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Vorstand des EHC Straubing kämpft an vielen FrontenAus den Tiefen des Sports

Manfred Lermer. (Foto: privat)Manfred Lermer. (Foto: privat)

Was zunächst auffällt, ist, dass der Landesliga-Kader der Straubinger mit sechs Torleuten, zwölf Verteidigern und 16 Stürmern recht groß ist. Das ist aber durchaus als Vorteil zu werten. Manfred Lermer erzählt: ’Über den großen Kader sind wir sehr froh. Unsere Seniorenmannschaft ist auch dazu da, dass wir unseren U19-Spielern nicht das Ende voraussagen müssen. Wir wollen ihnen eine Perspektive geben und da sind wir auch stolz drauf. Denn eigentlich ist die 1.Mannschaft ja die Hauptmannschaft von einem Verein. Allerdings legen wir Aufgrund des Fünf-Sterne-Konzepts das Hauptaugenmerk auf die unteren Jahrgangsstufen, vom Recruiting, U8, U10 bis zur U14. Die U16 arbeiten wir gerade aus.“

Echte Amateure

Was Lermer auch betont, ist, dass in der 1.Mannschaft keine auswärtigen Spieler aktiv sind. ’Nicht nur das, sondern wir haben auch keinen bezahlten Spieler. Das freut mich persönlich sehr, weil die Jungs bei uns in der Landesliga wegen der Ehre und wegen dem Spaß am Sport spielen. Das gibt es leider bei den meisten anderen Landesligisten nicht mehr. Hier wird mittlerweile auch schon gezahlt. Zum Beispiel auf 450-Euro-Basis, Ausrüstung und solche Geschichten.“ Hört sich so an, als ob man in Straubing auch die Ausrüstung selbst kaufen muss. ’Wir haben einen Ausrüstervertrag geschlossen, sodass unsere Spieler die Sachen relativ günstig bekommen, aber ja, im Endeffekt müssen sie ihre Ausrüstung noch selbst bezahlen.“

Wenn einer eine Reise tut

Ein Kostenfaktor, der gerne vergessen wird, sind die Reisekosten. Hier hat man wieder gewechselt und fährt nun wieder mit demselben Unternehmer, der auch die Straubing Tigers chauffiert. Lermer legt die Karten auf den Tisch: ’Zuerst muss man sagen, dass alle Straubinger Busunternehmer sehr genau, korrekt und zuverlässig sind. Es war einfach eine Sache des Preises. Man muss sehen, dass wir beim Nachwuchs rund 35.000 Euro pro Jahr an Buskosten haben. Der Geschäftsführer des Unternehmens ist großer Eishockeyfan und unterstützt uns auch zusätzlich als Sponsor.“

Mehr Geld schadet nie

Bei Thema Sponsoring will jeder Vorstand in jedem Club naturgemäß immer mehr. Doch Manfred Lermer ist nicht unzufrieden: ’Wir haben vor etwa zwei Wochen einen Etat von 280.000 Euro verabschiedet. Ich finde, das ist schon extrem. Als wir im Dezember 2015 übernommen haben, stand man kurz vor dem Insolvenzantrag. Wir waren damals wirklich froh, dass wir die Saison noch zu Ende spielen konnten. Die drei Vorstände und andere haben dann Privateinlagen geleistet, um über die Saison zu kommen. Wir haben uns dann auf die Hinterbeine gestellt und ein Jahr später schon einen Etat von 210.000 Euro gehabt.“ In diesem Jahr kam dann sogar der Aufstieg, wenn auch nur am grünen Tisch. Sportlich reichte es in der damaligen Aufstiegsrunde nicht ganz, doch aus finanziellen Gründen lehnten die berechtigten Teams den Aufstieg von der Bezirks- in die Landesliga ab. Lermer berichtet: ’Wir haben dann gesagt, wenn sich unser Trainer Christian Penzkofer das zutraut, dann bewerben wir uns. Wir haben es uns als Vorgabe gemacht, dass sich die 1.Mannschaft komplett selbst tragen muss. Dass ist auch wichtig in Bezug auf das Fünf-Sterne-Programm. Hätten wir in den Durchführungsbestimmungen keinen dritten Schiedsrichter, wäre vielleicht sogar ein kleines Plus möglich.“

