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Sebastian Osterloh – seit einem Jahr veganThe „Vegan Warrior“ (2/2)

Fortsetzung von Teil 1:

Die Entscheidung, vegan zu essen und zu leben, stieß weder bei den Ärzten noch bei den Trainern der Tigers negativ auf: „Am Anfang haben die sich natürlich ihre Gedanken gemacht und sie haben gesagt, dass, wenn ich mich nicht gut fühle, ich sofort was sagen soll. Es gab aber niemanden, der gesagt hat, das ist schlecht und ich darf das nicht.“

Nicht nur er selbst, sondern auch die Familie ist umgeschwenkt: „Wenn ich zu Hause esse, kocht meine Frau Mona vegan. Die Kinder essen das auch mit. Gemüse ist bei meinem Sohn immer etwas schwierig.“ Wer kennt das nicht? „Aber püriert geht dann alles. In der Schule, in der Mittagsbetreuung gibt es dann halt mal Chicken Nuggets oder so, darüber bin ich zwar nicht glücklich, aber es ist halt so. Ich mache meinen Kindern immer bewusst, wo es herkommt und dass die Tiere mit Sicherheit nicht freiwillig gestorben sind. Da schauen sie dann schon immer traurig und machen sich ihre Gedanken. Aber ich sage nicht, dass sie irgendwas nicht essen dürfen, da müssen sie selber drauf kommen.“

Doch wie ist das bei den Auswärtsspielen? Normalerweise gehen die Spieler nach der Partie in den VIP-Raum der Heimmannschaft, um dort zu essen, oder man lässt etwas von einem Lieferdienst in die Kabine kommen. „Bei den Auswärtsfahren habe ich tatsächlich meinen großen Stoffbeutel dabei. Ich habe immer meine Tupper-Box dabei. Ehrlich gesagt ist es für mich sehr schwierig, im VIP-Raum etwas zu essen.“

Hört sich aufwendig an. Auch ansonsten ist die verbreitete Meinung, dass vegane Ernährung teuer und aufwendig ist. Kochbuchautor Attila Hildmann (Vegan for fun, Vegan for fit) sagte auf diese Frage in einem Interview mit der SZ: „Nein. Ich glaube, dass 99 Prozent zu einem veganen Gericht greifen würden, wenn sie das Gefühl hätten, es sei einfach.“ Auch Osterloh hält dagegen: „Würde ich nicht sagen. Ich würde sagen, dass es gleich bleibt. Es ist definitiv nicht teurer. Man muss halt schauen, wo man einkaufen geht. Aber es dauert schon seine Zeit, bis man sozusagen drin ist. Am Anfang war ich auch etwas überfordert und wusste auch nicht so recht, wo ich hingehen soll.“

Auch in Lokalen essen gehen ist kein Problem: „Die Leute stellen sich das immer so kompliziert vor, aber im Endeffekt kann ich problemlos zum Beispiel zum Italiener. Die haben im Normalfall Hartweizennudeln. Da kann ich Spaghetti mit Tomatensoße essen. Gemischter Salat, Anti Pasti, usw., also ich finde auf jeden Fall etwas.“ In einem Straubinger Lokal gibt es inzwischen sogar ein Menü von Sebastian Osterloh namens „Osti´s grüne Geiss“.

Und wenn es nicht ins Restaurant geht, wird zu Hause gekocht: „Wir haben natürlich auch Kochbücher, aus denen wir ab und zu Rezepte kochen, aber wenn ich zu Hause koche, bin ich eher der Freestyler.“

Veganern wird nachgesagt, das sie an Vitamin-B12-Mangel leiden. Doch auch dieses Argument kann der Leistungssportler entkräften: „Es ist nachgewiesen, dass im Fleisch heutzutage so viele Antibiotika und andere Schadstoffe sind, dass vom Vitamin B12 gar nichts mehr drin ist, deshalb ist zu empfehlen, dass jeder Vitamin B12 als Zusatz nimmt. B12 wird den Tieren ins Futter gemischt. Aber das minderwertige Cyanocobalamin B12. Lieber das hochwertige Methylcobalamin B12 selbst nehmen, als den Umweg über das Tier zu gehen. Man schluckt ja das Tier, das wiederum selbst mit dem unfertigen B12 gefüttert wurde.“

