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Yorke: Frankfurt der richtige SchrittLöwen-Star bei

Dalton Yorke ist für sein körperbetontes Spiel bekannt. Foto: picture alliance/bild pressehausDalton Yorke ist für sein körperbetontes Spiel bekannt. Foto: picture alliance/bild pressehaus
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Der Saisonstart von Meister Löwen Frankfurt ist geglückt. Zwei Spiele, zwei Siege. Darunter das 4:3 nach Verlängerung in der Neuauflage des Finales der Vorsaison gegen Bietigheim zum Auftakt. Bereits im vergangenen Winter begann für den 21-jährigen Dalton Yorke die Suche nach einer Profi-Liga, in der er vor allem sein Offensiv-Spiel weiterentwickeln kann. Gefunden hat der eingebürgerte Kanadier Deutschland. Hockeyweb hat den kantigen Verteidiger getroffen, der unter anderem über Ziele, Weiterentwicklung und sein erstes Jahr in der Fremde spricht.

Dalton, Gratulation zu den ersten fünf Punkten in dieser Saison. Vermutlich wäre es eher unangebracht, zu ihrem ersten Tor zu gratulieren? (Anm. d. Red.: im ersten Heimspiel gegen Bietigheim wurde sein Schläger vom gegnerischen Angreifer gegen den Puck gedrückt, womit dieser ins Tor abgefälscht wurde).

Ja, ich kann mich gut daran erinnern. Hannibal Weitzmann, unser Goalie, hatte seinen Stock verloren, während ich versuchte, den Puck zu verdecken, wobei mir dabei der Schläger gegen den Puck gedrückt wurde. Und dann war der Puck plötzlich im Tor. So geht es eben im Slot zu.

Wenn Sie den Satz über die Teamchemie in dieser frühen Phase der Saison komplettieren müssten, würden Sie sagen…

…sehr gut, sie ist bereits vorhanden, trotz einiger Neuzugänge. Ich war bereits in einigen Teams, aber man kann hier früh erkennen, dass es keine geteilten Gruppen oder Ähnliches gibt, dass das Team eng beieinander ist und dass alle an einem Strang ziehen.

Kommen wir zu ihren ersten Eindrücken über die Liga und dem Eishockey, das hier gespielt wird, sowie der Stadt.

Es ist definitiv anders als zu Hause in Kanada. Das körperliche Element ist nicht so präsent wie dort, aber technisch auf gutem Niveau und mit schnellem Tempo. Meine ersten Eindrücke laufen definitiv daraus hinaus, dass die DEL 2 temporeiches, professionelles Hockey bietet. Für mich war die Anpassung interessant, da ich erstmals in eine große und fremde Stadt wie Frankfurt gekommen bin. Es gibt so viele Sachen zu erledigen, zu sehen, was für mich gerade zu Beginn absolut aufregend war. Ich selber komme aus einem kleineren Vorort nahe Vancouver, ungefähr eine dreiviertel Stunde entfernt von der Metropole.

In Anbetracht  ihrer Strafzeiten zu College-Zeiten und damit körperbetonterem Spiel. Können Sie diesen Stil durchsetzen, oder erwarten Sie, sich anpassen zu müssen?

So ist eben mein Spiel, auch die Strafzeiten sprechen für meinen Spielstil. Für mich war es bislang nie die Aufgabe, Tore zu erzielen. In meiner Natur liegt das körperliche, aggressive Spiel, um so meinem Team den Rücken freizuhalten und dieses so zu pushen, auch um im Team so Energien freizusetzen. Sicher wird dies in gewissen Situationen Strafen ziehen. Mein Team weiß damit umzugehen (lacht).

Mit wem haben Sie am Wochenende verteidigt? Was erwarten Sie von ihrem Partner in der Verteidigung?

Wir haben sieben Verteidiger und werden sicher auch rotieren. Am Wochenende habe ich mit Tim Schüle (Anm. d. Red.: Neuzugang aus Düsseldorf) verteidigt, mit dem ich sehr gerne zusammen spiele. Er wirkt sehr abgeklärt und beständig in seinem Spiel und in der Verteidigungszone. Ich denke, wenn ich meinen Stil dazu geben kann, dass wir uns einpendeln können und dass wir uns gemeinsam über die Saison entwickeln, dass wir dann ein gutes Verteidiger-Paar aufbieten können. Für mich ist es in erster Linie wichtig, an der Seite mit Tim Schüle ein für die DEL 2 angemessen konstant defensiv stabiles Spiel zu spielen. Das ist gewiss auch, was die Trainer von mir erwarten und ich von mir selber erwarte.

