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Viertelfinal-Showdown: Ein emotionaler RückblickGefühlsduseleien in Nürnberg

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ich hätte wetten sollen. Denn bereits vor dem Play-off-Start der Nürnberger am 8. März hatte ich im Gefühl: Das wird eine lange Serie. Ich freute mich auf das Duell Ice Tigers vs. Panther, das natürlich auch abseits des Eises stattfand. „Ich seh uns nach sechs Spielen weiter“, schätzte mein Augsburger Kollege die Serie ein, „wobei ein Sweep aber auch nett wäre.“ Natürlich. Ich dagegen vermutete, dass das Raubkatzen-Derby bis in die letzte Runde ginge. Was den Seriensieger betrifft, tippte ich allerdings sehr vorsichtig auf meine mittelfränkische Heimatstadt. Sicherlich galten die Ice Tigers, die in der Hauptrunde den dritten Tabellenplatz belegt hatten, als Favorit des Duells. Doch Mike Stewarts Truppe spielte eine „fantastische Saison“, was Ice-Tigers-Coach Rob Wilson erkannte – und anschließend eine sehr gute Play-off-Serie. Umso schmerzlicher war das Ausscheiden am Dienstag für die Panther und ihre Fans, während das Nürnberger Publikum jubelte und feierte.

„Tigers geben niemals auf!“

Vor rund 24 Stunden marschierten sie ins Halbfinale, die Ice Tigers. Dabei hatten einige Kollegen und Fans die Wilson-Truppe schon abgeschrieben. Nach der 1:5-Heimpleite gegen die Schwaben und deren 3:2-Serienführung vergangenen Freitag war auf den Rängen und Fluren der Arena zu hören: „Servus, wir sehen uns dann im August.“ Oder: „Egal gegen wen wir spielen, es wird einfach nix.“ Ja, die Klatsche sorgte für Unmut unter den Ice-Tigers-Anhängern. Aber nicht bei allen. Während sich die einen in Wut und Trauer suhlten und eishockeyferne Pläne schmiedeten, vertrauten die anderen ihren Jungs auf dem Eis und feuerten diese am Sonntag im Curt-Frenzel-Stadion an. „Tigers geben niemals auf!“, war in den sozialen Medien vermehrt zu lesen. Die Jetzt-erst-Recht-Stimmung war allgegenwärtig.

Ich gestehe: Ich war skeptisch. Zwar hielt ich einen Serienausgleich in Spiel sechs für möglich, das deutliche 3:0 überraschte mich dann aber doch. „Jaaaa!!!“, „Sieeeeeg!!!“, blitzte es im Sekundenrhythmus in meiner Facebook-Timeline auf. Ausrufezeichen sind manchmal eben doch Rudeltiere, die sich mit wütenden und weinenden Smileys der Fuggerstädter abwechselten. Das Gefühlschaos nahm seinen Lauf und erreichte am Dienstag schließlich seinen Höhepunkt. Als ich die Tribüne betrat, warf mir Kollege Meyer von den Eishockey News einen aussagekräftigen Blick zu, den ich mit einem Grinsen erwiderte. Am Freitag hatten wir noch überlegt, wie und bis wann wir uns verabschieden sollen. Nun gab es ein sehr frühes Wiedersehen – mit ihm und den Fuggerstädtern. „Dass ich euch heute noch mal in Nürnberg sehe“, begrüßte ich die Augsburger Kollegen, die mir mit Galgenhumor begegneten. Es ging um alles oder nichts. Hopp oder top? Wir kennen die Floskeln, die die Lage allerdings auf den Punkt brachten. Nicht nur die Teams auf dem Eis waren bereit. Auch das Publikum war es – bereit für den Viertelfinal-Showdown.

„Die Arena muss beben!“…

… brüllte vor Jahren der ehemalige Ice-Tigers-Trainer Greg Pross die Zuschauer an. Am Dienstag wackelte der Tigerkäfig erneut. Erst jubelten die Augsburger, Sekunden später die Nürnberger. Im zweiten Drittel feierten die Mittelfranken vorzeitig ihren Halbfinaleinzug. Dann „bissen und kratzten“ die Panther zurück, wie AEV-Coach Mike Stewart so schön sagte. Als Augsburgs Thomas Holzmann den Anschlusstreffer zum 3:4 für die Gäste erzielte, hielt das Heimpublikum die Luft an. Bloß nicht nachlässig werden und den Sieg herschenken! Die Gäste – auf den Rängen und dem Eis – waren plötzlich wieder hoch motiviert, bis der Nürnberger Marius Möchel den Sack zumachte: 5:3 für die Ice Tigers. Die Entscheidung war gefallen. Zugegeben: Eine Overtime hätte ich an diesem Dienstag auch nicht mehr ertragen.

Freud’, Leid und noch mehr Emotionen

Große Enttäuschung bei den Schwaben, die am Sonntag die Serie hätten beenden können. Jubel, Trubel, Heiterkeit auf der anderen Seite. Die Freude bei den Franken war riesig, als die Schlusssirene ertönte. Heimfans und -team rissen die Arme hoch. Brandon Prust und Thomas Sabo fielen sich in die Arme. Doch das Viertelfinale hinterließ auch seine Spuren. Während einige Zuschauer tief durchatmeten und kurz vor der Erschöpfung standen, beklatschten die Ice Tigers in der Ehrenrunde mit Blessuren ihre Anhängerschaft. Alle waren da. Auch die Verletzten Colten Teubert, Milan Jurcina und Leo Pföderl. Selbst Torjäger Yasin Ehliz, der im ersten Drittel vom Puck böse am Ohr getroffen wurde und ins Krankenhaus musste. Doch ein „Krieger“ kennt keinen Schmerz. Nun ja, vielleicht tut es ihm nicht ganz so weh. Etwas schwindelig sei dem Stürmer zwar gewesen. Mit einem Einsatz am Freitag im ersten Halbfinalspiel gegen Wolfsburg ist aber zu rechnen.

Wolfsburg? Richtig. Es geht gegen die Grizzlys – mal zur Abwechslung. Und es wird wieder emotional. Mit den Niedersachsen haben die Franken nämlich mindestens noch ein Hühnchen zu rupfen. Genau aus diesem Grund hoffte Martin Jiranek schon im Viertelfinale auf ein Duell mit der Truppe von Cheftrainer Pavel Gross. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. So heißt es für den Nürnberger Sportdirektor und die Ice Tigers eben jetzt: Revanche!

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