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Marko Friedrich: Er hat mich dann "schlechter Gretzky" geschimpft.Marko Friedrich von den Iserlohn Roosters im Interview

Marko Friedrich hat sich in der letzten Saison im Kader der Roosters etabliert. (Foto: Imago)Marko Friedrich hat sich in der letzten Saison im Kader der Roosters etabliert. (Foto: Imago)

Hockeyweb: Herr Friedrich, vielen Dank für Ihre Zeit. Verraten Sie unseren Lesern doch bitte wie Sie zum Eishockeysport gekommen sind?

Marko Friedrich: Eishockey war schon immer groß in unserer Familie. Mein Vater hat früher schon Eishockey gespielt, auch bis zur zweiten Liga hoch (u.a. für den EHC Nürnberg, Anm. d. Red.). Mein Cousin ist ebenfalls Eishockeyprofi, von daher bin ich schon sehr früh mit dem Eishockeysport in Kontakt gekommen.

Sie sind vor der Saison 2014/15 nach Iserlohn gewechselt, warum haben Sie sich für die Roosters entschieden? Was fasziniert Sie an dem Standort?

Die Entscheidung für Iserlohn ist damals gefallen, weil Karsten Mende sich am meisten aller DEL-Clubs um mich bemüht hat. Ich hatte damals fünf Optionen und Karsten war zur Stelle. Er ist damals mehrfach nach Ravensburg runter gekommen, hat persönliche Gespräche mit mir geführt und hat mir live bei meinen Spiele zugeschaut. Das alles hat mir das Gefühl vermittelt, dass ich mich hier wohlfühlen kann und daher habe ich mich für Iserlohn entschieden.

Wie sehen Sie selbst Ihre Rolle im Kader der Iserlohn Roosters?

Gute Frage (lacht). Ich bin immer zwischen der vierten und dritten Reihe. Die Rolle ist klar definiert: Hart arbeiten, Strafen rausholen, keine Gegentore fressen und nach Möglichkeit offensiv etwas kreieren.

Wo sehen Sie persönlich Ihre Stärken und Ihre Schwächen auf dem Eis?

Ich würde sagen, dass das Skating - also meine Geschwindigkeit auf dem Eis - eine meiner Stärken ist. Offensiveishockey ist das, was mich ausmacht. Ich bin nicht der geborene Fighter oder Defensivspezialist und das würde ich dann auch als Schwäche benennen. Körperbetontes Hockey, Schläger rein oder Checks fahren, liegt mir noch nicht so, daran kann und werde ich noch arbeiten.

Was trauen Sie den Roosters in diesem Jahr zu?

Die Messlatte liegt wieder sehr hoch. Wir wollen wieder erfolgreiches Eishockey spielen, das ist natürlich nicht ganz so einfach nach der letzten Saison. Letztes Jahr lief, bis auf die Playoffs, fast alles reibungslos. Wir haben wieder eine sehr interessante Mannschaft. Es wird noch ein bisschen dauern bis wir uns alle finden, aber ich denke, wir werden wieder eine konkurrenzfähige Truppe haben.

Ihr Trainer hat sich nach den ersten zwei Spielen (nur ein Punkt aus den ersten beiden Spielen) ungewöhnlich offensiv in der Presse geäußert, wie sieht die Mannschaft diese deutlichen Worte?

Persönlich habe ich das gar nicht mitbekommen, wie er sich da geäußert hat. Was in den Medien geschrieben wird, verfolgen wir aber auch nicht wirklich. Für uns ist nur wichtig, was er vor der Mannschaft oder unter vier Augen sagt. Da ist er natürlich auch in die Kritik gegangen, was völlig legitim ist, weil es natürlich blöde Sachen waren, die letztes Wochenende passiert sind.

Ihr Spitzname lautet „Schnetz“. Gibt es dazu eine Geschichte?

(lacht) Ja, die gibt es wirklich. Der Spitzname ist in meinem ersten Jahr in Ravensburg entstanden, in der zweiten Liga damals. Peter Draisaitl war zu der Zeit mein Trainer und ich als Jungspund hab damals etwas zu viel gezockt im Training. Dann sind bei ihm die Emotionen etwas hochgekocht und er hat mich dann „schlechter Gretzky“ geschimpft. Daraus wurde dann „Schnetzky“ und die Kurzform lautet jetzt „Schnetz“.

Wie würden Sie sich persönlich beschreiben?

Ich würde mich als ruhigen, nachdenklichen Zeitgenossen beschreiben. Ich bin eigentlich immer gut drauf, das macht mich aus.

Wie schalten Sie nach einem Spiel ab? Wo trifft man Sie außerhalb der Eishalle an?

