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Iserlohn und seine kanadische "1c-Nationalmannschaft"Kommentar zum Ausbruch Moritz Müllers

Moritz Müller wollte mit seinem Faustkampf gegen Colton Teubert von den Iserlohn Roosters seine Mitspieler aufrütteln. Ihm gefiel die Leistung seiner Kölner Haie nicht – an diesem und wohl auch den vorherigen Abenden nicht. Doch mit seinem Interview für ServusTV rüttelte er nicht nur einige Mitspieler auf, er trat regelrecht eine Lawine los. Nur wenige Minuten nach diesem Interview begannen die Diskussionen über seine Aussage, dass die Iserlohn Roosters mit einer „kanadischen 1c-Nationalmannschaft“ auflaufen würden.

Zugegeben, schaut man sich den Kader der Roosters an und achtet nur auf die Herkunft der Spieler, könnte man ihn mit einem Spengler-Cup-Kader der Kanadier verwechseln. Von 26 gelisteten Spielern sind fünf Spieler hierzulande geboren und aufgewachsen, wobei Denis Shevyrin als Förderlizenzspieler sogar in Russland geboren wurde. Von den letzten 21 Spielern haben zwei die Herkunft Österreich und Kasachstan. Die anderen 19 Spieler kommen ursprünglich aus Nordamerika.  Allerdings besitzen bis auf neun dieser Spieler alle anderen die deutsche Staatsangehörigkeit.

Nun begann nach Müllers Interview die Diskussion, ob die Iserlohn Roosters, mit ihrer Taktik Kanadier mit deutschen Wurzeln einzubürgern, nicht übers Ziel hinaus schießen. Genau diese Frage zu klären, ist schwer. In Nahezu jedem DEL-Team spielt jemand, dessen ursprüngliches Heimatland ein anderes ist, als es nun in seinem Pass steht. Ob es aber wie in Iserlohn gleich über die halbe Mannschaft sein muss, ist eine andere Frage.

Gleichzeitig hat dieses Thema gerade zu diesem Zeitpunkt in Deutschland einen kleinen heiklen Beigeschmack. In vielen Kommentaren beispielsweise bei Facebook ist eine erste kleine Linie zu erkennen: Roosters-Fans verteidigen sich und der Rest der Liga schimpft. Viele Roosters-Fans hatten allerdings starke Argumente: Zum Beispiel schrieb ein Fan, dass die „Neu -Deutschen“ der Nationalmannschaft gut tun würden. Da es sich in Iserlohn meist um jüngere Spieler aus Nordamerika handelt, trifft dies tatsächlich zu. Die meisten sind drei Jahre nach Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit für die Nationalmannschaft spiel berechtigt.

Die Gegenfrage hierfür ist allerdings: Braucht die Nationalmannschaft diese Spieler? Ist es für den DEB wichtig, dass Dylan Wruck Deutscher ist? Wäre er gut genug, im DEB-Team unter Marco Sturm zu spielen? Iserlohn geht einen raffinierten Weg. Die eingebürgerten Spieler sind sich wohl alle darüber klar, dass sie für die „echte“ kanadische Nationalmannschaft nicht gut genug sind. Aber um international spielen zu können, würde es für das Team Deutschland allemal reichen. Und am Ende ist es doch egal, ob der Spieler in Nordamerika geboren ist und seine Ausbildung dort genossen hat und dann in die DEB-Mannschaft kam, oder ob er hier geboren ist und mit 16 Jahren nach Nordamerika ging, um dann seinen Weg zu gehen. Oder sind jetzt Abeltshauser, Grubauer, Kühnhackl oder Rückkehrer wie Kahun und Noebels anders als die eingebürgerten Deutschen?

Außerdem ist oft zu lesen: Die DEL muss sich darum kümmern. Doch was soll sie tun? Eine Begrenzung für Spieler mit nicht-deutschen Wurzeln? Einbürgerungen generell begrenzen? Das wird die Europäische Union wohl recht schnell auf den Plan rufen. Generell ist nichts gegen das Einbürgern zu sagen – und diese Spieler könnten der Nationalmannschaft nutzen. Allerdings sollte abgewogen werden.

Heute schreien alle auf, dass in Iserlohn acht eingebürgerte Spieler auflaufen. Im Grunde ist gegen die Einbürgerungspraxis nichts einzuwenden, die Regeln sind für alle Teams der DEL gleich. Jedes Jahr gibt es Teams, die ein wenig über das Ziel hinausschießen, dieses Jahr ist es Iserlohn, wer weiß, wen die Kritik nächstes Jahr trifft. Man sollte im Hinterkopf behalten. dass wenn in drei Jahren das Team auseinander gebrochen ist und die Spieler ihren normalen Weg gehen und sich andere Teams suchen, dann wird kein Mensch mehr darüber reden, ob die Jungs eingebürgert sind oder nicht.

Zusatz: Der Kölner Kapitän räumte zumindest ein, dass der gewählte Zeitpunkt für diese Thematik nicht der richtige war, man sich aber dennoch damit auseinandersetzen muss. "Um das Thema gestern von meiner Seite abzuschließen. Ich sehe ein, dass der Zeitpunkt gestern nicht der richtige war, um ein solches Thema aufzumachen. Wir verlieren 1:6 in Iserlohn und ich hatte gerade einen Faustkampf hinter mir. Das waren meine ungefilterten Emotionen, da die Gesamtsituation der Haie mir sehr nahe geht. Das Thema Ausländerreduzierung bleibt etwas, womit sich Eishockeydeutschland auseinandersetzen muss, damit wieder junge Jahrgänge in die Liga kommen. LG Mo", Schrieb Müller auf seiner Facebook-Seite.