All das geht Sebastian Osterloh immer noch nicht weit genug. Er hat die Initiative ergriffen und mit Aleksandra Keleman eine Facebook-Gruppe eröffnet. Unter „Top Athletes Vegan“ findet ein reger Austausch statt. Im Grußwort der Gruppe schreibt Sebastian Osterloh von seiner Wahrnehmung bei der Umstellung: „Hi Veggies, hier ein kleiner Einblick zu meiner Veganisierung. Lebe jetzt seit vier Wochen zu 100 Prozent vegan, habe mich noch nie zuvor so gut gefühlt! Ich hätte es mir schwieriger vorgestellt, da ich ein absoluter Fleischfresser war! Nach zirka drei Tagen hatte ich einen ziemlichen Durchhänger, konnte mich auf nichts mehr fokussieren und habe Schweißausbrüche bekommen. Das hat mich erstmal ziemlich verunsichert, aber schon ein paar Tage später hat sich mein Körper an die Umstellung gewöhnt.“

In der Gruppe sind inzwischen über 1.600 Profi- und Freizeitsportler zusammengeschlossen. Aber auch Sportwissenschaftler, Sportlehrer sowie Fitnesstrainer und Personal Coaches. Aber auch Menschen wie du und ich. Es sind nicht alles Veganer, aber zumindest Sportler die sich damit und mit ihrer Ernährung auseinandersetzten. Darunter sind unter anderem die Eishockeyspieler Marcel Brandt (Düsseldorfer EG), Jerome Flaake (Hamburg Freezers), Daniel Pietta (Krefeld Pinguine), Philipp Grubauer (Washington Capitals), Christian Künast (DEB-U20-Bundestrainer), Max Meirandres (Starbulls Rosenheim), Christoph Ullmann (Adler Mannheim), Dennis Seidenberg (Boston Bruins). Aber auch andere Sportler wie Ursula Holl (Ex-Fußball-Nationaltorhüterin, Torwarttrainerin Bayer 04 Leverkusen), Mark Warnecke (Ex-Schwimmer), Thomas Brdaric (Ex-Fußballspieler, Fußballtrainer), Carsten Lichtlein (Handballtorwart), Mats Hummels (Borussia Dortmund), Andre Schubert (Trainer Borussia Mönchengladbach), Stefan Schnoor (Ex-Fußballspieler), Niko Bungert (FSV Mainz 05), Alexander Esswein (FC Augsburg), Marc Jurczyk (Bahnradfahrer), Felix Sturm (Boxer).

Auch in der Straubinger Kabine hat Osterloh Verbündete, „die sich Gedanken machen. Zum Beispiel Tommy Brandl. Er ist jetzt kein Veganer, aber er macht sich schon seine Gedanken und hat auch schon Fleisch und Milchprodukte reduziert. Es ist schon der erste Schritt, wenn man sich dazu Gedanken macht.“

Es gibt inzwischen viele Sportler, die tatsächlich vegan leben. Ein paar Beispiele sind Markus Kuhn (New York Giants, NFL), Christopher Fischer (Adler Mannheim) lebt seit Jahren vegan, David Haye (Boxer), Dennis Rodman (Ex-Basketballer), Jean-Claude van Damme (Schauspieler), Brendan Brazier (Iron Man Profi) oder Michael Griesmeier (Ultralangstreckenläufer, 150-km-Marathon). Auch Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks/NBA) achtet auf seine Ernährung und verzichtet seit Jahren auf Milch und Milchprodukte.

Für Osterloh ist der vegane Lebensstil weit mehr als eine Modeerscheinung: „Ich denke, das wird sich immer mehr durchsetzen. Es gibt immer mehr Spitzensportler, die sich vegan ernähren. Seitdem ich vegan lebe, bin ich ein anderer Mensch. Ich habe eine andere Sichtweise. Natürlich weiß man, dass man alleine die Welt nicht retten kann, so zu denken wäre ja Blödsinn. Aber man weiß, wenn jeder ein bisschen was Gutes macht oder einen Schritt vorwärts geht, dass sich das zu etwas Gutem entwickeln kann. Das gibt mir und meiner Frau Motivation. Ich bin fest davon überzeugt, dass Veganer gesünder leben.“