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Fischtown Pinguins Bremerhaven siegen in StraubingFanprotest auch beim Nord-Süd-Duell

Auch in Straubing protestierten die Fans gegen Donnerstagsspiele in der DEL. (Foto: Sandra Wichmann)Auch in Straubing protestierten die Fans gegen Donnerstagsspiele in der DEL. (Foto: Sandra Wichmann)
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Die Partie begann mit 15 „Schweigeminuten“ der Fans, die diese in einem Flyer als „Stimmungsverzicht“ bezeichneten. Die Aktion war Protest gegen die von vielen ungeliebte Spieltagszerstückelung und wird von 94 DEL-Fanclubs unterstützt. Dabei blieben die Trommel und Anfeuerungen aus, ebenso wurden keine Fahnen geschwenkt. Diese Friedhofsstimmung übertrug sich auch auf die Mannschaften, denn es wurde ziemlich wenig geboten. Bremerhavens Marian Dejdar kommentierte das so: „Es war am Anfang ein bisschen emotionslos, die Atmosphäre hat vielleicht ein bisschen was dazu beigetragen. Es ist schade, dass man so professionell Eishockey spielen muss, aber das gehört dazu, wir sind Profis genug.“

Uneinigkeit bei den Spielern

Bei den Spielern wird diese Aktion unterschiedlich gewertet. Marian Dejdar sagte dazu: „Wir spielen ja nicht nur Donnerstag, wir spielen auch Dienstag und Mittwoch. Es sind immer unter der Woche Spiele, das gehört dazu. Für uns ist das kein Problem.“ Doch wie sieht er das aus der Sicht der Fans, die bis 18 oder 19 Uhr in der Arbeit sind und dann ins Stadion wollen und sollen? „Das muss dann jeder für sich selber entscheiden, wie er damit umgeht. Es ist, wie es ist, wenn man damit nicht zurechtkommt, muss das jeder selber wissen.“ Verständnisvoller hört sich das bei Straubings Neu-Nationalspieler Stefan Loibl an: „Der Spielplan kommt raus und danach müssen wir uns richten. Wenn es am Donnerstag angesetzt ist, dann müssen wir halt am Donnerstag unsere Arbeit machen. Aber die Fans kann ich da schon verstehen. Die Aktion ist ja nicht gegen uns, aber wir können nichts dagegen machen.“

Keine Stimmung, keine Tore

Beide Mannschaften hatten im ersten Drittel jeweils ein Solo, doch sowohl Basti Vogl, als auch Tomas Pöpperle hielten ihren Kasten sauber. So verrückt es ist, kaum erklangen die Trommeln, schon wurde das Spiel besser, zumindest etwas. Gästecoach Thomas Popiesch beschreibt das Drittel: „Wir sind im ersten Drittel gut reingekommen, haben unsere Möglichkeiten gehabt.“ Auch Marian Dejdar sah das ähnlich: „Wir haben eine lange Reise bis jetzt gehabt und sind eigentlich ganz gut ins Spiel gekommen und haben Straubing gut unter Druck setzen können. Zur Hälfe des ersten Drittels sind wir dann etwas zurückgefallen.“

Fahrt aufgenommen

Tore gab es auch im Mittelabschnitt nicht. Im Mittelpunkt standen die Goalies, die beide einen ausgezeichneten Tag erwischten. Mit zunehmender Spieluhr bekamen die Hausherren aber immer mehr Zugriff zum Spiel und waren nach 40 Minuten leicht im Vorteil, auch wenn die Gäste gegen Ende des Drittels sehr ordentliche Chancen hatten. Straubings Coach Tom Pokel hat das Drittel gefallen: „Das war ein sehr starkes zweites Drittel von uns.“ Sein Gegenüber sah dasselbe Spiel: „Gerade im zweiten Drittel hat man aber gesehen, dass Straubing immer stärker wurde und viele Chancen hatte. Da hat unser Torhüter einen Riesenjob gemacht.“

Endlich was zu feiern

Fahrt nahm die Partie im Schlussdrittel auf. Straubing konnte früh in Führung gehen, was wiederum die Nordlichter animierte zuzulegen. Thomas Popiesch nahm es so wahr: „Im letzten Drittel ist das 1:0 gefallen und wir sind daran geblieben. Wir haben versucht, weiter Druck aufzubauen, schießen das 1:1 und dann, denke ich, waren wir fünf, sechs Minuten am Drücker.“ Tom Pokel weiß auch, warum das so war: „Nach dem 1:0 waren wir zu passiv und haben uns zurückgezogen.“

Überstunden

Somit ging es in die Overtime. Zwischen den beiden Teams war es die erste Verlängerung, seit dem Bremerhavener Ligaeinstieg. Wieder einmal muss man festhalten, das Drei-gegen-Drei-Format war die beste Entscheidung der letzten Jahre. Das hätte man auch länger ansehen können, doch Chris Rumble wollte heim, machte dem Treiben schnell ein Ende und sicherte den Pinguins den Zusatzpunkt. Marian Dejdar: „Im Großen und Ganzen haben wir das Spiel verdient gewonnen. Es war eine enge Partie, phasenweise dann doch hart umkämpft, aber wir freuen uns natürlich, dass wir das glückliche Ende für uns hatten.“

Fazit

Siegercoach Thomas Popiesch: „Das Spiel hatte einige Ups und Downs, Wir waren natürlich gewarnt, auch von den Ergebnissen von Straubing in den letzten Spielen. Die sind defensiv sehr kompakt gestanden und dass sie vorne Qualität haben und ihre Konter ausnutzen können. Das wollten wir auf jeden Fall verhindern.“ Tiger Tom Pokel: „Wir sind defensiv sehr gut gestanden, die Mannschaft hat ein paar neue Sachen eingebaut. Eine sehr gute Torhüterleistung und auch ein gutes Penaltykilling. Wir sind kompakter in der neutralen Zone gestanden, haben Pucks abgefangen und gekontert. Auch in der Angriffszone waren wir sehr stark. Wir haben eine sehr gute Phase gehabt, als wir zu übermotiviert waren.“ Straubings Stürmer Stefan Loibl berichtete: „Wir machen das zurzeit defensiv sehr gut, wir haben die letzten Spiele sehr wenig Gegentore bekommen. Unser Problem ist vorne. Man merkt, dass wir uns sehr schwer tun, Tore zu schießen. Wir müssen viel zu hart für ein Tor arbeiten und wir bekommen auch keine Lucky Bounds, die man braucht, um auch mal ein dreckiges Tor zu machen. Mit einem Tor ist es schwierig, ein Eishockeyspiel zu gewinnen.“ Nochmal Tom Pokel, der vorausblickt: „Im Großen und Ganzen ist das, was wir eingebaut haben, seit ich das Amt übernommen habe, eine gute Spielweise und ein ganz anderes Spiel. Kompakter und besser mit der Scheibe. Wir haben mehrere Bausteine für die Zukunft gelegt.“

Zahlen

Tore: 1:0 (42:11) Alex Dotzler (Stefan Loibl), 1:0 (53:29) Ross Mauermann (Jan Urbas, Marian Dejdar), 1:2 (61:10) Chris Rumble (Björn Svensson, Jan Urbas).

Schiedsrichter: Sirko Hunnius, Marian Rohatsch; Linienrichter: Lukas Kohlmüller, Tobias Schwenk.

Strafminuten: 4:2 (0:0, 0:0, 4:2, 0:0).

Zuschauer: 3.905.