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Positives WM-Fazit, aber deutsche Spieler wollen mehrZufrieden, aber nicht glücklich

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Schon während des gesamten Turniers war Dennis Seidenberg jemand, der nicht nur auf dem Eis mit Präzision, Übersicht und Härte auf dem Eis vorausging, sondern auch jemand, der nicht zu zufrieden sein wollte, wenn es ganz gut lief. Wie er sich nach der Abwehrschlacht gegen Kanada fühlt? „Es geht mir ganz gut, bin etwas müde, aber auch etwas enttäuscht über das Spiel“, sagte der 35-Jährige von den New York Islanders. „Wir haben zu viele Leichtsinnsfehler gemacht, waren nicht konzentriert genug in unserem Aufbauspiel. Wenn wir besser gespielt hätten, wäre mehr drin gewesen. Im Endeffekt war es aber ganz okay. Über das gesamte Turnier haben wir unser Bestes gegeben haben. Das war sehr, sehr gut. Die Konzentration hätte aber über das ganze Turnier hinweg besser sein können.“ Der Einsatz, der Wille waren aber das, was auch Seidenberg positiv gestimmt hat. „Hoffentlich haben viele junge Kinder zugeschaut und wurden inspiriert. Fußball ist halt die Nummer eins, danach kommen Eishockey, Basketball und Handball.“

Dennis Seidenberg über die Fans: „Das hat Spaß gemacht“

Froh zeigte sich Seidenberg über die Unterstützung der Fans. „Die Zuschauer waren super. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Es war so wie erwartet, wenn nicht noch besser.“ Daher sagt Seidenberg auch: „Wenn ich gesund bin und aufgrund der Play-offs Zeit habe, dann spiele ich wieder für Deutschland. Man muss aber auch immer auf seinen Körper hören.“

Ehrhoff: „Haben uns in einer sehr schweren Gruppe durchgesetzt“

Auch Christian Ehrhoff war über das Ausscheiden enttäuscht. „Wir hatten uns viel vorgenommen. Es sollte ein Schritt nach vorne fürs deutsche Eishockey werden. Heute hat es nicht ganz gereicht. Grubi hat uns im Spiel gehalten, wir hatten auch noch einige gute Chancen. Kanada war aber einfach besser. Am Anfang waren wir etwas nervös, aber aufs ganze Spiel gesehen ist es eben ein Qualitätsunterschied, technisch und läuferisch. Das haben wir durch Kampf und einen starken Torwart wettgemacht.“ Das Fazit fällt daher positiv aus: „Wir hatten eine sehr schwere Gruppe und sind dennoch wieder ins Viertelfinale gekommen. Für den ganz großen Wurf leider nicht gereicht. Der Höhepunkt war sicherlich der emotionale Rollercoaster gegen Lettland.“

Grubauer: „Wenn Marco anruft und es irgendwie geht, bin ich bereit“

Torhüter Philipp Grubauer hat in diesem Spiel 48 Schüsse auf sein Tor bekommen – und nur zwei Gegentreffer zugelassen. Dennoch sagt auch er: „Ich bin etwas enttäuscht. Es wäre mehr drin gewesen. Wir haben uns selbst in den Fuß geschossen durch Strafzeiten und Fehler in der eigenen Zone. Letztlich haben wir aber ein gutes Turnier gespielt.“ Zu viel Lob für sich selbst wollte er ganz nicht hören. „Es ist mein Job, die Scheiben zu halten, egal wie viele auf mein Tor kommen. Das zweite Gegentor war ein bisschen ärgerlich.“ Er lobte nicht nur Bundestrainer Marco Sturm für seine Arbeit, sondern den ganzen Coaching Staff, Betreuer und Physios. „Wenn es in der Kabine nicht stimmen würde, hätten wir auch auf dem Eis keinen Erfolg.“ Wie es für Grubauer in der Nationalmannschaft weitergeht? „Olympia ist ja noch ein großes Fragezeichen. Mal schauen, wie das noch ausgeht. Auf jeden Fall bin ich jederzeit bereit zu spielen, wenn Marco anruft und es irgendwie geht.“

