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Die rote Laterne brennt in Straubing hellerGrizzlys Wolfsburg gewinnen Nachholspiel

Bill Stewart ist in Straubing angezählt. (Foto: Sandra Wichmann)Bill Stewart ist in Straubing angezählt. (Foto: Sandra Wichmann)
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Für die ersatzgeschwächten Gäste war es das achte Spiel in 17 Tagen. Die Verletztenliste der Grizzlys ist mit Torsten Ankert, Mark Voakes, Jimmy Sharrow, Alex Roach, Marcel Ohmann und Fabio Pfohl beachtlich und machte die Aufstellung für Coach Pavel Gross sicher nicht einfach. Anders die Lage bei den Hausherren. Straubings Bill Stewart konnte aus dem Vollen schöpfen, zumindest fast. Denn Kapitän Sandro Schönberger versuchte es, wurde aber vom Vereinsarzt mit Fieber aus dem Spiel genommen und nach Hause geschickt. Zum Zusehen verdammt waren damit Colton Jobke, Levko Koper und Dimitri Pätzold. Dabei war es erneut das Kellerduell Letzter gegen Vorletzter, denn nachdem die Roosters die Tigers am Sonntag besiegten, tauschten sie mit den Niedersachsen den Tabellenplatz.

Pavel Gross: „Das war kein Augenschmankerl“

Das war nichts für Genießer. Völlig verunsicherte Straubinger mühten sich, konnten Wolfsburg sogar zeitweise in deren Zone binden, doch sobald es Richtung Abschluss ging, zitterten die Hände. Bei Mike Connolly konnte man fast das Rattern der Gedanken hören, ein Jeremy Williams, der eigentlich fast goldene Hände hat, läuft seiner Form um Meilen hinterher und an der blauen Linie spielen die Verteidiger Pässe ins Niemandsland. Die Liste könnte man nahezu ewig weiterführen. Ja, sie arbeiteten, erkämpften die Scheibe in der Mittelzone, doch anstelle den freien Nebenmann zu finden, wurde der Puck ohne Übersicht einfach nach vorne geschlagen. Zudem wirken die Spieler sich selbst überlassen. Weder die Spieler die von der Strafbank zurückkommen erhalten ein Zeichen, noch das im Powerbreak mit den Spielern gesprochen wird. Fast ratlos wirken die Straubinger in den Werbepausen. Die Folge war letztendlich die Wolfsburger Führung. Dabei spielten die Niedersachsen auch kein Eishockey vom anderen Stern. Coach Gross kommentierte: „Das war kein Augenschmankerl.“ Er könnten sich aber wenigstens auf die kurze Bank berufen – was Pavel Gross nie tun würde. So meinte der Grizzlys-Coach nach der Partie: „Ja, das ist eine schwere Situation. Die Champions-League-Spiele haben uns viel Kraft gekostet. In der Champions League haben wir zwei Leute langfristig verloren, aber das sind Spiele, in denen du 100 Prozent gehen musst. Ich habe mal gesagt, wir werden über die Situation mit den Verletzten gar nicht reden, weil wir so wie so spielen müssen. Jeder hat die Chance, sich zu zeigen und in die Lücken zu springen. Ich habe keine Ahnung, wann die Leute zurückkommen, ein paar sind ja schon Wochen und Monate weg, aber wir wissen immer noch nicht, wann sie zurückkommen.“

Coach Stewart im Feuer

Auch Wolfsburgs zweites Tor stärkte das Selbstvertrauen der Straubinger nicht und spätestens jetzt begann es unter den Fans zu brodeln. Anstelle von „wir woll´n euch Kämpfen seh´n“, hieß es nun „aufwachen“. Die Tigers kamen zwar zu ihren ersten Tor, doch bis Drittelende machten die Niedersachsen noch zwei. Als das Bild von Coach Bill Stewart auf dem Videowürfel eingeblendet wurde, gab es das erste große Pfeifkonzert, das zweite folgte zur Drittelpause. Im Schlussdrittel hätte man Friedenspfeifen verteilen können, denn die Tigers können zurzeit offensichtlich nicht mehr und die Grizzlys versuchten sich verständlicher Weise zu schonen. Sie mussten bei dem Vorsprung ja auch gar nicht mehr auf Teufel komm raus angreifen. Trotzdem gelangen den Gästen zwei weitere Tore, die den Frustfaktor im Straubinger Anhang steigerten. Verabschiedet wurde die Mannschaft mit: „Stewart raus“ rufen.

