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Verpokert? Neun Zweitliga-Clubs stehen „im Regen“Der Streit um die 2. Bundesliga

Meister Bietigheim Steelers, Ravensburg Towerstars, Starbulls Rosenheim, Landshut Cannibals, Fishtown Pinguins (Bremerhaven), Heilbronner Falken, Lausitzer Füchse, Eispiraten Crimmitschau und Dresdner Eislöwen bekommen somit ab sofort keinerlei Verbandsunterstützung mehr: Spielerpässe werden nicht mehr bearbeitet, Schiedsrichter nicht mehr gestellt und vor allem ist jeder Spieler, der an Spielen dieser Teams teilnimmt, fortan für alle Spiele unter dem Dach der IIHF (International Ice Hockey Federation) gesperrt. Hiervon nicht betroffen sind die Stammvereine der zumeist als Kapitalgesellschaften organisierten Clubs und deren Nachwuchsspieler, solange diese nicht an Spielen der vorgenannten Kooperationspartner teilnehmen.

Am Nachmittag hatte der DEB mitgeteilt (siehe Hockeyweb-Meldung - DEB kündigt neue 2.Bundesliga an ), aufgrund nur drei fristgerecht eingegangener Meldungen für die von ihm angebotene 2. Bundesliga vom ESV Kaufbeuren, dem SC Riessersee und, als möglichem Nachrücker aus der Oberliga, den Kassel Huskies, in der kommenden Saison auf einen Zweitliga-Spielbetrieb zu verzichten. Dafür soll eine  Qualifikationsrunde der Oberligen für eine neue 2. Bundesliga ab der Saison 2014/15 durchgeführt werden. Von den beiden hiervon betroffenen bisherigen Zweitligisten waren noch keine Stellungnahmen zu ihrer nun notwendigen Oberliga-Eingliederung zu bekommen.

Der DEB setzt damit seine stets vertretene Haltung um, keinen neuen Kooperationsvertrag, weder mit der bislang für den Spielbetrieb der 2. Liga zuständigen Eishockey Spielbetriebsgesellschaft (ESBG), noch mit der von den nun verbandslosen Zweitligisten neu gegründeten Gesellschaft DEL 2 zu schließen. Dies wurde allen bisherigen Zweitligisten in einem gemeinsamen Treffen am 22.05.2013 in Frankfurt letztmals erklärt. Dennoch fordern die neun verbandslosen Zweitligisten nun in einer von der ESBG am Abend herausgegebenen Stellungnahme eine solche Erklärung: man habe dem DEB hierfür eine Frist bis zum morgigen Donnerstag gesetzt und wolle diese Erklärung „nötigenfalls gerichtlich einklagen“.

Zur jetzigen Situation ist es gekommen, weil die ESBG durch ihren Geschäftsführer Alexander Jäger den bestehenden Kooperationsvertrag mit dem DEB zum 31.05.2013, wohl auf Wunsch der vorgenannten neun Zweitligisten, gekündigt hat. Stattdessen strebten diese Clubs bis zum letzten Wochenbeginn den Spielbetrieb in ihrer DEL 2 an. „Als Rettungsschirm“, wie ESBG-Pressesprecher Oliver Mayer betonte, meldeten die Clubs bis zum Stichtag am letzten Freitag dann für einen Spielbetrieb in der ESBG, als absehbar war, die DEL 2 nicht gegen den Willen des DEB durchsetzen zu können.

„Wir sind der Überzeugung, dass der {DEB} laut Satzung und Spielordnung einen Kooperationsvertrag mit der ESBG bzw. uns abschließen muss“, erklärte Rosenheims 1. Vorsitzender Wilhelm Graue für die neun Clubs. Der DEB sieht eine solche Verpflichtung nicht: „Die Geschäftsgrundlage für einen solchen Vertrag ist entfallen. Nirgendwo steht in unseren Statuten, dass die ESBG für den Spieltrieb der zweiten Liga zuständig ist. Das war im Kooperationsvertrag geregelt, den die ESBG selbst gekündigt hat“, erklärt DEB-Präsident Uwe Harnos die Auffassung des Verbandes. „Wer den Mietvertrag seiner Wohnung kündigt und zudem seine Miete nicht zahlt, hat auch keinen Anspruch darauf, einen neuen Vertrag zu veränderten Konditionen mit dem Vermieter zu schließen und darf sich nicht wundern, die Wohnung zum Kündigungstermin verlassen zu müssen“, verdeutlicht Harnos die Ansicht des DEB. Schließlich steht auch die Zahlung von knapp 165.000 Euro Verbandsabgaben für die abgelaufene Saison noch immer aus. Die neun Clubs wollen gegebenenfalls gerichtlich für ihre eigene Auffassung streiten und möglicherweise Schadensersatzansprüche geltend machen. Inwieweit sich diese aber gegen den DEB richten können oder nicht vielmehr ESBG-Geschäftsführer Jäger träfen, der schließlich die jetzige Situation durch seine Vertragskündigung herbeiführte, bleibt abzuwarten.

Der DEB begründet seine Haltung jedoch nicht juristisch, sondern rein sportlich: „Wir tragen Verantwortung für den gesamten Eishockeysport in Deutschland, für den Nachwuchs, die große Breite der Vereine in den Oberligen und Landesverbänden und können nicht blindlinks den vermeintlichen Sonderinteressen von neun einzelnen Clubs folgen“, führt Harnos aus. „Wir haben gestern nochmals alle Argumente, insbesondere Fragen der sportlichen Entwicklung und der notwendigen Neustrukturierung des deutschen Eishockeys diskutiert und sind zu keinem anderen Ergebnis in unserer Haltung gekommen“, sagt Harnos. „Wer für die Verzahnung aller Ligen und sportliche Qualifikationen eintritt, kann dem Konzept einer DEL 2 nicht folgen. Wir sind schon sehr verwundert, dass diese neun Zweitligisten nun Ansichten vertreten, gegen die sie in den letzten zwei Jahren stets gekämpft haben, wie gerade die Auf- und Abstiegsregelungen, einen Punkte-Plan für Stadien und hohe Aufnahmehürden für eine Liga. Wir gehen einen solchen Weg jedenfalls nicht mit“, macht Harnos für den DEB nochmals deutlich.

Von den neun Zweitligisten waren kaum Stellungnahmen zu erhalten. Die Vertreter verwiesen auf die gemeinschaftliche ESBG-Presseerklärung. Lediglich Crimmitschaus Geschäftsführer René Rudorisch ergänzte: „Ich habe mit der Haltung des DEB gerechnet. Allerdings ist die ESBG aus meiner Sicht nicht abgeschafft, sondern als Zweitliga-Ausrichter nach wie vor existent. Wir vertrauen deshalb auf eine neue Gesprächsbereitschaft des Verbandes für eine Lösung im ESBG-Rahmen.“ Harnos sieht hierfür hingegen kaum Spielraum: „Die Clubs der Oberliga brauchen endlich Planungssicherheit. Irgendwann müssen schließlich Entscheidungen fallen, die die Wirtschafts- und Kaderplanung der Vereine betreffen.“