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„Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um vorwärts zu kommen!“

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Du bist in Winsen geboren, wie kommt man da zum Eishockey? Ich hätte da eher Handball erwartet?

Meine Eltern sind, als ich fünf war, nach Berlin gezogen und da habe ich dann mit sieben Jahren mit Eishockey angefangen. Ich habe bei den Eisbären den kompletten Nachwuchs durchlaufen und war dann ab 2004 in der DEL-Mannschaft.

Du bist damals gleich zweimal mit Deutscher Meister geworden?

Ja, da hatte ich Glück, dass es so gepasst hatte. Es war eine schöne Zeit, es war auch eine tolle Mannschaft damals.

Du wurdest dann immer in der Oberliga bei den Eisbären Juniors eingesetzt?

Das war eine gute Mischung, dort im zweiten Team Praxis sammeln und dann wieder ganz oben zu spielen. Ich bin dann 2007 mit einer Förderlizenz nach Crimmitschau gegangen. Im Vorfeld haben sie mich gefragt, ob ich mal in der zweiten Liga spielen und dort Spielpraxis sammeln möchte, einfach um die Stufe zwischen Oberliga, wo ich gut gespielt hatte, und DEL, zu der ich den Sprung noch nicht geschafft hatte, zu überbrücken.  Aber da ist es nicht gut gelaufen. Ich habe mich nicht wohl gefühlt, es kamen einige Sachen zusammen. Es gab Problem mit dem Trainer (Anm. Gunnar Leidborgh), aber das war nicht so schlimm. Aber da waren auch Sachen im Umfeld, die mich massiv behindert haben, Leistung zu bringe. Ich hätte mit meinen Eltern und meinem Berater reden sollen, aber ich habe mich in mir vergraben.  Nach diesem Jahr gab es nichts für mich, ein Try-out bei den Straubing Tigers im Sommer brachte nichts. Ich hätte nach Füssen gehen können, aber dann kam das Angebot von den Eisbären, noch einmal für die Juniors in der Oberliga zu spielen. Und ich wusste, wenn ich in der Oberliga meine Leistung gut bringe, bekomme ich die Möglichkeit, ein paar Spiele in der DEL  zu machen und mich noch einmal zu zeigen und auf mich aufmerksam zu machen. Da bin ich den Eisbären auch sehr dankbar, dass sie mir so entgegen gekommen sind und mir nach Saisonbeginn noch einen Vertrag gegeben haben. Sie haben einen großen Anteil daran, dass ich wieder in die Spur und zurück zum Eishockey gekommen bin.

Du warst dann in diesem Jahr der Topscorer in deiner Mannschaft. Warum schafft man es trotzdem nicht, auf einen Stammplatz im DEL-Team zu kommen?

Besonders bei den Eisbären sind so viel gute Spieler, die ersten drei Reihen sind immer mit Top-Leuten besetzt. Selbst in der vierten Reihe spielen viele gute junge, da ist es nicht so einfach, sich durchzusetzen.

2009 bist du nach Ingolstadt gegangen. Was hast du dir von diesem Wechsel versprochen?

Ich wollte versuchen, in einem DEL-Verein richtig Fuß zu fassen und einen Stammplatz zu kriegen. Das ist zum Teil auch ganz gut gelaufen, aber dann war ich länger verletzt und da hat es halt gehapert. Ich habe relativ zügig eine Förderlizenz für Heilbronn bekommen, das lief super. Ich kam mit dem Trainer gut klar, hatte viel Spielpraxis und konnte dann auch wieder mit Selbstbewusstsein in der DEL mitspielen. Dann hat allerdings Ingolstadt den Kooperationspartner gewechselt, deshalb war ich zu Beginn dieser Saison bei Landshut im Kader. Aber da gab es Schwierigkeiten, es hat einfach nicht gepasst. Ich bin zwar mit der Mannschaft gut ausgekommen, aber es war schwer, weil es auch zu Saisonbeginn nicht so gut lief und da war es umso frustrierender, dass ich mit meinen Einsatzzeiten nicht zufrieden war. Das habe ich auch so geäußert, aber eben im Affekt gleich nach einem Spiel, das wir verloren hatten. Das ist für beide Seiten natürlich nicht schön, wenn ein Förderlizenzspieler sagt, dass er nicht klar kommt. Ich habe auch Tobias Abstreiter und Bernd Truntschka um Entschuldigung gebeten, weil es auch eine Überreaktion von mir war. Aber danach war, glaube ich, auch das Vertrauen der Verantwortlichen zu mir nicht mehr da. Im Endeffekt sind wir aber im Guten auseinander gegangen, auch wenn es zum Schluss nicht mehr gepasst hat. Es gab noch ein Gespräch mit Ingolstadts Sportdirektor Jim Boni, dem bin ich sehr dankbar, er ist mir sehr entgegen gekommen, dass er mir noch eine Chance gegeben und mich nach Dresden gehen lassen hat. Damit habe ich für mich erst mal das Beste gefunden.

