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Rote Teufel sind eine WundertüteDEL2

Böller, der bei den Teufeln zünden will: Cody Sylvester, der in der DEL schon bei den Iserlohn Roosters spielte. Foto: picture alliance/Eibner-PressefotoBöller, der bei den Teufeln zünden will: Cody Sylvester, der in der DEL schon bei den Iserlohn Roosters spielte. Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto
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Der Start der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) in die Saison 2017/18 verspricht gleich ein meisterliches Kräftemessen: Zum Saison-Start am Freitag, den 15. September, gibt es die Neuauflage des Playoff-Finales aus der vergangenen Spielzeit. Die Bietigheim Steelers reisen zum amtierenden Meister — den Löwen Frankfurt. Ein Hammer-Duell, das bestimmt Lust auf mehr macht. Die Liga verspricht wie immer Tradition pur. Wie zum Beispiel bei Aufsteiger Tölzer Löwen. Ein Team, das die Eishockeygeschichte atmet, fühlt, lebt. Hockeyweb testet alle 14 Teams auf Herz und Nieren.

Heute: EC Bad Nauheim

Offensive als Prunkstück

Überraschungen gab es zuletzt ausreichend in der DEL2: Kaufbeuren und Weißwasser schlugen sich unter die Top-6. Auch Aufsteiger Bayreuth schaffte es auf Anhieb in die Play-offs. Mitfavorit Ravensburg hingegen war gegen Ende der Spielzeit völlig von der Rolle. Und die Starbulls Rosenheim mussten unerwartet den Weg in die Oberliga nehmen. Die Saison 2017/18 steht an und es wird wieder Unerwartetes geschehen.

Wie sieht es z.B. mit den Eishockey-Cracks aus Bad Nauheim aus? Hockeyweb-Mitarbeiter Michael Sender nimmt heute die Roten Teufel unter die Lupe.

Seit 2013 bereichern die Kurstädter das Unterhaus. 2016 gab es die erste und einzige Play-off-Teilnahme. Im Viertelfinale scheiterten die Teufel damals an Ravensburg. In der abgelaufenen Saison fehlte ein Pünktchen zur Endrundenteilnahme. Auch in der kommenden Saison schielt Trainer Petri Kujala auf die Play-off-Ränge. Dafür wurde die halbe Mannschaft ausgewechselt. Der Umbruch war größer als gewollt. ’Aber wir sind sehr zufrieden, was wir mit unseren Mitteln zusammengestellt haben“, sagt der Coach. Die finanziellen Mittel sind wie im Vorjahr. Der Etat beträgt 2,5 Millionen Euro. Der Kader kostet etwa 930.000 Euro. Wer wird denn da in Kürze als Roter Teufel auf Punktejagd übers Eis flitzen?

Tor: Rämo weg, Guryca verletzt, Bick übernimmt

Felix Bick ist der neue Tormann in der Wetterau. Der 24-Jährige kommt von der Düsseldorfer EG und ersetzt den abgewanderten Mikko Rämö. Bick war bei der DEG Ersatzmann von Stammgoalie Mathias Niederberger und kam auf zwölf DEL-Einsätze. Er zeichnet sich durch Reaktionsschnelligkeit aus, doch fehlt es ihm an Erfahrung. Zum ersten Mal in seiner Profikarriere geht er als unangefochtene Nummer eins in eine Saison — Risiko und Chance zugleich. Ersatzmann Jan Guryca wurde zuletzt am Knie operiert und kann frühestens im Januar wieder aufs Eis. Bad Nauheim fehlt ein Back-Up. Justin Figge (aus dem Nachwuchs der Iserlohn Roosters) und Ansgar Preuß (Hannover Indians) wurden getestet. Eine zufriedenstellende Lösung wird noch gesucht. ’Aber der Markt ist überschaubar“, weiß Geschäftsführer Andreas Ortwein.

