Pre-Play-offs 2018: Eine Serie für Statistiker und ein Duell der „Nordamerika 1c-Teams“

von Holger Neumann, Mittwoch 7. März 2018, Lesedauer: ca. 3 Minuten

Die Fischtown Pinguins haben sich auch im zweiten Jahr ihrer Ligenzugehörigkeit für die Play-offs qualifiziert. (hockeyweb - ISPFD / IPD UG)

Im Duell der Grizzlys Wolfsburg gegen die Schwenninger Wild Wings zeigen die Saison-Statistiken einerseits deutlich in Richtung der Grizzlys Wolfsburg, andererseits steht die „Season Series“ ausgeglichen. In der Serie Iserlohn Roosters gegen Bremerhaven treffen zwei sehr ausgeglichene Teams aufeinander.

Es könnte eine spannende, vielleicht sogar dramatische Serie werden zwischen Wolfsburg und Schwenningen, denn die beiden Teams trennen zwar drei Plätze, aber nur zwei Punkte in der Abschlusstabelle der Deutschen Eishockey Liga. Wolfsburg hat in der Hauptrunde 30 Tore mehr geschossen als Schwenningen (153 gegenüber 123), allerdings auch 16 Tore mehr kassiert (146 gegenüber 130), dennoch gehen die Niedersachsen im Gegensatz zu den Schwarzwäldern mit einer positiven Tordifferenz in diese Best Of Three-Serie, in der wegen ihrer Kürze – Obacht, Floskel! – alles passieren kann, zumal der Saisonvergleich beider Teams exakt gleich steht: Beide Teams haben je zwei Spiele gewonnen, davon jeweils ein Heim- und ein Auswärtsspiel.

Ein wichtiger Faktor in den Play-offs sind die Special Teams. Hier liegt der Vizemeister der letzten beiden Jahre klar vorn: Das Powerplay ist mit einer Erfolgsquote von 18,2 Prozent das siebtbeste der Liga, das Unterzahlspiel mit einer Quote von fast 87 Prozent sogar das drittbeste der DEL. Die Wild Wings, die erstmals seit 20 Jahren wieder ein Play-off-Spiel in der Deutschlands höchster Spielklasse bestreiten, liegen in diesen beiden Kategorien auf den Plätzen 14 (Powerplay) und 9 (Unterzahl). Vorteil Schwenningen: Sie waren das fairste Team der Liga und haben 90 Strafminuten weniger kassiert als die Wolfsburger, die allerdings auch wenig Zeit auf der Strafbank verbracht haben. Bemerkenswert: Topscorer der Grizzlys ist Verteidiger Jeremy Dehner mit 34 Punkten, auch weil Spitzenkräfte der Grizzlys wie Tyler Haskins, Mark Voakes und Kris Foucault jeweils rund 15 Spiele verpasst haben im Laufe der Saison. Für Gerrit Fauser, Silber-Held von Pyeongchang, ist die Saison wegen einer Schulterverletzung ohnehin beendet. Bester Punktesammler der Schwenninger ist Scoring-Maschine Will Acton mit 48 Zählern. Auf der Torwartposition haben die Wild Wings Nase vorn: Dustin Strahlmeier ist insbesondere bei der Fangquote einer der besten Keeper der Liga, das Duo der Niedersachsen, Gerald Kuhn und vor allem Felix Brückmann, liegt deutlich dahinter.


Einen großen Vorteil – neben dem Heimrecht – haben die Wolfsburger: In den letzten beiden Jahren haben sie zahlreiche Play-off-Schlachten ausgetragen und sich zweimal hintereinander bis ins Finale gekämpft, zudem haben Spieler wie Jeremy Dehner, Jimmy Sharrow, Sebastian Furchner, Tyson Mulock und Alexander Weiß einige Meisterschaften mit ihren ehemaligen Clubs gewonnen. Das haben auf Schwenninger Seite beispielsweise auch Uli Maurer und Tobias Wörle geschafft, dennoch geht die Wertung Play-off-Erfahrung deutlich an die Niedersachsen.

Hockeyweb-Prognose:

Wolfsburg setzt sich – trotz des leichten Abwärtstrends zum Ende der Hauptrunde nach dem vermeldeten Abschied von Pavel Gross am Saisonende – in zwei knappen Spielen durch.

Iserlohn gegen Bremerhaven: Duell der „Nordamerika 1c-Teams“

Noch enger geht es in der Paarung Bremerhaven gegen Iserlohn zu. Beide Mannschaften sind in der Abschlusstabelle der Hauptrunde nur durch einen Punkt getrennt und haben auch sonst einiges gemeinsam: So sind sie die Mannschaften mit den meisten im Ausland geborenen Spielern im Kader, zu Saisonbeginn waren es 17 Akteure bei den Sauerländern und gar 20 Profis bei den Norddeutschen. Und sie haben einen durchaus kurvenreichen Saisonverlauf hinter sich: Während sich die Roosters nach einem Katastrophen-Start, der schließlich auch zur Trennung von Cheftrainer Jari Pasanen führte, unter dem neuen Coach Rob Daum stabilisiert haben und zwischenzeitlich sogar unter den ersten Sechs standen, haben die Bremerhavener nach einer erneut starken Saison, in der sie ebenfalls von der direkten Play-off-Qualifikation träumen durften, ein wenig den Faden verloren und müssen sich nun mit den Pre-Play-offs begnügen. Dennoch dürfte die auf beiden Seiten groß sein: Iserlohn hat seine Saison gerettet und nun noch die Chance auf das Viertelfinale, Bremerhaven steht als Neuling das zweite Mal hintereinander in der Endrunde.

Beide Mannschaften bestechen vor allem durch ihre Geschlossenheit: Gleich ein Dutzend Spieler der Pinguins hat 20 Punkte oder mehr in dieser Saison erzielt. Auch bei Roosters haben dies neun Spieler geschafft. In den Special Teams hat das Team von der Nordseeküste knapp die Nase vorn, bei den Torhütern weist Iserlohns Matthias Lange eine um rund 0,5 Prozent bessere Fangquote auf als sein Pendant Tomas Pöpperle, der vor einigen Jahren Deutscher Meister mit den Eisbären Berlin geworden ist. Je nach dem Ausgang der ersten Runde kann im Viertelfinale Pöpperles Ex-Team auf die Pinguins warten.

Besonders interessant dürfte die Serie für Iserlohns Jack Combs werden: Der US-Amerikanische Top-Torjäger der vergangenen DEL-Saison wechselte im Sommer von Bremerhaven zu den Iserlohn Roosters, wo er auch im ersten Jahr bester Torschütze war, dieses Mal allerdings „nur“ teamintern mit 22 Treffern. Bremerhavens Topscorer Jan Urbas hat nur ein Tor weniger erzielt – insofern herrscht also auch hier quasi Gleichstand.

Hockeyweb-Prognose

In einer sehr engen Serie setzen sich die Iserlohn Roosters durch, weil sie den Heimvorteil nutzen.