Einen wie Detlef Langemann könnten die Kölner Haie derzeit gut gebrauchen. Jemand mit Herzblut. Ein waschechter Kölner. Einer, der weiß, wo das Tor steht. Wie oft Langemann, der wohl eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Haie-Geschichte ist, tatsächlich getroffen hat, ist nicht so ganz klar. In aktuellen Haie-Meldungen, bei den Angaben auf der Homepage der Haie-Traditionsmannschaft und im Buch „Als die Haie beißen lernten“ aus dem Jahr 1978 – Langemann: „Das beste Buch über die Haie“ – sind meist nur Annäherungswerte angegeben. Der Mann, der es wissen muss, sagt selbst: „Es waren über 600 Spiele und über 300 Tore.“
Wenn am Dienstag die Kölner Haie und die Düsseldorfer EG Metro Stars zum rheinischen Derby aufeinandertreffen, wird Langemann geehrt. Was lange währt, wird also endlich gut. Aber es passt ja auch. Der Eissport, das Eishockey in Köln ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden – die Haie werden im kommenden Jahr 40.
Und gerade das ist ein Meilenstein, an dem Detlef Langemann maßgeblichen Anteil hat. Neben Verteidiger Günter Peters und Torhüter Dieter Horky war „Della“, wie er damals genannt wurde, maßgeblich an der Loslösung des KEC aus dem „Mutterverein“ Kölner EK beteiligt. Der KEK, der heute noch existiert, ist ein Großverein mit allen Eissportarten – und damals eben auch Eishockey. Vor dem Krieg machte der Verein seine ersten Gehversuche. Für das Kriegsjahr 1940 werden aber beispielsweise nur Freundschaftsspiele angegeben. Gegen eine US-Auswahl. Oder auch gegen Studentenweltmeister Ungarn. 1941 trat Köln erstmals national ins Eishockeygeschehen – weil in der Domstadt das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft stattfand, das der SC Riessersee mit 2:1 gegen den LTTC Rot-Weiß Berlin mit 2:1 gewann.
Als zu BRD-Zeiten der Ligenbetrieb geordneter wurde, spielte der KEK oft nur eine untergeordnete Rolle. 1948 gelang dem Eis-Klub die Qualifikation für die neue Oberliga, der damals höchsten Spielklasse, aus der der KEK 1951 wieder abstieg. 1956 gelang der Wiederaufstieg, die Qualifikation für die erste Bundesliga-Saison 1958/59 verpasste der Verein allerdings, dümpelte meist zwischen Ober- und Gruppenliga (der späteren Regionalliga) herum. Der Klassenerhalt in der zweitklassigen Oberliga gelang zweimal gar nur durch die Aufstockung der Spielklasse. 1969/70 spielte der KEK für ein Jahr in der Bundesliga. Das war es dann aber auch schon.
„Es ging ja auch darum, die anderen Abteilungen vor dem finanziellen Risiko zu schützen“, sagt Langemann, wenn er heute an das Jahr 1971 zurückdenkt, in dem der Wille zur Abspaltung reifte und ein Jahr später umgesetzt wurde. Aber es waren eben auch die Spieler von einst, die mehr wollten, als die KEK-Führung zuließ. Der Streit darüber veranlasste Langemann gemeinsam mit Zwillingsbruder Dieter 1970 zum Wechsel zu Preußen Krefeld. Doch schon ein Jahr später kehrte er zurück. Im August 1971 fand die Abteilungsversammlung statt, bei der die Gründung des Kölner EC beschlossen wurde. Im April 1972 wurde sie von der Gesamtversammlung des KEK bestätigt. Die Gründungsversammlung des Kölner EC „Die Haie“ fand schließlich am 10. August 1972 statt.
Dass sich Spieler wie Detlef Langemann so aktiv an Vereinsinteressen beteiligt haben, erscheint heute ungewöhnlich. Schon damals nannten ihn die Autoren von „Als die Haie beißen lernten“ den „unbequemen Star“. Darin schwang aber eine gehörige Portion Respekt mit. Detlef Langemann galt als jemand, der nicht nur auf dem Eis ein Star war, sondern auch als jemand, der klar seine Meinung vertritt. „Ich bin auch heute noch der Meinung, dass ein guter Trainer auf die Meinung seiner Spieler hört und versucht, ihre Vorschläge einzubinden. Wenn es dann nicht klappt, kann man es ja wieder ändern.“ Langemann weiter: „Zum Erfolg gehört ein kompetenter Vorstand und eine hungrige Mannschaft. Ganz einfach.“
Der Weg zum Eishockey war für jemanden, der an sich dem Fußball und der Leichtathletik nahe stand, kurios. „Wir haben damals als Jungs immer auf dem Blücherpark-Weiher Eishockey gespielt“, erinnert sich Langemann. Irgendwann lief KEK-Verteidiger Rainer Manstetten vorbei und entdeckte die Langemann-Brüder für den KEK-Nachwuchs. „Wir wussten damals gar nicht, dass es einen Eishockeyverein in Köln und das Eisstadion an der Lentstraße gab“, bekennt Detlef Langemann. „Für uns Jungs spielte sich alles rund um den 1. FC Köln ab.“ Doch schon mit 16 spielte Langemann erstmals für die erste Mannschaft – am 3. Januar 1964 gegen die SG Nürnberg.
Warum hat es ein Spieler, von dem die Autoren von „Als die Haie beißen lernten“ ausgingen, dass er gar mindestens 500 Tore geschossen hat, nie nie in die A-Nationalmannschaft geschafft? „Nun ich habe einige Male in der Olympia-Auswahl gespielt. Aber die Nationalmannschaft war bayrisch geprägt. Da kam man nur ungeheuer schwierig rein. Damals dachte man in Bayern, man hätte dort das Eishockey erfunden.“
Sportlich war die Loslösung aus dem KEK ein voller Erfolg. 1977 gelang dem KEC die erste Meisterschaft. „Da mussten Spieler wie Alois Schloder schön schlucken“, sagt Langemann mit einem Augenzwinkern. Noch einmal, 1979, gewann er mit den Haien die Meisterschaft, ehe er im gleichen Jahr aufhörte. „Ich habe als Freundschaftsdienst dann noch für Heilbronn gespielt, aber das taucht heute in kaum einer Statistik auf.“ Danach wurde er Nachwuchstrainer. Denn sein Verein, das sind die Haie.
Warum die Haie Haie heißen, weiß er auch. Bei der Trennung vom KEK forderte das Amtsgericht eine klarere Unterscheidung. Wikinger, Germanen, Ubier, Tiger, Löwen. All das war im Gespräch. „Wir haben halt nach Nordamerika geschaut.“ Und Sharks gefiel den meisten. Haie also. Wer die Idee dazu hatte? „Ich bin mir recht sicher, dass es Dieter Horky war. Er hat auch das erste Logo entworfen. Er war ein Künstler, ein ganz Kreativer.“
In jedem Fall wird Detlef Langemanns „14“ künftig beim KEC nie mehr vergeben. Und eines steht fest: Der Mann hat es verdient.






















