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Ice Tigers treiben Grizzlys in sechstes HalbfinalduellEntscheidung vertagt

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Die Schlusssirene ertönt, die Presse versammelt sich – neben und auf dem Eis. Besonders einer muss sich den Fragen der Medienhorde stellen: Marco Pfleger, der sich von Reporter zu Redakteur hangelt. Doch der Doppeltorschütze nimmt es gelassen: „Ach, das ist besser, als zu verlieren“, zieht er Mikrofon und Kamera einer Niederlage vor. Der Stürmer weiß, wovon er spricht: Dreimal in Folge unterlagen die Nürnberger zuletzt den Wolfsburgern, die in der Frankenmetropole den Sack hätten zumachen können. Doch statt vorzeitig ins Finale einzuziehen, heißt es für die Niedersachsen nun: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Denn „wir wissen, was wir am Dienstag unternehmen müssen“, ist Pavel Gross zuversichtlich. Kleine Fehler in allen Bereichen seien eine Ursache der jüngsten Auswärtspleite gewesen, findet der Grizzlys-Coach. Die Gastgeber dagegen machten nahezu alles richtig.

Prust und Pfleger sind zur Stelle

Angefangen beim Führungstreffer. „Das erste Tor ist immer unglaublich wichtig“, erklärt Marco Pfleger, der mit dem 1:0 in der sechsten Minute die heimischen Zuschauer etwas beruhigte. Brandon Prust hatte nämlich bereits nach 52 Spielsekunden auf den Rängen für Aufregung gesorgt. Kaum gespielt, durfte er sich gleich wieder abkühlen. Zwei Minuten wurden ihm aufgrund eines unerlaubten Körperangriffs aufgebrummt. Unverständlich für den ehemaligen NHL-Profi, der über die eine oder andere Strafe in der Deutschen Eishockey-Liga den Kopf schüttelt. Prust, der für seine „körperbetonte“ Spielweise bekannt ist, schnaubte und scharrte mit den Hufen – im weiteren Spielverlauf jedoch genau an den richtigen Stellen. Denn die ersten beiden Treffer bereitete der Mann mit der Nummer acht vor: mit zwei Pässen auf Pfleger, der Wolfsburgs Tormann Felix Brückmann zweimal überwinden konnte.

Vorsicht vor deutlichen Führungen

Es läuft derzeit für den gebürtigen Peißenberger. Und am Sonntag lief es auch wieder für das gesamte Ice-Tigers-Team. Bevor dessen Keeper Andreas Jenike einmal hinter sich greifen musste (32.), schlug Philippe Dupuis noch zu (26.): 3:0. Erst jetzt traute sich das vorsichtig gewordene Heimpublikum, so richtig zu jubeln. Als dann Jesse Blacker nur 28 Sekunden nach der zweiten Drittelpause das 4:1 erzielte, atmeten die Nürnberger auf. Gut, im Eishockey kann auch jetzt noch viel passieren. Dass nämlich selbst eine 4:1-Führung zu einer Niederlage führen kann, zeigte der Klagenfurter AC im zweiten EBEL-Finalspiel gegen Wien. Da werden bei den Franken Erinnerungen an das zwischenzeitliche 3:1 im letzten Heimspiel wach. In den vergangenen drei Partien hatten die Wolfsburger den längeren Atem. Am Sonntag ging er ihnen allerdings aus, so dass die Nürnberger in der Serie auf 2:3 anschlossen.

Schiedsrichterdiskussion? Heute nicht!

Doch wie ausschlaggebend war die Leistung beider Mannschaften wirklich? Denn in den letzten beiden Spielen war sie nur am Rande ein Thema. Stattdessen sorgten die Unparteiischen aufgrund einiger, sagen wir, fragwürdigen Entscheidungen für Gesprächsstoff. Nicht am Sonntag. „Die Schiedsrichter waren sehr gut. Heute gibt es keinen Grund zur Diskussion“, lobt Pfleger das Duo Marian Rohatsch und André Schrader. Schiedsrichter: sehr gut, die Leistung der Nürnberger: ebenfalls. Wie steht es mit dem Auftritt der Gäste? Zu nervös? Sicherlich, die Ice Tigers waren es, die mit dem Rücken zur Wand standen. (Und so stehen sie immer noch.) Nürnbergs Cheftrainer Rob Wilson findet allerdings: „Der Druck lag bei den Wolfsburgern.“ Und der war möglicherweise zu groß.

Weiß-Blau für Franken

Mit hängenden Köpfen trotteten die Grizzlys zu ihrem Mannschaftsbus. Über ihnen: eine dicke, schwarze Wolke, die ihren gesamten Inhalt über der Arena ablud, bevor sich der fränkische Himmel wieder weiß-blau zeigte. Wie, weiß-blau in Franken? Ja. Marco Pfleger wollte es auch erst verschweigen. Als ihn aber ein Pressekollege auf seinen blauen „Glücks-“Schläger ansprach, platzte es aus ihm heraus: „Ich bin Sechz’ger Fan und die haben ja am Freitag gewonnen.“ Und die Ice Tigers am Sonntag. Da stellt sich die Frage nach dem Schläger am Dienstag wohl erst gar nicht.

Serienstand: Nürnberg 2, Wolfsburg 3

Das Spiel im Überblick:

Tore: 1:0 (6.), Pfleger (Prust, Syvret), 2:0 (24.) Pfleger (Prust, Steckel), 3:0 (26.) Dupuis (Segal), 3:1 (32.) Riefers (Aubin, Voakes), 4:1 (41.) Blacker (P. Reimer, Reinprecht)

Strafminuten: Nürnberg 8, Wolfsburg 8

Schiedsrichter: Rohatsch, Schrader

Zuschauer: 7.672 (ausverkauft)