Abwehr: Meland und Trivellato als Hoffnungsträger

Joel Johansson (zum SC Riessersee), Ales Kranjc (Eispiraten Crimmitschau) und Marcus Götz (Heilbronner Falken) heißen die namhaften Abgänge der Roten Teufel. Besonders Johansson wird schwer zu ersetzen bleiben. Die neuen Hoffnungsträger sind Eric Meland und Ex-Eisbär Alex Trivellato. ’Eric hat viel Potenzial im Spiel nach vorne, er ist zudem ein cleverer Spieler mit guten technischen und läuferischen Fähigkeiten“, sagt Kujala über den Neuzugang vom slowenischen HK Nitra, wo er aber in 13 Playoff-Spielen auf lediglich drei Vorlagen kam. Bad Nauheim ist für den 27-jährigen US-Amerikaner die erste Station in Deutschland. Alex Trivellato hingegen bringt DEL-Erfahrung mit. Der Defensivspezialist spielte in den vergangenen beiden Jahren für die Schwenninger Wild Wings, kommt auf insgesamt 188 DEL-Einsätze und ist zudem italienischer Nationalspieler (mit deutschem Pass). Dauerbrenner Daniel Ketter (aus dem eigenen Nachwuchs und seit 2011 im Team) ist eine wichtige Stütze im Defensivgebilde. Steve Slaton wurde gehalten. Der Ex-Bremerhavener bringt nötige Erfahrung mit und wird Garret Pruden und Daniel Stiefenhofer einzuarbeiten wissen. Insgesamt fehlt dem neuen Abwehrkonstrukt ein wenig Offensivpower.

Angriff: Kumpels Livingston und Sylvester ein Kracher

Abteilung Attacke der Wetterauer kann sich sehen lassen. Mit James Livingston und Cody Sylvester wurden Angreifer mit Durchschlagskraft verpflichtet. Die beiden Kanadier sind gute Freunde und spielten zuletzt gemeinsam für den Dornbirner EC im österreichischen Oberhaus (EBEL) Der 25-jährige Sylvester war davor für die Iserlohn Roosters in der DEL aktiv. Die vierte Kontingentstelle nimmt Mike McNamee ein. Der kanadische Center spielte in seiner Heimat unterklassig. Inwiefern er das Team und die Liga bereichert, bleibt abzuwarten. Ein namhafter Zugang ist definitiv Maximilian Brandl. Der gebürtige Landshuter galt einst als Supertalent, kam schon früh zu DEL-Einsätzen, konnte sich weder in Ingolstadt noch Hamburg durchsetzen. Nach vier Spielzeiten in Landshut und drei Jahren in Ravensburg soll Brandl eine prägende Offensivrolle in Hessen übernehmen. Auch Noureddine Bettahar will sein Können unter Beweis stellen — schließlich ist die Rückkehr in die DEL sein Ziel. Mit Dominik Meisinger, Radek Krestan, Dusan Frosch und Fitness-Vorbild Andreas Pauli stehen Trainer Petri Kujala weiterhin ligabekannte Akteure zur Verfügung. Die Hoffnung ist, dass die Neuen mehr Durchschlagskraft mitbringen. In der vergangenen Saison wussten die abgewanderten Sarault, Alanov, Dineen, Aab, Hofland und Co. oftmals nicht ihre vielen Chancen zu nutzen.

Fazit: Mit Glück ins Viertelfinale

Mit Glück können die Roten Teufel das Viertelfinale erreichen, mit etwas Pech kann es aber ebenso schnell in die untere Tabellenregion gehen. Die Torhüterposition ist ungewollt riskant besetzt. Sollte Bick ausfallen, steht keine echte Alternative zur Verfügung. Im Notfall müsste eine fünfte Ausländerlizenz vergeben werden. Die Abwehr ist sehr defensiv besetzt. Prunkstück ist definitiv die Offensivabteilung. Mit einem guten Händchen kann Trainer Kujala eine echte Tormaschine zusammenbasteln. Zwölf Neuzugänge müssen zwar erstmal integriert werden, der ruhige Chefcoach wird es finnisch-ruhig zu meistern wissen. Er spricht von einer angenehmen ’Erfrischung“. Bei den Neuzugängen wurde auf Entwicklungspotenzial geachtet. Die Spieler wollen sich für höhere Aufgaben empfehlen. Wenn die Chemie stimmt, kann dies in einer Aufwärtsspirale enden. Alles in allem bleibt festzuhalten, dass das Saisonresultat stark vom Tagesgeschehen abhängig bleibt. Mit Bad Nauheim ist zu rechnen — in jegliche Richtung. Die Roten Teufel sind eine Überraschungskiste, wie die Liga. Vorhersagen bleiben da ein Lotteriespiel.

(Autor: Michael Sender)