Die zweite Eisfläche

Ein Dauerbrenner in Straubing ist die Diskussion um die zweite Eisfläche. Hier bringt uns Manfred Lermer auf den neusten Stand: ’Eine zweite Halle wäre wunderbar, aber auch wenn sie uns die Halle hinstellen würden, hätten wir ein Problem und das wären die Kabinen. Von daher haben wir als EHC-Vorstand das Hauptaugenmerk auf den Bau von Kabinen gelegt. Wir hatten inzwischen eine Begehung zur jetzigen Kabinensituation vom Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV). Der technische Zustand ist natürlich genauso veraltet wie vieles andere in unserem und in vielen anderen Stadien. Es wurde ja auch vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und von der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) festgestellt, dass Sanierungsbedarf besteht. Wir haben bereits einen Antrag gestellt und hatten auch bereits die ersten Gespräche mit dem Stadtrat bezüglich des Baus eines Kabinentrakts. Der Bau wäre dann weder von der Stadt, noch vom Landkreis und auch nicht von den Tigers finanziert, sondern alleine durch den EHC. Der Vorteil ist einfach, dass der Verein Fördermöglichkeiten hat, an die anderen nicht hinkommen würden. Wir sind Integrationsstandort und Leistungsstandort für Integration durch Sport vom BLSV. Dazu braucht es auch Schulungsräume zum Beispiel für Deutschkurse. Das alles ist in diesem Konzept berücksichtigt. Hierfür gibt es vom BLSV dann eben eine entsprechende Förderung. Die Gesamtkosten werden drei Millionen Euro sein.“

Vom Container in die Halle

Auch wo der Bau hinkommen soll, ist klar: ’Auch für später sinnvoll, wenn dann doch die zweite Eisfläche kommt, ist die Südseite. Auf der kompletten Stadionseite sollen elf Kabinen entstehen. Wir wollen uns mit einen Bau nicht den zweiten verbauen, denn die zweite Eisfläche wäre dann das nächste Ziel.“ Bei elf Kabinen kommt man zunächst ins Grübeln, bei genauer Betrachtung und der Vielzahl an Nachwuchsmannschaften macht das aber durchaus Sinn. Außerdem ’wollen wir eigentlich auch mal ein DEL-Futurecamp ausrichten. Das ist im Moment gar nicht möglich. Wir wollen zum Beispiel wie Deggendorf ein internationales Turnier veranstalten, auch das geht aktuell nicht. Zurzeit zieht sich ein Drittel  unserer Mannschaften in Containern um, beziehungsweise lagert ihre Ausrüstung dort, weil sie keine feste Kabine haben. Nur für die U16 haben wir eine feste Kabine in der Halle, weil das einen Punkt im Sterneprogramm bringt.“

Turnier der WLHL war ein Erfolg

Ein internationales Turnier richtete der EHC aber bereits aus. Es war das Finalturnier der World Legends Hockey League. In nur drei Wochen stellten die Verantwortlichen in unzähligen Stunden und mit großer Leidenschaft das Turnier auf die Beine. Aber würde Lermer sich das nochmal antun: ’Ja, jein“, meint er lachend ’Also wenn wir mehr Zeit als drei Wochen hätten auf jeden Fall. Wir haben viel dazugelernt, denn wir haben sicher Fehler gemacht, die aber zum Glück gar nicht so aufgefallen sind. Ich denke, es war jeder begeistert. Wir würden es wieder machen, weil es einfach Straubing nach vorne bringt. Wir hatten ja auch ein Super-Presseecho.“ Das ist wohl wahr, denn sogar die russischen Medienkollegen zeigten sich damals beeindruckt.

Tschechien zum Länderspiel?

Doch dann hat Lermer noch eine Überraschung: ’Am Sonntag nach dem Turnier hatten wir noch eine Galaabend, dabei haben wir vom DEB die Frage gestellt bekommen, ob wir ein A-Länderspiel austragen wollen. Nach sehr kurzen Überlegungen haben wir zugesagt und nach guten Gesprächen mit dem DEB stehen die Chancen tatsächlich nicht schlecht. Angedacht ist ein Vorbereitungsspiel im April gegen Tschechien. “ Damit würde ein langgehegter Traum vieler Straubinger Fans in Erfüllung gehen.