Neuanfang in der Domstadt

Köln, 3.September 2009

Das ist neu 2009/10

In unserer Sportart redet man gern von einem Neuanfang bzw. Neuaufbau. Das ist heuer bei den Domstädtern nicht anders. Nach vielen Jahren, die eigentlich von Kontinuität geprägt waren, vollzieht sich in dieser Saison notgedrungen ein Wandel. Denn noch nie schnitten die Haie nach ihrem Aufstieg 1973 in Deutschlands höchste Klasse so erfolglos ab wie in der Spielzeit 2008/2009.

Vor allen Dingen soll es ein neuer Trainer richten. Mit Igor Pawlow verpflichteten Eichin & Co. einen Mann, der als DEL-Neuling an der Bande der Krefeld Pinguine für eine positive Überraschung nach der anderen sorgte und das Eishockeyfieber in der Seidenstadt mit ihren kritischen Fans wieder entfachte. Dass bei seinem Weggang einige Ungereimtheiten aufkamen, sorgte zwar für kleine Flecken auf der ansonsten makellosen Weste des gebürtigen Russen, fügte seiner Popularität jedoch keinen Schaden zu. Pawlow hetzte sein Team in der Testphase wie im Vorjahr von einem Match zum anderen. Gegner aus Russland, Tschechien, Österreich, der Schweiz, der zweiten Liga und nicht zuletzt aus der DEL traten gegen Lüdemann & Mitspieler an. Acht Niederlagen standen fünf Siegen gegenüber. Die Bilanz ist nicht weltbewegend, braucht sie auch nicht, wenn Testspiele als das genommen werden, für was sie eigentlich existieren. Was aufhorchen lässt, ist, dass die beiden letzten Partien gegen Ligakonkurrenten gewonnen wurden. Sowohl gegen Nürnberg als auch gegen Iserlohn verließen die Haie als Sieger das Eis.

Neu besetzt wurden auch die Torwartpositionen. Hier soll in erster Linie der 35-jährige Eidgenosse Lars Weibel, der bislang stets bei Schweizer Vereinen unter Vertrag stand, für Ruhe „im Dom“ sorgen. Vor Weibel präsentieren sich um Ikone Mirko Lüdemann die Verteidiger, die allesamt seit mindestens zwei Jahren den Haie-Dress tragen. Sie stehen neben dem Trainer unter dem größten Druck, gilt es doch besonders für sie, die Scharte der Vorsaison auszuwetzen.

Im Angriff richten sich alle Augen auf Rückkehrer Ivan Ciernik. Der 31-jährige Slowake kehrte nach einem erfolglosen Jahr in Sibirien nach Köln zurück. Im Fokus stehen ebenfalls der Franzose Kevin Hecquefeuille, der eine guten WM absolvierte, sowie der Ex-Mannheimer Jason Jaspers. Man darf gespannt sein, ob das Duo die Weggänge von Dave McLlwain (beendete seine Karriere) und Philip Gogulla (wurde von Buffalo angefordert) vergessen machen lässt.

Das muss besser werden

Besser werden muss so gut wie alles bei den Pawlow-Schützlingen. Das Publikum, Gott sei Dank aus Sicht des Vereins nicht gerade kritisch, muss wieder gewonnen werden. Vor allen Dingen darf nach Ende der Punktrunde keineswegs das Halali der gesamten Saison erfolgen. Auch müssen wieder Spitzenplätze in diversen Statistiken von Haie-Akteuren belegt werden. Das ist man im „Henkelmännchen“ ganz einfach gewohnt. Denn in den meisten Disziplinen tauchte in der letzten Spielzeit kaum etwas auf, was mit Köln zu tun hatte. Lediglich bei den Zuschauern belegten die Domstädter Rang drei (10.342 im „Schnitt“ hinter Berliner und Mannheim), und die Liste der bösen Buben führte Todd Warriner mit satten 185 Zeigerumdrehungen an. Wird es Ivan Ciernik (traf zur Freude des Umfeldes recht häufig das gegnerische Tor und erinnerte an alte Zeiten) wieder richten, oder ist es mit ihm so wie mit vielen „Rückkehrern“, dass sie vom Ruhm vergangener Zeiten zehren?

Das könnte passieren

Dass die Kölner Haie noch einmal eine Pleitensaison (und das im wahrsten Sinne des Wortes) hinlegen, ist unwahrscheinlich, ja, eigentlich unmöglich. Der neue Kapitän Mirko Lüdemann und seine Teamgefährten werden mit Sicherheit einen besseren Tabellenplatz belegen als in der Vorsaison. Was nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass bei den Verteidigern keine einzige personelle Veränderung erfolgte. Kriegt die Abteilung Defensive, allen voran die Ikonen Lüdemann und Renz wieder die Kurve? Wenn nicht, dürfte es trotz allem düster aussehen, zumal der schmale Geldbeutel kaum noch spektakuläre Verpflichtungen zulässt.

Das Fazit

Die große Frage ist: In welchem Maße steigern sich die Haie? Wird der neue Trainer auch den gestandenen „Alten“, von denen es ja eine Menge in Köln gibt (acht Cracks befinden sich jenseits der „30“), seine Philosophie näherbringen und verständlich machen können? Hat Pawlow selbst, dem man in Krefeld ein großes Maß an Sturheit vorwarf, Lehren aus seinem DEL-Debüt gezogen? Kann sich a) Lars Weibel zwischen den Stangen auf die neue Umgebung so schnell wie möglich einstellen, kann sich b) die Verteidigung wieder zu alter Form aufraffen, kann c) der Sturm, allen voran Ivan Ciernik, die Gegner wieder wie in „alter Zeit“ das Fürchten lehren? Wenn all diese Fragen positiv beantwortet werden, steht einem neuen Erfolg der erfolgsverwöhnten Kölner und ihrer Umgebung nichts im Wege.

Aus Kölner Sicht bleibt zu hoffen, dass Igor Pawlow dem Verein die Treue halten wird und er auch selbst merkt, dass ein einmal gegebenes Wort eingehalten werden sollte. Das Hin und Her mit Russland und einem eventuellen Vertrag in der KHL hat ein bisschen am positiven Image des ansonsten sympathischen Bandenchefs gekratzt. Sarkastisch und ein bisschen überspitzt gesagt: Liebe Kölner, passt gut auf, was Euer Chefcoach in den diversen Länderspielpausen macht!
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