
Alexandra Kuhn von der EKU Mannheim, den sogenannten Kurpfalz Ladies, im Spiel des Meco Nations Cups in Sonthofen gegen Kanada. (Foto: DEB)
Frauenfußball hat mittlerweile einen großen Stellenwert. Ob man es mag, nicht mag, ob es einem egal ist – dass der 1. FFC Frankfurt, Turbine Potsdam und der FCR 2001 Duisburg die tonangebenden Mannschaften sind, haben viele Sportfans zumindest gehört. Die zurückliegende WM im eigenen Land fand ein großes Medienecho, selbst Panini brachte erstmals Klebebildchen mit den Antlitzen der Spielerinnen auf den Markt.
Auch Frauenhandball wird wahrgenommen. Auch hier schafft es eine Weltmeisterschaft in die überregionalen Medien. Und wenn nicht im Fernsehen, dann zumindest in den Zeitungen.
Aber Fraueneishockey? Der Wiederaufstieg in die A-WM, der im eigenen Land gelang? Schweigen im Blätterwald. Die lokalen Medien, dort, wo die Spielerinnen zu Hause sind, dort, wo sie spielen, greifen das Thema auf. In Duisburg wurde mit Sarah Weyand eine B-Weltmeisterin gar städtische Sportlerin des Jahres. Aber sonst?
Gegenüber den anderen beiden wichtigen Mannschaftssportarten hat die Frauenvariante des Eishockeys offenbar einen unglaublich niedrigen Stellenwert.
Gerade ist zum 10. Mal das Frauen-Nationen-Turnier des Deutschen Eishockey-Bundes, das seit diesem Jahr unter den Namen Meco Nations Cup firmiert, zu Ende gegangen. „Wir haben gut gespielt“, sagt der Bundestrainer. Ob nun mit oder ohne Medienpräsenz – auch Peter Kathan erfüllt die Aufgaben, die ein Bundestrainer eben erfüllen muss. Im Moment die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, die vom 7. bis zum 14. April in den USA stattfinden wird. „Derzeit haben wir noch 33 Spielerinnen im Kader, davon vier Torhüterinnen. Wir dürfen aber nur 23 nach Amerika mitnehmen“, erklärt Kathan. Beim Turnier in Füssen, Miesbach, Sonthofen, Lindau und Peißenberg waren auch zwei Spielerinnen aus Kanada dabei, denn Verteidigerin Anja Weisser spielt an der PEI University, Stürmerin Sara Seiler an der Carleton University. „Wir haben alle Spielerinnen spielen lassen. Das letzte Spiel gegen die Schweiz war nicht so gut, sonst waren wir aber zufrieden“, sagt Kathan, dessen Team letztlich den fünften von sechs Plätzen belegte.
Und warum liegt Fraueneishockey so weit hinter Frauenhandball und Frauenfußball zurück – im jeweiligen Vergleich zu den Männer-Varianten? „Nun, mit Fußball kann man sich einfach nicht vergleichen“, sagt Kathan. „Das ist zum einen natürlich eine Frage des Geldes.“ Denn selbst Sponsoren für die Nationalmannschaft im Fraueneishockey zu finden, ist ungeheuer schwierig. „Da wäre die Bundeswehr, die die Sportsoldatinnen unterstützt. Und dann finanziert uns der DEB, der Deutsche Olympische Sportbund und die Sporthilfe, wofür wir sehr dankbar sind. Umso schöner ist es, dass die Firma Meco unser Turnier unterstützt hat“, erklärt Kathan. Die Sporthilfe zahlt immerhin jeder Spielerin des A-Kaders 100 Euro im Monat. Klingt wenig, ist aber schon eine Hilfe. „Dennoch muss jede Spielerin immer noch viel selbst leisten“, erläutert der Bundestrainer den Aufwand, den die Spielerinnen betreiben. „Denn so ein Schläger kann ja auch schon mal 100 Euro kosten. Und Reise- und Ausrüstungskosten können einfach kaum erstattet werden.“
So finden alle Lehrgänge im Bundesleistungszentrum Füssen statt, „weil wir dort kostenlose Eiszeiten bekommen“, so Kathan. „Das ist für die Spielerinnen aus Bayern okay. Für Spielerinnen beispielsweise aus Nordrhein-Westfalen ist es ein großer Aufwand. Das ist nicht wirklich gerecht, geht aber nicht anders.“
