Bengt Ake Gustafsson (Atlant) und Sergej Michalew (Salawat Julajew Ufa) sind ihre Jobs als Cheftrainer los. Trotz prominent und teuer besetzter Kader wollte sich bei beiden Klubs, die eigentlich zum engsten Favoritenkreis im Rennen um den Gagarin Cup zählen, der Erfolg nicht einstellen, gestern zogen die Verantwortlichen in Mytischtschi und Ufa die Reißleine.
Groß waren die Erwartungen beim Moskauer Vorortklub nach all den namhaften Verpflichtungen des Sommers. Und mit dem renommierten schwedischen Cheftrainer Bengt Ake Gustafsson hinter der Bande, glaubte man bei Atlant Mytischtschi die richtige Mischung gefunden zu haben, der Play-off-Final-Teilnahme in der vergangenen in dieser Saison den Gewinn des Gagarin Cup folgen zu lassen. Doch wie sich nun herausstellte, passten die Dinge weit weniger gut zu zusammen als erhofft, die Vorschusslorbeeren waren rasch welk geworden. Nach der 0:1-Heimniederlage am Mittwoch gegen die „grauen Mäuse“ von Jugra Chanti-Mansiysk war das Maß voll. Nur fünf Siege in regulärer Spielzeit, zwei weitere in Verlängerung stehen insgesamt zehn Niederlagen gegenüber. Mit 24 Punkten rangiert Atlant Mytischtischi auf Rang neun unterhalb des imaginären Play-off-Strichs.
Zwar gibt es einige Faktoren, die für die schlechte sportliche Situation mit verantwortlich gemacht werden können - gegen Verletzungspech ist niemand gefeit (z.B. bei Alex Kovalev) -, letztendlich steckt im Kader von Atlant Mytischtschi jedoch genug Potenzial, um auch derartiges kompensieren zu können. Eigentlich. Zu viele Spieler mit bekannten Namen, erfüllten die hohen Erwartungen bislang aber nicht. Allen voran Nikolai Scherdjew, der mit viel Tamtam im Sommer aus der NHL zurück in die russische Heimat gelotst wurde. Dessen persönliche Bilanz liegt bei drei Toren und sechs Vorlagen allerdings weit ab von dem, was vom vermeintlichen Top-Star erwartet werden muss. Schon vor Wochen kursierten Gerüchte (Hockeyweb berichtete), nach denen der charakterlich nicht einfach gestrickte Scherdjew schon bald Bestandteil eines Trades sein könnte. Schnell wurde das vom Klub dementiert. Dass nun aber auch Veränderungen am Kader vorgenommen werden, nachdem schon der mit internationalen Meriten ausgestattete Chefcoach gehen musste, liegt absolut im Bereich des Denkbaren. - Auch die beiden deutschen Nationalspieler Dmitri Kotschnew und Eduard Lewandowski konnten bislang keinen positiven Einfluss auf die sportliche Tristesse nehmen: Kotschnew ist hinter Nationalkeeper Konstantin Barulin die klare Nummer zwei und kommt entsprechend selten zum Einsatz. Über Lewandowskis Produktivität sei bei einer einzigen Vorlage in 17 Spielen wohl besser der Mantel des Schweigens gelegt. - Das Amt des Trainers hat bei Atlant bis auf Weiteres Gustafssons Landsmann Janne Karlsson übernommen. Erste Gerüchte besagen laut russischen Medien, dass kein Geringerer als Wjatscheslaw Bykow schon in Kürze den frei gewordenen Posten des Cheftrainers bei Atlant Mytischtschi übernehmen könnte.
Noch mehr Geduld als in Mytischtschi, das im Oktober zumindest noch eine ausgeglichene Bilanz von fünf Siegen und fünf Niederlagen vorweisen konnte, hatte man beim Gagarin Cup-Champion Salawat Julajew Ufa. Das mit nicht weniger Stars gespickte Team brachte es sage und schreibe auf ganze drei Siege, denen satte sieben Niederlagen gegenüber stehen. Immer wieder wurde Chefcoach Sergej Michalew vonseiten des Managements der Rücken gestärkt, doch offenbar war die Macht des spielenden Personals letztendlich doch größer. Gegenüber RIA Nowostij bekannte Verteidiger Vitali Proschkin kleinlaut: „Wir Spieler sind schuld an der Kündigung des Trainers. An uns ist es, die Spiele zu gewinnen. Wir haben eine so starke Mannschaft und haben es dennoch zustande gebracht, so viele Spiele zu verlieren. Wir Spieler sind es jetzt auch, die diese Situation bereinigen müssen.“ Zwar liegt Ufa aktuell mit 28 Zählern auf dem Konto auf Rang sechs der Ost-Konferenz, hat allerdings mit 21 die mehr Spiele als die nachfolgenden Teams absolviert. Rang fünf (Jugra mit 28 Punkten) und den Vorletzten des Klassements (Nischnekamsk) trennen allerdings nur vier Punkte. Ufa könnte sich also bald unterhalb des Play-off-Striches wiederfinden. Das verhinderte die Mannschaft am Dienstag wenigstens vorläufig durch einen mühsamen 4:3-Heimsieg nach Penalty-Schießen gegen das abgeschlagene Konferenz-Schlusslicht Avtomobilist Jekaterinburg. - Als einer der möglichen Kandidaten für Michalews Nachfolge wird hinter vorgehaltener Hand der erst vor Wochen zum weißrussischen Nationaltrainer berufene Finne Kari Heikkilä gehandelt.



















