Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Duisburg, 16.September 2009

Na, also, da wird es ja doch noch ´was mit hitzigen Diskussionen an diversen Tresen und bei Fan- und anderen Expertentreffen! Denn hielten sich die Überraschungen (die Sensationen erst recht) am ersten Wochenende noch im Bereich des Überschaubaren, so forderten einige Ergebnisse der Spieltage 3 und 4 nicht nur Stirnrunzeln, sondern mitunter auch hämisch- schenkelklopfendes Gelächter heraus. Besonders die Adler aus Mannheim und ihr Chefcoach Doug Mason haben wohl noch nicht ihren richtigen Horst bzw. die richtige Flughöhe gefunden. Eine Niederlage in Verlängerung (n a c h   Verlängerung ist unlogisch, denn die Niederlage wurde ja in dieser Zeit eingefahren, während es beim Penaltyschießen korrekt  n a c h   Penaltyschießen heißen muss) bei den Augsburger Panthern und null Zähler ausgerechnet gegen die Scorpions, denen daheim erst zwei Treffer in ebenso vielen Partien gelangen, das muss erst einmal weggesteckt werden.

Und die rheinischen Rivalen, die sich am Freitag zum ersten Mal in dieser Saison gegenüber stehen, haben sich einerseits (Düsseldorf) nicht gerade mit Ruhm bekleckert und andererseits (Köln) eine Menge Dusel gehabt. Düsseldorf spielte und spielte und spielte, traf aber nicht die Hundehütte bzw. das Tor der Huskies, die aufopferungsvoll und mit viel Einsatz die knappste aller Führungen fast 40 Minuten erfolgreich bis zum Ertönen der Schlusssirene verteidigten. Dazu hatten die Nordhessen noch das Glück, dass mit Marcus Brill, dem Jüngsten der schwarz-weißen Gilde, ein Unparteiischer die Partie leitete, der sich nichts aus wütenden Pfeifkonzerten der Zuschauer machte und nicht nach Dezibelzahlen pfiff. Manch einer seiner Zunftgenossen wäre ob des Lärms von den Rängen eingeknickt. Nicht so der Mann aus Zweibrücken, der sich meist mit Erfolg bemühte, Härte von Unfairness zu unterscheiden, und dessen Vater schon die Pfeife schwang.

Die Düsseldorfer Erzrivalen aus Köln haben genau 1.688 Tage gebraucht, um wieder an die Tabellenspitze unserer höchsten Liga zu gelangen. Das ist doch einen Tusch für den Verein, der die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts beherrschte und in jener Zeit vier Titel einheimste, wert. Und da gemäß der rheinischen Mentalität „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ auch schon das Wort „Titelgewinn“ bei Superoptimisten die Runde macht, kann man gar nicht vorsichtig genug bei der Analyse der Kölner Erfolge zu Werke gehen. Beim näheren Hinschauen offenbaren sich nämlich (noch) unübersehbare Mängel in der von Igor Pawlow trainierten Mannschaft. Von vier absolvierten Partien haben die Domstädter lediglich einen „Dreier“ eingefahren, jeweils ein Match nach Penaltyschießen und in Verlängerung gewonnen sowie eines in der zusätzlichen Spielzeit verloren. Das heißt im Klartext, nach 60 Minuten einmal gewonnen, dreimal remis. Und weiter heißt es, dass diese Siege gegen Außenseiter (neuhochdeutsch „Underdogs“) zu Stande kamen.

Pawlow wird sich seinen Teil gedacht, als er mitansehen musste, wie sogar die als harmlos geltenden Straubing seine Verteidiger umkurvt haben wie die berühmten Slalomstangen. Und hätten die Männer aus der Gäubodenstadt nicht zweimal statt Metall das Netz getroffen, wer weiß, ob die Kölner tatsächlich die Tabellenspitze erklommen hätten. Nun ja, angesichts der ellenlangen Punktrunde (dafür wurden die Play-off-Runden, in denen es „nur“ um die Entscheidung geht, verkürzt) haben alle Teams und Trainer noch genügend Zeit, sich den diversen Herausforderungen zu stellen.

­ ­Und zum Schluss: Sarkastisch reagierte DEG-Chefcoach Harold Kreis nach dem Match bei den Iserlohn Roosters, das seine Truppe mit 3:1 nach Hause fuhr. Dem Sinne nach sagte der in Kanada geborene Deutsche: „Sagt bitte dem Hausmeister, dass er jetzt die Heizung wieder ausmachen kann.“ In der Kabine der Gäste aus Düsseldorf dürfte eine Bullenhitze geherrscht haben.  

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