Guter Saisonstart nahezu unentbehrlich

Kassel, 3.September 2009

Das ist neu 2009/10

Nachdem die Kassel Huskies im letzten Jahr noch mit einem Großteil des alten Zweitligakaders in die DEL gestartet waren, präsentierten die Verantwortlichen ihren Fans für die neue Spielzeit ganze elf Neuzugänge.

Hatte man in der vergangenen Spielzeit kaum eine Alternative zu Adam Hauser im Tor der Schlittenhunde gehabt, so scheint Trainer Stéphane Richer mit dem gerade einmal 22 Jahre alten Back-up Stephen Ritter einen Coup gelandet zu haben. Der gebürtige Amerikaner mit deutschen Wurzeln empfahl sich bereits in der Vorbereitung für den ein oder anderen Einsatz. In der Verteidigung setzt Richer auf die Neuzugänge Trevor Johnson, der die symbolische Nummer 7 trägt und seine Blueliner-Qualitäten unter Beweis stellen soll, und den erst 22-jährigen Sebastien Bisaillon, die neben den etablierten Bryan Schmidt und Dominic Auger die Stützen der Abwehr bilden sollen. Hinzu kommen David Danner, der in der Vorbereitung bereits eine überzeugende Leistung bringen konnte und die Rückkehrer René Kramer und Derek Dinger. Im Angriff konnten die Schlittenhunde mit Derek Damon und Josh Soares ein eingespieltes Duo verpflichten, das gemeinsam mit Manuel Klinge bereits gut harmoniert. Wichtige Antriebskräfte in der Offensive werden auch in diesem Jahr Sean Tallaire (mit acht Jahren DEL-Erfahrung), Alex Leavitt (als Top-Scorer der letzten Saison) und Kapitän Hugo Boisvert sein. Neu im Huskies-Sturm sind außerdem Thomas Holzmann, der bereits eine gute Vorbereitung spielte, und Pierre-Luc Sleigher, von dem man sicherlich noch mehr erwarten darf.

Verjüngung heißt die Devise in Sachen Personalpolitik, die einerseits den Anforderungen und dem Niveau der Liga angepasst werden sollte, andererseits aber sicherlich stark durch den reduzierten Etat intensiviert wurde. Die Schlittenhunde starten dieses Jahr mit einem Altersdurchschnitt  von 25,6 Jahren in die Saison und haben den Kader so um fast drei Jahre verjüngt. Erfahrung musste der Jugend weichen, dafür, so heißt es aus Teamkreisen, sei man technisch wesentlich stärker aufgestellt als noch im Vorjahr.

Ein besonderes Schmankerl für die Fans der Nordhessen: Neben Nationalspieler Manuel Klinge, dem potentiellen Publikumsliebling Michi Christ,  Jung-Torhüter Steve Themm und Alex Heinrich, der schon im letzten Jahr heim fand, stehen in der neuen Spielzeit mit den Rückkehrern Fabio Carciola (zuletzt Düsseldorf) und Derek Dinger (zuletzt Bremerhaven) ganze sechs Kasseler Eigengewächse im Profi-Kader der Huskies.

Das muss besser werden

Der Verlauf der Vorbereitung zeigt es deutlich: Die Schlittenhunde müssen an ihre Grenzen gehen, wenn sie in dieser Saison erfolgreich sein wollen. Nach guten Leistungen gegen Frankfurt, Düsseldorf und Iserlohn brachten am Ende hohe Niederlagen gegen Wolfsburg und Ingolstadt ein wenig Missmut ins Huskies-Lager. Trainer Stéphane Richer machte klar, dass er in jedem Spiel vollen Einsatz erwartet, sonst, so der Tenor im Huskies-Umfeld, könne man in dieser Saison kein Spiel gewinnen. Während es um die mannschaftliche Geschlossenheit und das Unterzahlspiel schon gut bestellt ist, besteht weiterhin Handlungsbedarf, was das Überzahlspiel und die Chancenauswertung angeht. Im letzten Jahr lag die Scoring-Last mit kombinierten 101 Punkten vor allem auf den Schultern von Alex Leavitt und dem nach Köln abgewanderten Martin Bartek. Zwar erscheinen Derek Damon und Josh Soares bereits als eingespieltes Team mit gutem Zug zum Tor, zur Offensivstärke fehlt es jedoch bisher an weiterer Durchschlagskraft. Im Vergleich zur letzten Spielzeit wird es in diesem Jahr noch wichtiger sein gerade in den knappen Spielen die Nerven zu behalten und den entscheidenden Treffer zu markieren. Ob die Schlittenhunde dafür erfahren und clever genug sind, wird sich erst noch zeigen.

Das könnte passieren

Das Anstreben des zehnten Tabellenplatzes ist für die relativ unerfahrene Kasseler Truppe keinesfalls ein Zeichen von Understatement. Vielmehr könnte es den Schlittenhunden passieren, dass sie sich, wenn sie den Saisonstart verpassen, schnell abgeschlagen auf den unteren Rängen wiederfinden. Dann muss es gelten, die Moral aufrechtzuhalten und weiterzukämpfen- eine Aufgabe, der nur die wirklich Hungrigen gewachsen sein würden.

Das Fazit

Den Kader weiter zu verjüngen und gleichzeitig technisch zu verstärken war kein unerwarteter Zug des Trainergespanns Richer/ Dahlem; die finanziellen Probleme des Verein, die kurz vor Ende Lizenzabgabefrist öffentlich gemacht wurden, dürften allerdings die Auswahl der Spieler mehr oder weniger unerwartet erschwert haben. Dennoch ist es den Verantwortlichen gelungen eine homogene Truppe auf die Beine zu stellen. Ob die von den Spielern gepriesene technische Verbesserung den Verlust der Erfahrung jedoch wettmachen kann, wird sich schnell zeigen. Klar ist auch in diesem Sommer wieder, dass den Huskies auch in der neuen Spielzeit nichts anderes übrig bleiben wird, als sich auf die alten Tugenden des Kampfgeistes und der Willensstärke zu berufen. Mehr erwarten auch die Fans nicht vom zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg. Will man um Platz zehn mitspielen, ist ein guter Saisonstart allerdings geradezu unentbehrlich, um möglichst nicht auf den letzten Plätzen zu landen, die Moral zu beflügeln und einen Vorrat an Selbstbewusstsein zu schaffen, der den Huskies möglichst lange dient – ein schwieriges Unterfangen gegen die Kontrahenten aus Berlin und Köln.

Leona Malorny

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