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Als Deutschland nicht gegen Deutschland spielen durfte

Die Flagge der DDR wurde bei der WM 1961 zum Problem. (Foto: Carsten Schürenberg - www.stock4press.de)Die Flagge der DDR wurde bei der WM 1961 zum Problem. (Foto: Carsten Schürenberg - www.stock4press.de)
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Diese Tradition bei Eishockey-Weltmeisterschaften gibt es schon lange – und vor nun genau 50 Jahren wurde sie zu einem offenbar unüberwindbaren Problem. Denn Deutschland durfte bei der WM 1961 in der Schweiz nicht gegen Deutschland spielen.

„Die Anweisung kam damals von Willi Daume“, kann sich Markus Egen noch bestens daran erinnern. Was der heute 83-jährige damalige Bundestrainer vom Präsidenten des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees zu hören bekam, war nichts anderes als das Verbot für die Eishockey-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland, gegen die DDR anzutreten. „Es sollte vermieden werden, dass wir im Fall einer Niederlage der DDR die Ehre erweisen müssen“, schüttelt Egen noch heute den Kopf, wenn er an den kuriosen Vorgang vor 50 Jahren zurückdenkt. „Wir hatten bis dahin doch alle Spiele gegen die ,Zone‘ gewonnen“, sagt Egen in der Sprache der Zeit. Denn in der westdeutschen Presse tauchte in den Sporttabellen der damaligen Zeit nicht etwa das Kürzel DDR auf – dort war der „Begriff“ Sowjetzone zu lesen.

Markus Egen wollte die Entscheidung nicht so einfach hinnehmen. „Ich habe Daume gesagt, dass es drei Möglichkeiten gibt. Erstens, wir gewinnen. Zweitens, wir spielen unentschieden. Drittens, wir gehen vor der Hymne vom Eis.“ Es half alles nichts. Daume blieb dabei – kein Spiel gegen die DDR. Das Spiel, das am 12. März 1961 hätte stattfinden sollen, wurde mit 0:5 gegen die Bundesrepublik gewertet. So wurde die ostdeutsche Mannschaft Fünfter, die BRD aber nur Achter und damit Letzter. Mit einem Erfolg hätte das westdeutsche Team einen genauen Tausch dieser Plätze sportlich herbeiführen können. Absteigen musste die BRD aber nicht. Die USA verweigerten der DDR im Folgejahr aufgrund des Mauerbaus als Mittel des Kalten Krieges die Einreise, woraufhin die Ostblockstaaten die WM in Amerika boykottierten. So blieb die BRD doch noch in der A-Gruppe.

Was die Spieler der DDR zum Nicht-Antreten der Westdeutschen gesagt haben? „Keine Ahnung. Damals gab es keinen Kontakt“, berichtet Egen. „Unsere Spieler waren nicht traurig, nur enttäuscht, nicht spielen zu können. Wir waren halt alles Bayern und haben es als Gaudi genommen.“

„So war das nun einmal in der damaligen Zeit. Der Kampf um die Anerkennung der DDR wurde auch und besonders über den Sport geführt“, sagt Rüdiger Noack. Der langjährige Sportliche Leiter der Krefelder Pinguine war damals noch Stürmer bei Dynamo Weißwasser und brachte es in seiner Karriere auf 241 Länderspiele für die DDR. „Der Sport war in der Politik damals ein entscheidender Faktor.“ Für den Westen ging es um den Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland, für den Osten darum, aus der Isolation herauszutreten und als eigenständiger Staat anerkannt zu werden. Mitte der 60er Jahre entspannte sich die Lage. 1964 gab es letztmals eine „gesamtdeutsche Mannschaft“ bei Olympischen Spielen. Ab 1968 trug das IOC dem De-facto-Zustand Rechnung, sodass schließlich zwei deutsche Mannschaften zugelassen wurden.

„In dieser Zeit entspannte sich die Lage auch zwischen den beiden Mannschaften“, so Noack, der 1961 als Nachwuchsspieler nur im erweiterten Kader war. Später  mussten sich die westdeutschen Spieler auf Geheiß des Innenministeriums beim Aufziehen der DDR-Flagge noch umdrehen. „Ich glaube, dass war bei der WM 1963 in Stockholm“, so Noack. Inoffiziell aber fanden die Eishockeyspieler beider Mannschaften zueinander. „So ab 1965 hat man dann auch mal zusammen gefeiert. Das durfte nur nicht öffentlich werden“, berichtet Noack mit einem Augenzwinkern. „International waren wir ein gern gesehener Gegner. Wir durften ja auch ins westliche Ausland reisen“, so der zwölffache WM-Teilnehmer. „Letztlich müssen wir aber froh sein, dass diese Zeiten vorbei sind.“

Das erste Duell zwischen der BRD und der DDR fand am 16. November 1955 statt. In Ost-Berlin stieg das Ausscheidungsspiel für die Olympischen Spiele. Denn auch wenn es „gesamtdeutsche Mannschaft“ hieß, in einer Qualifikation wurde ermittelt, welches Team antreten durfte. In allen drei Fällen – 1955, 1959 und 1963 – setzte sich die Bundesrepublik durch. Die offizielle Statistik des Deutschen Eishockey-Bundes weist 20 Länderspiele gegen die DDR aus. Dabei ging die BRD zwölfmal als Sieger vom Eis, je viermal endeten die Partien mit einem Remis beziehungsweise mit einem Sieg für die DDR. Die erste wirkliche Niederlage der West- gegen die Ostdeutschen gab es 1967 bei der WM in Wien zu verzeichnen, als die DEB-Auswahl gleich mit 1:8 baden ging. Das letzte Aufeinandertreffen fand bei der WM 1985 in Prag statt. Dabei gewann die Bundesrepublik sowohl am 26. April in Prag mit 6:0 als auch am 2. Mai an gleicher Stelle mit 4:1.

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