„Heute hatten wir zu viel und zu lange Respekt“, sagte Bundestrainer Marco Sturm. „Aber wir sind als Weltranglistenzehnter erneut unter die ersten Acht gekommen. Wir sind als Underdog in das Turnier gegangen und haben uns verbessert. Unsere Mannschaft zeichnet Leidenschaft, Wille und Stolz aus. Und das haben alle Spieler in jedem Spiel gezeigt.“

Nach WM 2010 Chaos pur – Sturm sagt: „Diesmal nicht“

Auch Sturm sah die starke Leistung von Torhüter Philipp Grubauer. „Er war heute wieder eine Wand und hat uns die Chance gegeben, das Spiel gewinnen zu können. Ich kann nur danke sagen, dass er gekommen ist. Thomas Greiss hat uns den Sieg im ersten Spiel geschenkt und war dann leider verletzt. Froh, dass wir zwei und noch mehr gute Torhüter haben in Deutschland.“ Für die Zukunft mahnt er an, dass junge Spieler Verantwortung übernehmen müssen, weil ältere Spieler wie Dennis Seidenberg und Christian Ehrhoff nicht mehr viele Jahre spielen können. „Wir müssen dran bleiben. Nach der letzten Heim-WM hatten wir im Präsidium Chaos pur. Diesmal gibt es das nicht. Ich bin noch im Amt – und Franz Reindl ist auch noch da. Da ist mehr Ruhe im Verein. Wir müssen weiter arbeiten, im Nachwuchs, in den Vereinen und in der DEL. Wir müssen alle einen noch besseren Job machen.“ Das gilt auch für die taktische Disziplin, die einigen Spielern abging, die den Spielplan verlassen haben. „Das ist ein Unterschied zu Kanada. In der NHL sind alle daran gewöhnt, sich an die Vorgaben zu halten. Bei uns hat jeder mal seine eigene Idee. Da ist auch die DEL gefordert, sich in diesem Punkt zu verbessern.“

Spieler hoffen auf Sturms Vertragsverlängerung nach 2018

Der Weg ist bereitet: „Ganz Deutschland hat das, egal ob im Stadion oder im Fernsehen, miterlebt“, sagt Sturm. Kein Wunder, dass die Spieler hoffen, dass er über die noch ein Jahr andauernde Vertragsdauer im Amt bleibt. Dennis Seidenberg: „Er hat einen großen Anteil. Er hat uns sehr gut gecoacht, hat einen guten Spielplan vorgelegt. Jeder will für ihn spielen.“ Ehrhoff ergänzt: „Die Jungs haben wieder richtig Lust, zum DEB zu kommen. Das war ja in der Vergangenheit nicht bei allen so. Wir treten als Mannschaft auf. Das ist ein gutes Rezept. Ganz wichtig war natürlich in diesem Jahr die Olympia-Quali. Das bringt das deutsche Eishockey nach vorne. Marco liefert eine tolle Arbeit. Ich hoffe er bleibt noch längere Zeit Bundestrainer für uns. Er persönlich hat ja auch noch andere Ziele. Und wenn er so weiter arbeitet, wird er sie auch sicher erreichen.“

Kanadas Trainer Jon Cooper von deutschen Fans beeindruckt

Übrigens: Kanadas Trainer Jon Cooper sagte: „Ich freut mich sehr, Teil dieses Spiels gewesen zu sein. Die deutschen Fans haben ihr Team immer angefeuert, immer gesungen. Dieses Spiel wird mir immer in Erinnerung bleiben.“ Über Philipp Grubauer sagte Cooper: „Er ist ein sehr starker Torhüter. Er sieht nicht nur jeden Schuss, ist nicht nur immer in der richtigen Position, er schluckt auch jeden Schuss und gibt kaum Rebounds. Und darauf kommt es in der NHL an.“ Daher sagte auch Bundestrainer Marco Sturm: „Ich würde ihm raten, zu einem anderen Team zu wechseln. Ein Torhüter wie Braden Holtby will 70 Spiele in der Saison machen. Grubi hat das Zeug zur Nummer eins in einem NHL-Team. Ich wünsche ihm, dass er das auch erreicht.“

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