Nun bist du in Dresden. Was macht den Unterschied aus zu deiner Zeit in Heilbronn und Landshut?

Zu Heilbronn gibt es eigentlich mehr Gemeinsamkeiten. Der Trainer redet viel mit mir, er setzt mehr auf mich. Thomas Popiesch hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Er hat mich Fehler machen lassen, aber er wusste, was ich kann. Von Woche zu Woche ist es besser geworden, jetzt muss ich auf die Leistungen, die ich zurzeit bringe, aufbauen, damit ich mit meinem Selbstvertrauen das Vertrauen des Trainers zurück geben kann.

Du musst auch ziemlich viel Verantwortung übernehmen, zum Beispiel in den Special-Teams?

Ja, Schritt für Schritt hat Thomas mich immer mehr in diese Leader-Funktion rein gebracht und die versuche ich natürlich auch von Spiel zu Spiel immer besser zu erfüllen. Er hat mir von Beginn Vertrauen gegeben und hat versucht, raus zu kitzeln, was ich spielen kann. Ich habe mich hier in Dresden auch sehr entwickelt, aber da haben viele Leute mit zu tun. Das fängt beim Trainer an, aber ich habe auch von den Mitspielern vielgelernt, wir reden viel, jeder mit jedem und verstehen uns auch privat sehr gut, es passt alles momentan.

Von welchen Spielern profitierst oder lernst du am meisten?

Von Hugo Boisvert, von Sami Kaartinen und Patrick Jarrett, mit denen habe ich auch am meisten zusammen gespielt. Hugo hat eine Riesenerfahrung, hat mehrere Meisterschaften gewonnen und ist am Bullypunkt unschlagbar. Pat kenne ich noch aus Berlin, wir sind gleich gut klar gekommen. Er ist sehr offensivstark, man bekommt viele Chancen. Sami hat ein super Auge, der findet einen irgendwie immer, auch wenn man es schon nicht mehr erwartet, kommt da noch ein Pass durch.

Was sind deine Stärken und Schwächen?

Als meine Stärken würde ich meine läuferischen Fähigkeiten, meine Schnelligkeit und meinen Schuss bezeichnen. Meine Schwäche hat weniger mit Eishockey zu tun. Aber ich bin sehr ehrgeizig und wenn es mal nicht so gut läuft,  geht bei mir der Kopf zu, dann will ich zu viel. Da muss ich lernen, positiver zu bleiben.

Du bist am Anfang öfters zwischen Verteidigung und Sturm gewechselt, was liegt dir mehr?

Stürmer liegt mir schon mehr, aber ich kann eben auch verteidigen, wenn Not am Mann ist. Das hat auch eigentlich gut geklappt, man muss einfach denken und die kleinen Sachen richtig machen, wenn das funktioniert, dann läufts auch immer gut.

Wo siehst du jetzt deine Position in der Mannschaft?

Zurzeit schon ganz klar im Sturm. Mein Ziel ist es auch, ein Führungsspieler zu sein, dass muss es auch, wenn man weiter hinaus oder noch einmal in die DEL möchte, muss man in der zweiten Liga Führungspersönlichkeit  zeigen und auch selber sein. In den letzten Wochen ist auch meine Verantwortung Schritt für Schritt gewachsen und ich hoffe, dass ich das auch auf dem Eis umsetze.

Kürzlich in Rosenheim hat man gesehen, dass du auch ganz schön austeilen kannst. Brauchst du lange, bis du gezündest wirst?

Na ja, ich bin kein Spieler, der sich sofort rein wirft und mit jedem hauen muss. Aber grade da, es war ein enges Spiel, wir wollten unbedingt noch ein Tor schießen. Man wollte auch ein Zeichen setzen für die Mannschaft, dass wir noch einmal Vollgas geben. Und da kam es dazu und musste halt mal sein (lacht).

Wie wichtig ist dir der Spaß auf dem Eis?

Spaß ist immer wichtig. Ohne Spaß läuft es nicht, weil es dann auch vom Kopf her nicht funktioniert. Aber es gehört auch harte Arbeit dazu, und wenn man die beiden Komponenten zusammen nimmt, spielt man eigentlich generell gutes und erfolgreiches Eishockey.

Letzte Saison wurdest du zu den Play-Offs nach Ingolstadt geholt. Denkst du, dass das dieses Jahr wieder so sein wird?

