Eishockey News

Straubings Fanseele kochtDicke Luft in Niederbayern

Die Mannschaft steht bei den Fans der Straubing Tigers in der Kritik - und damit auch Manager Jason Dunham. (Foto: Sandra Wichmann)Die Mannschaft steht bei den Fans der Straubing Tigers in der Kritik - und damit auch Manager Jason Dunham. (Foto: Sandra Wichmann)
Lesedauer: ca. 6 Minuten

In sozialen Netzen und Foren geht es rund, denn der Anhang des Schlusslichtes sucht nach einem Schuldigen und Lösungen. Dabei finden sich so einige. Im Sommer setzte man noch große Stücke auf den Kader und nicht wenige waren der Meinung, dass das der beste Tigers-Kader aller Zeiten ist. Die blanken Zahlen sprechen nach 20 Spielen aber eine andere Sprache. Tabellenletzter, die wenigsten geschossenen Tore, die meisten Tore kassiert, das schwächste Powerplay und das drittschwächste Penaltykilling. Zudem sammelt man auch noch die meisten Strafen ein. Mit anderen Worten, es gibt eigentlich keinen Bereich, der den Fans richtig Mut machen kann. User Dunham_DGF fasst es so zusammen: „Stockletzter und das auch zu Recht! Eine Menge Geld ausgegeben, Torwart geholt, Trainer getauscht. Wenige Zuschauer und damit einiges weniger Geld reingeholt. Und es werden noch weniger. Ohne Typen, ohne Charakter, überfordert, unterirdisch. Das Schlimme ist, dass sie wohl meinen, sie sind gut.“

Stewart war das erste Opfer

Ein erster vermeintlicher Fehler wurde bereits korrigiert. Bill Stewart war nicht der erste Trainer, der in Straubing auf Geschwindigkeit gesetzt und sein System danach ausgerichtet hat. Auch der jetzige Nürnberger Coach Rob Wilson scheiterte mit diesem Plan. Der Fehler liegt einfach darin, dass Straubing nicht die Spieler für Hochgeschwindigkeitseishockey hat, für einen schnellen Konter ja, aber nicht für 60 Minuten Speed. Nicht umsonst holte Wilson einen Jesse Blacker an die Noris. Diesen ersten Fehler muss sich sicher Jason Dunham ankreiden lassen. Auch die Verpflichtung von Drew MacIntyre wird nicht rundum bejubelt. Viele hätten es lieber gesehen, wenn Dimitri Pätzold eine echte Chance bekommen hätte. Einen Goalie nach einem Shutout wieder auf die Bank zu setzten, ist schwer vermittelbar. Mit Tom Pokel hat man nun einen Coach, der sich nicht wirklich festlegen lässt, dass er sein erstes Augenmerk auf die Stabilisierung der Defensive legte, ist mehr als verständlich. Jetzt, wo etwas Luft ist, ist Pokel gefordert. K-Man umschreibt es so: „Jetzt ist Länderspielpause und unser neuer Trainer hat mal etwas Zeit, der Mannschaft neues Leben einzuhauchen. Ich würde sagen, das ist die letzte Chance. Nutzt man sie nicht, vergrault man endgültig die letzten Fans.“

Erste Früchte enden im Rückfall

Erste Ansätze sah man bereits und es klappte zunächst eigentlich auch ganz gut, vor allem wenn die Kürze seiner Amtszeit berücksichtigt. Er änderte das Spiel in der Verteidigung und zog den Center etwas weiter zurück und so in der neutralen Zone den Gegner besser abfangen zu können. Kamikaze-Eishockey lässt er mit den Tigers sicher nicht spielen. Doch im letzten Spiel vor der Länderspielpause hatten die Niederbayern einen heftigen Rückfall. Über 60 Minuten war man mindestens einen Schritt zu spät und wirkte auch gedanklich langsamer. Gunther Schachtner meint wütend: „Lächerlich! Gegen so eine Rumpftruppe (6 verletzte Spieler ,3 Reihen) kein Tor zu machen, ist auch eine Leistung.“ Und Albert Mühlbauer ist der Meinung: „Die sollten die Gehälter zurückzahlen müssen für diese Arbeitseinstellung.“ Auch einige Spieler bekommen ihren Faneinlauf, so zum Beispiel durch Michael Voll: „Ein Edwards ein Yeo! Da fragst dich echt, sind die nur zum Kinderkriegen hergekommen!? Der Brandl wäre lieber Topmodel als Eishockeyspieler.“