Erklärungsversuche

Wolfsburgs Pavel Gross erkannte, dass heute nicht viel Gold war, was glänzte, war aber natürlich mit dem Ergebnis zufrieden: „Die drei Punkte waren wichtig. Es war sehr zerhackt. Beide Mannschaften kämpfen etwas mit dem Selbstbewusstsein, beide Mannschaften sind auch nicht optimal in die Saison gestartet. Trotzdem wollten heute beide Mannschaften gewinnen. Ich bin froh, dass wir heute ein paar Tore geschossen haben. Wir haben das erste Mal diese Saison auswärts gewonnen. In den letzten Jahren waren wir auswärts eigentlich sehr stark, dahin müssen wir wieder kommen.“ Von Zufriedenheit kann bei Straubings Trainer Bill Stewart nicht die Rede sein: „Wolfsburg und Straubing haben harte Zeiten. Wir hatten einen sehr guten Start, aber die waren die letzten 40 Minuten das bessere Team. Wir hatten sieben Sekunden vor der ersten Pause ein Problem und wenn du eine fragile Mannschaft bist und die mentale Stärke nicht vorhanden ist, dann frustriert das enorm.“ Stewart stellt sich schützend vor die Mannschaft: „Es ist leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen, aber gute Organisationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie dann zusammenstehen. Ich glaube an die Mannschaft. Wir haben viel Arbeit vor uns und werden uns auf die guten Dinge fokussieren: das erste Drittel war sehr gut, aber wir haben nicht gewonnen. Ich bin auch ein Fan, und ich bin auch sehr enttäuscht.“

Tickt Stewarts Uhr?

Nachdem die Fans heute seine Entlassung forderten, bleibt die Frage nicht aus, ob er selbst glaubt, nächste Woche in Straubing noch hinter der Bande zu stehen. Diese Frage kommentierte er so: „Ich verstehe die Fans wirklich. Sie sind sehr frustriert. Wir hatten diese Jahr ein paar große Spiele und wir hatten Spiele, die waren nicht so. Ich bin auch sehr frustriert und auch die Spieler sind frustriert. Aber ich denke, es geht in die richtige Richtung. Heute hat uns das Tor vor der Pause runtergezogen, doch der Kopf macht 70 Prozent in einem Spiel aus. Als junger Coach war ich verärgert, aber jetzt fühle ich mit den Spielern. Die Spieler arbeiten hart, trainieren gut und mit Leidenschaft. Es ist leicht, gut zu spielen, wenn alles ohnehin gut läuft. Um auf die Frage zu kommen: Morgen ist ein neuer Tag und wir werden die Dinge wieder anpacken.“

Spielstatistik

Tore: 0:1 (19:53) Kamil Kreps (Brent Aubin), 0:2 (23:21) Brent Aubin ( Björn Krupp, Alex Weiß), 1:2 (27:54) Mike Connolly (Mike Hedden, Steven Zalewski), 1:3 (31:15) Robbie Bina (Christoph Höhenleitner, Kamil Kreps), 1:4 (35:32/PP) Tyler Haskins (Kris Foucault, Jeremy Dehner), 1:5 (55:28/PP) Kris Foucault (Sebastian Furchner, Tyler Haskins), 1:6 (59:13) Kamil Kreps (Alex Weiß, Philip Riefers).

Schiedsrichter: Mark Lemelin, Marian Rohatsch; Linienrichter: Andreas Hofer, David Tschirner.

Strafminuten: 10:4 (2:2, 4:0, 4:2) +10 Dehner.

Zuschauer: 3.312.