Bisher kannten Sie nur die kleinere Eisfläche in Kanada. Was denken Sie hinsichtlich System und taktischen Einzelheiten, was die größten Umstellungen auf europäischem Eis werden könnten?

Zögert: Es ist schwierig, nach wenigen Wochen dazu viel sagen zu können. Zumindest kann man sagen, dass unserer Trainer Paul Gardner und Sportdirektor Rich Chernomaz aggressives und druckvolles Forechecking erwarten, was jedoch auch dem nordamerikanischen Stil ähnelt. Vermutlich ist es das, was sie in der vergangenen Saison erfolgreich gemacht hat, dass sie diesen Spielstil hier genauso erwarten, wie er auch in Übersee gespielt wird. Den Gegner bringt dies oft aus dem Konzept. Aus der Sicht hatte ich hinsichtlich Spielstil eher weniger größere Veränderungen.

Wann wussten Sie, dass Sie erstmals Heimat Kanada verlassen werden? Gab es womöglich weitere Angebote?

Ich hatte mich bereits im Laufe der letzten Saison mit Rich Chernomaz unterhalten, dies war bereits im Winter. Ich besitze ja auch einen deutschen Pass, da meine Mutter Deutsche ist. Ich hatte viel Gutes über deutsches Eishockey gehört, was mir die Möglichkeit zur Weiterentwicklung gibt, so dass ich Deutschland früh in Erwägung gezogen habe nach meiner College-Zeit. Nachdem Rich und ich dann ins Gespräch gekommen sind und ich weiterhin die Option Deutschland im Hinterkopf hatte, habe ich mich immer mehr bestätigt gefühlt. Rich konnte mir all meine Fragen beantworten, meine Bedenken nehmen, welche mich unentschlossen machten. Je näher das Ende der letzten Saison rückte, desto sicherer war ich mir, dass der Wechsel nach Europa der richtige Schritt sein könnte. Auch die letzte Saison der Löwen spielte dabei mit Sicherheit eine Rolle, gleichbedeutend mit den Plänen der Löwen-Organisation in den nächsten Jahren. Für mich war dabei durchaus auch wichtig, in eine Stadt der Größenordnung wie Frankfurt zu kommen oder dieser nahe zu sein.

Gerade für den deutschen Eishockey-Fan ist es interessant und beeindruckend, wenn ein junger Verteidiger vom College alleine in ein fremdes Land kommt, in dem er ohne Familie lebt. Da fragt man sich durchaus, mit welchen Erwartungen der Spieler an die neue Aufgabe herangeht…

Je mehr und öfters ich mit Menschen in meinem Umfeld gesprochen habe, desto mehr wurde mir die Entscheidung ans Herz gelegt. Viele dieser dem Eishockey nahen Menschen behaupteten sogar, sie wären gerne früher nach Europa und auch Deutschland gekommen. Ich versuche vor allem mein Spiel weiterzuentwickeln, dabei liegt also mein Hauptaugenmerk auf der Weiterentwicklung meines Offensiv-Spiels. Ich hätte auch versuchen können, in Kanada professionelles Eishockey spielen zu können, aber es ist schwieriger, dort länger in einem Team zu bleiben und sich auf einem konstanten Niveau einzupendeln. Gerade dies sind Aspekte, die ich gesucht habe.

Wie passt ein ’stay at home“-Defender (Anm. d. Red.: ein eher auf Defensivspiel ausgerichteter Verteidiger) in ein offensiv ausgerichtetes Team wie das der Löwen um Paul Gardner?

Das passt! Wir haben viele offensiv ausgerichtete Verteidiger, die das Spiel von hinten aufziehen. Gerade dann sind unsere Spielertypen gefragt und als defensiv ausgerichtete Verteidiger wichtig, um diesen den Rücken freizuhalten. Meine Rolle sehe ich selber auch als Spieler, der oft in Unterzahl agiert, eine Sache, die ich gerne für mich beanspruche.

Mit welchen Sportarten kann man Sie außerdem begeistern?

Lacross, Basketball und Football in erster Linie, weniger aber mit Fußball. Das war nie meine Lieblings-Sportart, aber natürlich werde ich mir hier Fußball mal anschauen.

Interview: Maximilian Haas