Jünger und schneller

Frankfurt, 3.September 2009

Das ist neu 2009/10

Neu ist neben sieben Spielern auch der Co-Trainerposten bei den Lions besetzt: Clayton Beddoes hat Jamie Bartman beerbt. Ansonsten regiert bei den Hessen weiterhin Rich Chernomaz, der nun bereits in sein siebtes Jahr als Coach geht. Und „Cherno“ steht für körperbetontes Eishockey, schnörkellos und „in your face“. Dennoch hat Manager Dwayne Norris bei der Auswahl der Neuzugänge auch auf läuferische Qualitäten geachtet, denn die Mannschaft des Vorjahres war zwar gut, aber insgesamt zu langsam. So ist auch die Meinung über die Nicht-Rückkehr von Center Chris Taylor bei den Fans geteilt: Nicht wenige sind froh, dass der mittlerweile 38-Jährige, der ganz offensichtlich zu den langsamsten Spielern der Liga gehört hatte, nicht mehr im Trikot der Löwen spielt. Für ihn haben die Lions von den Hannover Scorpions Eric Schneider geholt, auch wenn der zuletzt als Außenstürmer eingesetzt war, aber gelernter Center ist. Torgefährlicher und durchsetzungsfähiger als Taylor aber ist er allemal. Schneider steht zwar auch eher für Powerhockey, aber die weiteren Neuzugänge Joey Tenute, Aleksander Polaczek und Rückkehrer Jeff Ulmer beleben das läuferische Element des neuen Lions-Sturmes enorm. Gerade Tenute ist ein exzellenter Schlittschuhläufer, auf den viele Lions-Fans gespannt sind, denn er könnte eine echte Top-Verpflichtung sein. Was die Lions von Jeff Ulmer erwarten können, ist klar umgrenzt: mehr Druck durch einen harten und präzisen Schuss im Powerplay, dazu hat der 32-Jährige in jeder seiner bisherigen drei DEL-Saisons mindestens 20 Tore erzielt. Aleksander Polaczek verstärkt die deutsche Karte und steht zum einen für aggressives Hockey, zum anderen bringt auch er hervorragende läuferische Qualitäten mit und macht den Sturm der Lions agiler. Letzteres gilt auch für die neue Abwehr der Löwen: Sean Blanchard und Michel Periard sind gestandene DEL-Verteidiger, die deutlich mobiler sind als ihre Vorgänger Chris Armstrong und Mathieu Biron, zudem sind beide auch im Powerplay einsetzbar, besonders Periard dürfte hier eine Schlüsselrolle zukommen. Die kann auch Nick Angell einnehmen, der zweite Neuzugang, der bisher noch unbekannt in der DEL ist. Auch er erhöht die Mobilität und läuferische Komponente der Abwehr deutlich, hat dazu einen sehr harten Schuss und scheut keine körperliche Auseinandersetzung.

Das muss besser werden

Zwischenzeitlich hatten die Lions in der vergangenen Saison auf Platz eins gestanden, rutschten dann ab und mussten in die Pre-Play-Offs. Dort führten sie bereits mit 2:0 nach Spielen gegen Hamburg, verloren dann aber dreimal in Folge. Wie kann so etwas passieren? Eigentlich nur, wenn es innerhalb der Mannschaft nicht stimmt. So hatte etwa Pat Kavanagh von Beginn an nicht zum Löwen-Team gepasst, und Mathieu Biron konnte sich den Respekt der Kollegen trotz seiner 253 NHL-Einsätze nie wirklich erarbeiten. Die Lions benötigen also mehr Zusammenhalt und müssen wieder die eingeschworene Gemeinschaft werden, die sie 2004 waren, als sie Meister wurden oder das Team, das 2008 nur knapp in Spiel fünf im Halbfinale gegen Köln scheiterte. Ein Puzzleteil könnte Jeff Ulmer sein, der in seinen zwei Jahren bei den Lions zwischen 2006 und 2008 ein äußerst beliebter Mitspieler war.

Das könnte passieren

Natürlich möchten die Lions erst einmal die Play-offs erreichen, am liebsten natürlich unter den ersten Sechs landen. Tief stapeln wird bei einer derart ausgeglichenen Liga jeder Klub, um die Erwartungen nicht hoch zu schrauben. Vom Potenzial her ist das Team aber durchaus weit oben anzusiedeln. Wenn das Verletzungspech der Vorsaison ausbleibt, sich die Neuzugänge problemloser integrieren als ihre Vorgänger und das Powerplay, das zwar phasenweise exzellent, aber gegen Ende der Saison und vor allem in den Pre-Play-offs hochgradig vorhersehbar war, variabler wird, dann muss man die Lions als eine Art Geheimfavorit ansehen.

Das Fazit

Die Lions sind jünger und schneller geworden, vor allem die Abwehr dürfte mobiler und insgesamt geschlossener sein. Neben den Neuzugängen haben die Lions mit John Slaney, Nationalspieler Sebastian Osterloh sowie Lasse Kopitz und Michael Bresagk (und Daniel Kunce, der noch einen Vertrag in Frankfurt hat, aber für den nach wie vor ein Abnehmer gesucht wird) eine durchweg gut bestückte Defensive aufgebaut, die hinten wie vorne Impulse setzen kann und keineswegs so eindimensional sein dürfte wie die Abwehr des Vorjahres. Dazu kommt, dass die jungen Spieler Simon Danner, Tobi Wörle und Thomas Oppenheimer weiterhin gereift sind und durchaus das Potenzial haben, sich weiter zu steigern. Nicht vergessen werden darf auch, dass Ilja Vorobiev, einer der wichtigsten Spieler des Lions-Teams 2007-08, vor der vergangenen Saison eine Gehirnerschütterung erlitt, danach monatelang ausfiel und bis zum Saisonende nicht mehr seine volle Leistungsfähigkeit abrufen konnte. Nun ist der Deutsch-Russe einhundertprozentig fit und kann quasi als weiterer Neuzugang angesehen werden. Der kreative Derek Hahn, Power-Stürmer Josh Langfeld und Kapitän Jason Young runden ein Team ab, dass enorme Tiefe besitzt. Und diese könnte die Lions enorm weit bringen.

(Patrick Bernecker)

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