidung.
Im Penaltyschießen machte schließlich Jonathan Ferland als fünfter Schütze den Sieg der Wiener perfekt. Zuvor hatte Neuzugang Reinhard Divis im Tor der Capitals vier Versuche der Finnen vereitelt. Er wurde vor Rafael Rotter und Ville Hostikka zum wertvollsten Spieler der Partie gewählt, ein völlig verdiente Entscheidung.
4695 Zuschauer feierten ihre Capitals, fünf finnische Fans ihr Team, es war ein Eishockeyabend, den man so schnell nicht vergisst und in dieser Atmosphäre auch vielleicht nicht so schnell wieder erleben wird. Die Wiener Capitals jedenfalls sind ihrem Ziel Finale einen kleinen Schritt näher gekommen.



















