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„Wir brauchen einfach eine breitere Basis“Was sagt eigentlich die DEL über eine mögliche DEL II?

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„Grundsätzlich finden wir das gut und richtig“, sagt Matthias Schumann, Leiter Kommunikation der Deutschen Eishockey-Liga. „Das basiert auf der Konzeption, die wir der ESBG in Hinblick auf die Entwicklung des deutschen Profi-Eishockeys vorgestellt haben.“ Detlef Kornett hatte das Papier im Auftrag des Aufsichtsrates der Deutschen Eishockey-Liga gefertigt. „Das hat bei den Zweitligisten Zustimmung gefunden. Unsere Philosophie ist es, dass sich der Profisport selbst am effizientesten verwaltet – losgelöst vom Verband, so wie die DEL das nun seit beinahe 20 Jahren macht. Wir brauchen einfach eine breitere Basis für das Profi-Eishockey.“

Klar ist aber auch, dass es nicht auf dem Weg funktionieren kann, dass die DEL einfach die „willigen“ Zweitligisten in die DEL aufnimmt. „Für uns ist wichtig, dass wir unseren Kooperationsvertrag mit dem Deutschen Eishockey-Bund leben. Es wäre sicher nicht im Sinn dieses Vertrages, wenn wir Clubs in das Konstrukt DEL GmbH aufnehmen würden, die mit dem DEB im Disput über die noch nicht aufgelöste ESBG liegen.“ Das heißt: Für die DEL II ist eine eigenständige GmbH notwendig und eine Lösung des Dissens mit dem DEB.

So sinnvoll sich das anhören mag, eine Frage muss erlaubt sein: Wie gut ist es für ein Projekt, dass es aus dem Streit heraus entsteht? Denn egal ob ESBG oder DEL II – ohne Kooperationsvertrag droht dieser 2. Liga ein Dasein als „Wilde Liga“. Und sollte der DEB das „durchziehen“, wäre es ja nicht undenkbar, dass es internationale Sperren für Spieler und Schiedsrichter gibt, die in einer DEL II auflaufen, sollte diese Spielklasse einen „wilden“, also einen nicht durch den nationalen Spitzenverband und den internationalen Verband (IIHF) gedeckten Status haben. Wer würde in dieser Liga spielen, sollte danach ein Wechsel in eine durch die IIHF anerkannte Liga zumindest zeitweise aufgrund einer Sperre unmöglich sein?

Matthias Schumann setzt auf Konsens. „Was spricht denn aus Sicht des DEB inhaltlich wirklich dagegen, einen Kooperationsvertrag mit einer DEL II zu schließen, wenn diese Liga alle für den Spielverkehr nötigen Statuten anerkennt?“

Ansonsten bleibt auch noch vieles andere im Konjunktiv. Dürfen der Oberliga-Meister EC Bad Nauheim und vielleicht auch andere Oberligisten aufsteigen? Der DEB und seine Landesverbände sagen aktuell nein. Derzeit gibt es Gerichtsverfahren, die klären sollen, wer Recht hat. Dann gibt es das DEB-Angebot einer verbandsgeführten 2. Liga. Wer meldet sich an? Riessersee und Kaufbeuren haben oft gegen die Mehrheit der Zweitligisten gestimmt. Gehen sie also in die 2. DEB-Liga? Was ist mit Dresden? Sollten die Eislöwen ihre finanziellen Probleme nicht in den Griff bekommen, blieben plötzlich nur noch neun Clubs. Und was ist, wenn weitere Clubs den Bruch mit dem DEB doch nicht vollziehen wollen? Schumann: „Wir müssen einfach die Fakten abwarten. Eine Gemeinschaft von selbständigen Clubs muss sich finden und bereit sein, einen gemeinsamen Weg für eine DEL II zu gehen. Vielleicht sind es am Ende ja doch mehr Clubs, als jetzt spekuliert wird."

Weitere Fragen schließen sich an. Wie gestaltet sich eine DEL II? Weniger Ausländer als bisher in der 2. Bundesliga sind angedacht. „Das ist nur folgerichtig“, sagt Schumann, „wenn es das erklärte Ziel ist, den deutschen Profi-Nachwuchs nachhaltig zu entwickeln.“ Ist ein Auf- und Abstieg zwischen DEL I und DEL II angedacht? „In der 2. Liga gibt es bereits heute moderne Arenen mit einer guten Infrastruktur. Warum also sollte es nicht zu einer sportlichen Verzahnung kommen, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind?"  Und: verschiebt sich die „Nicht-Aufstiegs-Linie“ einfach von der Schnittstelle der ersten und zweiten Liga hin zur Oberliga? „All das muss man abwarten. In jedem Fall liegt diese Entscheidung nicht bei uns, sondern bei den Clubs der zweiten Liga und die sind einer Verzahnung mit den Oberligen gegenüber aufgeschlossen, sollten die Bedingungen dafür vorhanden sein.“

Wichtig ist Matthias Schumann zweierlei: „Wir brauchen eine breitere Nachwuchs-Basis für das Profi-Eishockey und deutlich mehr Druck von Talenten in die Nationalmannschaft.  Aber natürlich geht der Teil nur mit dem Deutschen Eishockey-Bund und für den Nachwuchs, beginnend mit den Kindern, nur mit den Landeseissportverbänden.“ Der zweite Punkt, Schumann betont erneut: „Für uns ist relevant, dass wir den Kooperationsvertrag mit dem DEB nicht konterkarieren. Unabhängig davon will die DEL aber das Profi-Eishockey auch zum Wohl der Nationalmannschaft weiter entwickeln und die Zweitligisten, denen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung angehender junger Profis zukommt, im Rahmen unserer Möglichkeiten voll dabei unterstützen.“

Gut klingt es. In der Theorie. Allein hat das deutsche Eishockey schon zu oft gezeigt, dass Theorie und Praxis weit auseinander liegen. Und wenn man ehrlich ist, hat auch der Deutsche Eishockey-Bund in diesem Punkt gute Argumente. Die öffentliche Stimmung gegen den DEB und seinen Präsidenten lässt sich nicht so ohne weiteres kippen. Aber nur aufgrund dieser Stimmung, Position gegen DEB zu beziehen, wäre kaum sachdienlich.

Daher wäre ein Konsens aller Beteiligten besser, für die Öffentlichkeitswirkung und für die Entwicklung des deutschen Eishockeys. Ob die Zukunft der zweiten Spielklasse nun bei einer DEL II liegt oder bei einer DEB-geführten 2. Bundesliga.