Mit „ner Halben“ (lacht). Nein ernsthaft, das ist sehr unterschiedlich. Manchmal dauert es sehr lang. Dann komme ich nach Hause und kann die halbe Nacht nicht schlafen, weil es mich nicht loslässt was im Spiel passiert ist. Dann wiederum gibt es Tage an denen ich zufrieden bin und das Spiel mit der Schlusssirene auch im Kopf beende. Leidenschaften habe ich eigentlich sehr viele, aber während der Saison trifft man mich eigentlich sehr häufig in der Stadt an. Im „Romys“ (Fankneipe in Iserlohn, Anm. d. Red.) bin ich fast täglich.

Mit wem aus dem Team verbringen Sie neben dem Eis die meiste Zeit?

Mathias Lange. Wir machen täglich was. Er war auch meine erste Bezugsperson, weil wir uns schon aus der Zeit in Ravensburg kannten und damals zusammen den Titel geholt haben.

Sind dann auch Videospiele wie NHL 17 ein Thema? Welche Rolle spielt das Thema Zocken in der Kabine?

NHL 17 habe ich noch nicht. Wir haben das bei der Stars & Skills Challenge bekommen, ich musste es aber abgeben. Grundsätzlich bin ich aber eher der Ego-Shooter Typ, wie Call of Duty. Generell haben wir aber einige im Team die zocken - Marcel Kahle, Dieter Orendorz oder auch Brad Ross sogar Jaspers und die alten Jungs zocken. Ganz groß im Business - wie man so schön sagt sind aber zwei unserer Betreuer.

Wenn Sie nicht Eishockeyprofi geworden wären, welche Weg hätten Sie dann eingeschlagen?

Das ist wirklich eine schwere Frage, weil ich mir darüber nie Gedanken gemacht habe. Für mich war von klein auf klar, dass ich Eishockeyprofi werden möchte und ich bin überglücklich, dass ich die Chance bekommen habe, damit mein Geld verdienen zu dürfen.

Wer war oder ist Ihr Vorbild?

Mein Vater – schon immer!

Was würden Sie anderen jungen Nachwuchsspielern raten, die ähnlich wie Sie, den Sprung in die DEL schaffen möchten?

Die Hauptaspekte sind Selbstdisziplin und harte Arbeit. Man muss seinen Traum leben und jeden Tag hart dafür arbeiten. Man muss offen sein und jeden Trainingstipp annehmen.

Die Eishalle am Seilersee gilt als eine der lautesten in der DEL. Können Sie das Gefühl beschreiben, wenn Sie das Eis betreten, oder sind Sie so im Fokus und nehmen das nicht wahr?

Die Stimmung ist hier wirklich faszinierend, jedes Spiel ist immer ein Gänsehaut-Moment für uns Spieler wenn wir aufs Eis kommen. Das pusht uns enorm. Was sich auch meistens in den ersten zehn Minuten verdeutlicht, wie wir aus der Kabine kommen und der Gegner Probleme hat überhaupt ins Spiel zu kommen. Oft können wir dann schon frühe Tore erzielen, was natürlich einen enormen Vorteil für uns bringt. Auch die Choreografien nehmen wir wahr, insbesondere die Spieler die nicht in der Starting Six stehen. Ich seh das immer und schau dann rüber, das ist immer ganz nett.

Gibt es Erwartungen die Spieler an Ihre Fans richten? Zum Beispiel die gestiegene Erwartungshaltung rund um den Seilersee nach der letzten Saison?

Stimmungstechnisch sind unsere Erwartungen immer mehr als erfüllt. Die Fans stehen immer hinter uns, da gibt es gar nichts zu meckern. Was die gestiegene Erwartungshaltung angeht, der sind wir uns natürlich bewusst. Auch wir wollen den nächsten Schritt machen, aber man darf nicht vergessen, dass die Liga sehr eng ist und auch die restlichen Vereine Ihre Hausaufgabe machen. Von daher werden die Karten jedes Jahr neu gemischt, es ist kein Selbstläufer, dass wir heuer wieder oben stehen werden. Ich denke, es ist jedem geholfen, wenn der Druck nicht zu groß ist.

Mit Ravensburg haben Sie in der DEL2 den Titel geholt. Ist das Ihr größer sportlicher Erfolg bisher?

Ja. Das war ein unvergesslicher Moment und ich hoffe, dass ich so etwas in der DEL auch erreichen kann.

Abschließend haben wir noch drei Kurzfragen vorbereitet:

Wer war Ihr unangenehmster Gegenspieler bisher?

Tim Conboy und David Wolf

Wer war Ihr bisher bester Mitspieler auf dem Eis?

Mike York

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Lache jeden Tag und genieße das Leben.