Andere Gründe, warum es für Frauen in Deutschland schwierig ist, Eishockey zu spielen, liegen sicher in der Verbreitung. „Es gibt bei uns vielleicht 1600 bis 1700 Spielerinnen“, sagt Kathan. Prozentual liegen die Eishockeyspielerinnen klar hinter Handballerinnen und Fußballerinnen. „Während einige Vereine Frauenmannschaften betreiben und Mädchen auch im Nachwuchs auch mit den Jungs spielen dürfen, machen das andere Vereine nicht.“ Und dort, wo es Mannschaften gibt, müssen erst einmal Trainingszeiten gefunden werden. „Dabei ist Training und Spielpraxis das A und O“, so Kathan. Am sportlichen Zustand der Spielerinnen versuchen die DEB-Verantwortlichen zu arbeiten. „Und irgendwann schafft eine Spielerinnen auch acht Klimmzüge, wo sie vorher nur einen geschafft hat. Aber wir schießen nicht so hart und nicht so genau wie die Top-Nationen“, sagt Kathan. Zudem ist der läuferische Unterschied riesig. Darin liegt auch die Ausnahmestellung der Kanadierinnen und Amerikanerinnen begründet, die selbst europäischen Topnationen des Männereishockeys deutlich den Rang ablaufen.
Umso größer ist die Leistung der deutschen Spielerinnen einzuschätzen, die trotz weniger Mittel neben Beruf und Schule daran arbeiten, ihren Leistungslevel zu verbessern. „Seit einigen Jahren bauen wir ein U18- und U15-Team auf“, so Kathan. Bei der U18 hat das gut geklappt. Zweimal erreichte die U18 bei der WM das Bronzespiel. Erst vor wenigen Tagen belegte die DEB-U18-Mädchen-Auswahl den vierten Platz bei der Weltmeisterschaft in Tschechien. Zum Auftakt der ersten Olympischen Jugend-Winterspiele in Innsbruck musste das deutsche Team allerdings eine derbe 0:11-Packung gegen Schweden hinnehmen. „Nachdem die Schweiz abgesagt hatte, sind wir nachgerückt. Wir haben einen Antrag gestellt, auch Spielerinnen des Jahrgangs 1995 nominieren zu dürfen, aber es sind nur 94er erlaubt“, so Kathan. „So müssen wir auf viele gute Spielerinnen verzichten, was aber auch verständlich ist. Erst die WM, dann die Jugend-Olympiade. Es ist doch klar, dass die Eltern es nicht verantworten wollen, dass die Mädchen mindestens zwölf Tage aus der Schule bleiben. Schließlich geht es um das Abitur.“
Bei der WM in den USA, die in Burlington – genauer im Gutterson Fieldhouse der University of Vermont sowie in der Cairns Arena – ausgetragen wird, geht es für die deutsche Mannschaft um den Klassenerhalt. Erstmals werden die besten vier Teams sowie die vier nächstbesten jeweils in einer Gruppe zusammengefasst. Nach den Gruppenspielen müssen sich der Dritte und Vierte der Gruppe A gegen den Ersten und Zweiten der Gruppe B in einem Ausscheidungsspiel behaupten, um das Halbfinale zu erreichen. Die beiden Letzten der Gruppe B spielen gegen den Abstieg. „Das verhindert Ergebnisse wie 11:0 oder gar 17:0. Das ist einfach nicht gut für eine WM und nicht gut für die Sportart“, so Kathan.
Die Stärken der DEB-Auswahl liegen übrigens auf der Torhüterposition. Schließlich spielen mit Viona Harrer (Erding Gladiators) und Ivonne Schröder (Tornado Niesky) zwei Keeperinnen in der Oberliga – der Männer-Oberliga, um genau zu sein.
Die Ausscheidungsspiele um den Halbfinal-Einzug zu erreichen, wäre daher ein riesiger Erfolg für die DEB-Frauen – die so viel auf sich nehmen, um trotz geringer Medienbeachtung und angesichts weniger Mittel ihrer Leidenschaft, dem Eishockey, nachgehen zu können.


















