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Das Leben im Konjunktiv – oder: Alles ist möglich!Hamburg, 3.September 2009
Der halbe Kader ist neu, das Prinzip das alte: In Hamburg hofft man wieder einmal, dass zuletzt enttäuschende Spieler an der Elbe zu alter Leistungsstärke zurückfinden Das ist neu 2009/10 Das, was bei den Freezers neu ist, ist bei der hanseatischen Anschutz-Filiale eigentlich ein alter Hut. Wieder einmal hat man fast den halben Kader durchgetauscht, neun neue Spieler werden in dieser Saison das Trikot mit der Maske tragen, nach einem zehnten sind Manager Capla und Coach Gardner noch verzweifelt auf der Suche. Auch das Prinzip bei der Auswahl der Neu-Verpflichtungen ist das alte geblieben: Wie schon so häufig in den Vorjahren hat man in erster Linie nach Spielern Ausschau gehalten, die bei ihren bisherigen Klubs aufgrund enttäuschender Leistungen ausgemustert wurden. Dies gilt für die beiden Verteidiger Peter Ratchuk (32, von der Düsseldorfer EG) und Mathieu Biron (29, aus Frankfurt) ebenso wie für Stürmer Jason King (27), den Mannheim-Manager Marcus Kuhl nach nur einem Jahr wieder in die Wüste schickte. Auch der finnische Stürmer Matias Loppi (29) hatte nach einer Saison voller Verletzungen keine Chance mehr bei seinem alten Klub HIFK Helsinki. Alle Genannten können aber eins für sich in Anspruch nehmen: Sie haben im Laufe ihrer Karriere schon weitaus bessere Zeiten gesehen. Sollte Trainer Paul Gardner, der in der vergangenen Spielzeit schon einmal dem lethargischen Freezersteam neues Leben einhauchte, ein neuerliches Wunder gelingen und er den einen oder anderen zu alter Leistung führen können, dann scheint an der Elbe einiges mehr möglich als in der doch eher kläglichen Saison 2008/09. Zu dieser Riege der Ausgemusterten zählt auch Martin Walter (25). Vor Jahresfrist waren es die Freezers selber, die dem einstigen Verteidiger-Talent den Stuhl wegen mangelnder Leistungen vor die Tür gesetzt hatten. Jetzt, nach einer durchaus passablen Saison beim HC Litvinov in der tschechischen Liga, hoffen Spieler und Klub, dass er an die Leistungen anknüpfen kann, die ihn vor Jahren sogar mal ins Nationaltrikot katapultiert hatten. Neben Walter wurden noch vier weitere jüngere Spieler verpflichtet, die aber allesamt eher als Ergänzungsspieler anzusehen sind und von denen man allen Ernstes wohl kaum erwarten darf, dass sie das Team nach vorne bringen. Dazu zählen Torhüter Martin Fous (22, aus Schwenningen gekommen), Verteidiger Alexander Dotzler (24, Bietigheim) sowie die beiden Stürmer Maximilian Brandl (21, Landshut, Portland) und Michal Schön (22, Dresden). Was muss besser werden? Für Zyniker ist die Antwort auf diese Frage einfach: Alles! In erster Linie aber ist damit das Sportliche gemeint und da gibt es im Vergleich zur letzten Saison eine ganze Menge Verbesserungswürdiges. Dazu zählt das Überzahlspiel, das viel zu oft ein hilfloses und statisches Puckgeschiebe war. Hier wünscht man sich endlich einmal überlegte und einstudierte Spielzüge, mit denen man vor allen die Schützen an der blauen Linie in gute Positionen bringt. Mit Karalahti und den beiden Neuzugängen Ratchuk und Biron ist man hier auch durchaus vielversprechend besetzt. Besser werden muss auch die Chancenverwertung. Nur allzu oft ließen die Hamburger Stürmer die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Kasten vermissen. Neu-Freezer King könnte hier seinen alteingesessenen Mannschaftskollegen wie zum Beispiel Francois Fortier, Vitalij Aab oder John Tripp den Weg zum Tor zeigen. Stabilität in der Abwehr und Spieleröffnung sind weitere Themen. Zwei der Haupt-Protagonisten dieser bisherigen Freezersschwächen, Delmore und Blanchard, sind nicht mehr an Bord. Es muss sich zeigen, ob der Personaltausch hier tatsächlich Besserung mit sich bringt. Ob sich allerdings das größte Manko abstellen lässt, ist mehr als zweifelhaft: Von wenigen Ausnahmen wie Richard Mueller oder Alexander Barta abgesehen, bewegen sich die Freezers auffallend schwerfällig und tapsig übers Eis. Es fehlte in der Vergangenheit an Speed, aber auch an geistiger und körperlicher Beweglichkeit. Neue Spieler allein bringen hier wohl kaum wirkliche Abhilfe. Was könnte passieren? Auch bei dieser Frage gilt: Alles! Oder besser gesagt: Fast alles! „Fast“ deshalb, weil an die Meisterschaft rund um die Color Line Arena wohl niemand ernsthaft glaubt. Die Zeiten, in denen Freezers-Boss Capla vollmundig verkünden ließ, es sei ihm egal, wer hinter den Freezers Zweiter würde, sind endgültig passé. Aber wenn es Paul Gardner tatsächlich gelingen sollte, aus dieser neu zusammengesetzten Truppe eine Einheit zu schmieden , wenn die zahlreichen klangvollen Namen im Kader, alte wie neue, an ihre besseren Zeiten anknüpfen könnten und damit die oben aufgezählten Schwachstellen zumindest weitestgehend ausgemerzt würden, dann, aber auch nur dann, darf man den Freezers einiges zutrauen. Das Erreichen der Play-Offs und endlich einmal wieder das Überstehen der ersten Runde wären dann durchaus drin. Fazit: Aber wie man am oben häufig verwendeten Konjunktiv unschwer erkennen kann, leben die Freezers wie in jedem Jahr weiter im Unwägbaren und Ungewissen. Da es in diesem Jahr wieder einmal nach dem Prinzip „Glaube, Hoffnung, Zuversicht“ und weniger nach professioneller Planung aussieht, darf man, durch Erfahrung gewitzt, durchaus skeptisch sein. Und da dieses Prinzip in den Jahren des Freezers-Bestehens noch nie so recht gegriffen hat, beinhaltet das obige „fast alles“ eben auch, dass die Fahrt Richtung Tabellenkeller weiter geht. Wetten sollte man weder auf das Eine noch auf das Andere. (jp) Service: weitere Schlagzeilen 4.September 2009 Der große Hockeyweb DEL-Teamcheck Team für Team: Was ist neu? Was muss besser werden? Was ist möglich? Jetzt in unserer Teamcheck-Rubrik!... 3.September 2009 |
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