Die Fananalyse

User Tiger-Joe hat eine klare Meinung: „Krefeld-Sieg hochverdient – KEV insgesamt mindestens eine Klasse besser – beschämender Auftritt unseres Teams beim Vorletzten.“ Harald Schmid analysiert aus seiner Sicht: „Keine Leistung, kein Kampfeswille, kein Dagegenhalten. Schämt euch!“ Jochen Stelzl ist derselben Meinung: „Null Einstellung! Null Einsatzbereitschaft! Wir stehen in der Tabelle ganz genau da, wo wir auch hingehören. Traurig.“ Und Michael Voll redet dem Team ins Gewissen: „Ich war noch nie so enttäuscht von einem Straubinger Eishockeyteam wie heuer! Verlieren kann man mit Anstand oder ebenso wie Ihr!  Es kann einem jeder, vom Ordner bis zum Geldgeber nur leidtun! Jeder innerhalb der Organisation gibt alles, um Eishockey in Straubing möglich zu machen, außer unsere Prinzessinnen am Eis! Geht es Euch zu gut bei uns? Anscheinend! Ich bin mehr als nur enttäuscht von diesem sogenannten Team!“ Rowland DeMio Rolli ist bitter enttäuscht: „Das heutige Spiel hat es wieder deutlich gezeigt, diese Mannschaft ist in der aktuellen Verfassung nicht DEL-tauglich. Ich befürchte, das wird die schlechteste Saison seit DEL-Zugehörigkeit. Das Team (Mannschaft und auch der sportliche Leiter) hat es jetzt tatsächlich geschafft, mir als Dauerkartenbesitzer (seit 16 Jahren) die Freude an dieser Sportart immer mehr zu nehmen. Hätte nie gedacht, dass das jemals passieren könnten. Fazit: nächste Saison definitiv keine Dauerkarte mehr.“ Stimmen wie die von Rainer Zufall sind die große Ausnahme: „Nach wie vor glaube ich, dass die Mannschaft vom Talent her nicht schlecht ist. Was fehlt ist der Wille.“ Doch es gibt sie noch, Fans wie Hans Fehrmann: „Unverständlich und enttäuschend: Trotzdem: Einmal Tigers-Fan, immer Tigers-Fan!“

Der Fan schafft an

Dazu kommt noch ein etwas verwirrendes Interview von Geschäftsführerin Gaby Sennebogen, bei dem sie sagte: „Wenn die den Trainer nicht mehr haben wollen, dann machen die das lautstark kund. Was willst du dann machen?“ Und weiter: „Wenn´s nicht läuft, im Endeffekt entscheidet das Publikum.“ Ja, die Fans forderten den Trainerwechsel – bei einem Spiel. Und auch der Druck aus den Medien war nicht so groß wie vergangene Saison gegen Larry Mitchell – und an ihm hielt man fest. Nein, der Fan schafft nicht an, sonst würde Red Bull und andere Investoren aus der Liga verbannt und es würde Auf- und Abstieg geben. Die Leberkäsesemmel und das Bier wären ebenso billiger wie die Eintrittspreise. Multifunktionshallen wären verboten, aber Straubing hätte eine zweite Eisfläche. Der Spieltag wäre nicht zerstückelt und Eishockey wäre ein fester Bestandteil der ARD-Sportschau und des aktuellen Sportstudios im ZDF, zudem würde es eine wöchentliche Talkrunde auf Sport1 geben. Und wenn der Fan doch anschafft, müsste nun Jason Dunham gehen.

Kritik am Manager

Denn die Kritik an dem 47-jährigen Kanadier nimmt in sozialen Netzen und Foren spürbar zu. So schreibt zum Beispiel Dietl Heinz: „So lang Herr Dunham das sportliche Sagen hat, wird sich nix, rein gar nix ändern.“ EHC_SR stößt in dasselbe Horn: „Für mich ist eins klar, Dunham darf nächste Saison kein Thema mehr sein! Ich hoffe, es wird dann jemand machen, der Ahnung davon hat!“ Frustriert schreibt Thomas Pöschl: „Langsam muss man auch Dunham infrage stellen! Anstatt der lustlosen Truppe in den Arsch zu treten, holt er einen neuen Torwart und wechselt den Trainer! Aber warum durfte dann Leask bleiben? Der Verlierer ist ganz klar Dimitri gewesen, der für mich unverständlich, vom Eis auf die Tribüne musste. Warum?“ Und ein User namens kerndl findet: „Wir benötigen dringend frisches Blut, vor allem im Management. Auch wenn ein Hr. Dunham bereits Fehler eingestanden hat, relativ schnell, vielleicht aber auch zu schnell gehandelt hat (Koper, MacIntyre), sollte er endlich die Eier haben und von sich aus den Hut zu nehmen.“ Immerhin hält Michael Voll noch zum Manager: „Alle sind die besten Trainer und Manager, so lang es gut läuft! In schlechten Zeiten ist dann alles vergessen! Habt ihr zum Beispiel noch in Erinnerung, dass Jason Dunham sogar schon zum Manager der Saison gewählt worden ist!? Aber klar, wenn es läuft wird das als selbstverständlich angesehen, wenn nicht, sind alle Entscheidungsträger inkompetent! Damals hatte Jason Angebote von vielen Clubs und er hat uns trotz schlechterem Angebot die Stange gehalten! Ich finde er hat es nicht verdient, ihn jetzt so an den Pranger zu stellen.“