Ich denke eher nicht, dass waren letzte Saison andere Voraussetzungen. Die Qualität im Ingolstädter Kader ist sehr hoch, sie haben viele gute Stürmer, ich glaube nicht, dass ich gebraucht werde.

Nächstes Jahr könntest du noch einmal mit einer Förderlizenz spielen?

Ja, das würde gehen. Aber wie das direkt läuft, muss man sehen, da ist auch noch nichts entschieden. Aber ich würde auf jeden Fall hoffen, dass ich noch einmal eine Förderlizenz für Dresden bekomme. Ich fühle mich sehr wohl hier, die Stadt, die Fans, die Halle, die ganzen Voraussetzungen sind toll. Auch nach Berlin, wo ich wohne, ist es nicht weit. Aber das ist Zukunft, jetzt konzentriere ich mich erst mal zu hundert Prozent darauf, dass wir die Play-Offs schaffen und dann dort auch so erfolgreich wie möglich spielen.

Hast du gewusst, dass dein Siegtor gegen Kaufbeuren den Eislöwen auch rechnerisch den Klassenerhalt gesichert hat?

Nein, das habe ich nicht gewusst. (lacht) Aber das war jetzt nicht unser Ziel. Wir haben zwar einen kleinen Kader, aber mit einer guten Qualität auf jeder Position. Jeder Spieler bringt seine eigenen Leistungen mit ein und hat eine wichtige Position in der Mannschaft, die er zu erfüllen hat. Und wenn jeder zu hundert Prozent das bringt, was er kann, passt das Puzzle bei uns perfekt zusammen.

Vor der Saison wurde Dresden von den Experten zum Abstiegskandidaten Nummer eins gehandelt.       

Na ja, was soll ich sagen, dass spricht doch für den Trainer. (lacht) Und natürlich für die Mannschaft. Seit ich hier bin, haben wir viele sehr, sehr enge Spiele gehabt und, ich denke mal, 80 % davon gewonnen. Wenn wir es schaffen, nach dem zweiten Drittel in der Position sind, gewinnen zu können, haben wir sie fast immer geschafft. Das zeichnet die Mannschaft aus, dass wir den eisernen Willen haben, zu gewinnen und auch wenn es mal total danebengeht wie in Bremerhaven, trotzdem weiter machen.

Dein Nahziel sind jetzt also die Play-Offs?

Auf jeden Fall. Wir kämpfen um die Top sechs, aber unter die ersten vier wäre natürlich perfekt. Wir wollen auch versuchen, in jedem Spiel zu punkten, aber dazu müssen wir hundert Prozent spielen und hundert Prozent geben.

Und deine Ziele über die Saison hinaus?

Ich habe noch ein Jahr eine Förderlizenz und möchte schon noch einmal in der DEL angreifen. Aber da muss ich schauen. Auf jeden Fall möchte ich professionell gutes Eishockey spielen. Ich möchte in einen Verein, wo ich Führungspersönlichkeit sein kann und das Vertrauen des Trainers und eine Aufgabe habe und das habe ich momentan hier in Dresden. Wenn, dann müsste es in der DEL auch so sein, dass man seine Spiel und seine Eiszeit hat, denn noch mal rumsitzen und nur ein paar Wechsel fahren, bringt nichts. Eishockey macht nur Spaß, wenn man viel spielt. Wenn man als sehr junger Spieler versucht, in der DEL Fuß zu fassen, gut. Aber ich habe selber gemerkt, dass ich zu oft in der DEL auf der Bank gesessen habe und der Gang früher in die zweite Liga, um Spielpraxis zu kriegen, wäre für mich besser gewesen, um dann weiter hinaus zu kommen.

Du hast mal gesagt: „Manchmal muss man einen Schritt zurück gehen, um vorwärts zu kommen!“

Ja, das war, als ich in Berlin noch einmal eine Chance bekommen habe. In den ersten beiden Jahren dort wurde ich zu viel zu hoch gelobt, was einem jungen Spieler auch nicht so gut bekommt. In Crimmitschau ging es dann bergab, deswegen haben die Eisbären auch gesagt, erst mal Oberliga und dann gucken wir mal. Das war auch das Beste, was mir passieren konnte. Der damalige Trainer Derek Meyer hat mich damals genauso unterstützt wie Popi jetzt.

Denkst du, dass du wieder vorwärts gekommen bist?

Auf jeden Fall. Es klappt alles, ich habe wieder Selbstvertrauen und ich denke, dass selten so gutes Eishockey gespielt habe wie zurzeit, aber dass auch noch Luft nach oben ist. Das Wichtige ist, konstant über einen längeren Zeitraum auf hohem Niveau zu spielen, um sich auch mal durchzusetzen.