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Bill Stewart: Der Schnellste gewinntDer DEL-Teamcheck

Bill Stewart hat an der Bande der Straubing Tigers das Sagen. (Foto: dpa/picture alliance/Fishing4)Bill Stewart hat an der Bande der Straubing Tigers das Sagen. (Foto: dpa/picture alliance/Fishing4)

Rund ums Eis

Bei den Tigers tat sich im Sommer einiges. Auf dem Eis nicht ganz so viel, aber rundherum. Auffälligste Änderung ist der neue Videowürfel unter dem Hallendach. Außerdem haben die Straubinger mit Jürgen Eichbauer nun einen hauptberuflichen Medienbeauftragten. Änderungen im Medienbereich blieben nicht aus und so gibt es erstmal schriftlich festgehaltene Regeln für Medientreibende. Mit Eichbauer haben sich die Niederbayern wieder ein Stück professionalisiert. Andererseits geht durch die teils strenge Regelung ein Stück familiäre Atmosphäre verloren.

Die Coaches

Die sportlich einschneidensten Veränderungen gab es auf den Trainerposten. Mit dem 23-jährigen Österreicher Manuel Litterbach haben die Niederbayern diese Saison einen hauptamtlichen Goalie-Trainer. Rob Leask ist nach wie vor Co-Trainer, doch der 59-jährige Italo-Kanadier William ’Bill“ Stewart ist Nachfolger von Larry Mitchell, der mit zwei Play-off-Teilnahmen in Folge die Messlatte gelegt hat. Dieser ist nun Sportdirektor beim ERC Ingolstadt. Stewart ist in der DEL auch kein Unbekannter, so war er bereits bei den Adlern Mannheim, den Krefeld Pinguinen, den Hamburg Freezers und den Kölner Haien jeweils als Cheftrainer aktiv. Zuletzt war er bei den Dresdner Eislöwen in der DEL2 unter Vertrag. Mit denen schied er als Hauptrundenvierter im Viertelfinale aus. Früher war Stewart als harter Hund verschrien und hat sich den Spitznamen ’Kill Bill“ eingehandelt. Auch die eine oder andere nicht ganz faire Eskapade steht in seiner Vita, doch nach eigener Aussage hat er sich geändert. Wichtig für das Spiel von Stewart ist Geschwindigkeit, so vergleicht er ein Eishockeyspiel mit einem Autorennen und stellt die These auf, dass das schnellste Team normalerweise gewinnt.

Im Tor

Nach einer eher durchwachsenen Saison musste Matt Climie gehen. Ihn hat es in die Slowakei zum HKM Zvolen verschlagen. Geblieben ist Dimitri Pätzold, der 25 Mal zum Einsatz kam und dabei überzeugen konnte. Zum Team gestoßen ist der gebürtige Landshuter Sebastian Vogl, der vom Vizemeister aus Wolfsburg kam. Seine Qualitäten hat er in der DEL längst unter Beweis gestellt. Ergänzt werden die beiden von den jungen Förderlizenzkeepern Daniel Filimonow und U21-Nataionalgoalalie Cody Brenner. Beide sind beim Deggendorfer SC beschäftigt. Somit hat man den Vorteil, ausschließlich deutsche Torleute im Kader zu haben.

Die Verteidigung

Mit James Bettauer, Maury Edwards, Colton Jobke, Austin Madaisky, Max Renner und Dylan Yeo konnte der Großteil der Verteidigung gehalten werden. Einen neuen Club suchen musste sich nur Mike Cornell, der noch ohne neuen Vertrag ist, und Sean Sullivan, der Coach Mitchell nach Ingolstadt folgte. Max Gläßl sollte ursprünglich diese Saison zu den Niederbayern wechseln, was er auch getan hat, ist aber an die Löwen Frankfurt ausgeliehen. Mit Alex Dotzler konnte man den Verteidiger zurückholen, den man eigentlich gar nicht gehen lassen wollte. Die Eingewöhnungszeit dürfte gegen Null gehen, denn vor seinem Ausflug nach Wolfsburg war er bereits fünf Jahre für die Tigers aktiv. Spannend wird sein, wie lange Sam Klassen braucht, um sich wieder an Profieishockey zu gewöhnen. Klassen hatte sich nach dem Aus der Freezers keinen neuen Club gesucht und machte ein Jahr Pause. Allerdings hielt er sich im Sommer wie Winter fit. Den Kontakt zu Sam Klassen stellte dessen dickster Kumpel Adam Mitchell her und da Klassen neben seinem kanadischen auch über einen deutschen Pass verfügt, belegt er keine Importlizenz. Insgesamt hat man sich in der Defensive auf jeden Fall verstärkt.

Der Angriff

Bereits im Saisonverlauf wechselte der sympathische Deutsch-Österreicher Niki Hartl zu den Vienna Capitals und wurde Meister der EBEL. Der Nachverpflichtete Josh Nicholls konnte sich auch nicht weiter empfehlen und geht jetzt für den tschechischen HC Litvinov auf Punktejagd. Tim Miller, Scott Timmins und Derek Whitmore mussten ebenfalls gehen, haben aber noch kein neues Engagement. Auch hier blieb mit Tommy Brandl, Mike Connolly, Mike Hedden, Stefan Loibl, Adam Mitchell, Alex Oblinger, René Röthke, Sandro Schönberger, Jeremy Williams und Steven Zalawski ein Großteil des Kaders. Letzterer bekam Unterstützung aus der eigenen Familie, denn mit Mike Zalekeski konnten sich die Niederbayern seinen 24-jährigen Bruder ins Team holen. Der Zwei-Wege-Stürmer ist gelernter Center, kann aber auch auf den Außen spielen. Damit könnte das Brüderpaar in einer Reihe auflaufen. Ob das aber auch passieren wird, muss man abwarten.  Wie die Zalewskis ist auch Kyle MacKinnon US-Amerikaner. Der 29-jährige, kräftige Center hat das Auge für den gute Pass, kann aber auch selbst Tore erzielen. Informationen über die Tigers holte er sich von seinem Freund Jason Jaffray von den Red Bulls aus München. Letzter Importzugang war der 27-jährige Kanadier Cody Kunyk. Er spielte letzte Saison mit Mike Zalewski bei den Utica Comets. Offen ist noch die Personalie Christoph Gawlik. Gerüchte um eine Verpflichtung kreisen schon seit Ende der abgelaufenen Saison. Erst trainierte er nur mit dem Team, dann wurde er in der Vorbereitung eingesetzt. Die endgültige Verpflichtung scheint immer näher zu rücken. Keine Frage: Auch in der Offensive dürften die Tigers zugelegt haben.

Was geht?

Viele Vorteile haben sich Jason Dunham und die Verantwortlichen im Sommer erarbeitet. Ausschließlich Torleute mit deutschem Pass — insgesamt wenige Wechsel im Kader — jeder Zugang dürfte besser sein als ein Abgang — Zugänge kennen sich. Insgesamt lässt das auf eine erfolgreiche Saison hoffen. In Straubing gab es schon schlechtere Voraussetzungen. Doch trotzdem muss bei den Tigers, wie jedes Jahr, alles passen. Glück mit Verletzungen steht dabei ganz oben und natürlich haben auch die anderen Teams aufgerüstet. Auch wenn offiziell nicht verlautbart, sollte das Saisonziel das Erreichen des zehnten Platzes sein. Ein durchaus realistisches Ziel, denn die erste Play-off-Runde sollte möglich sein und danach weiß man ja nie. Fest steht nur: In einem der kältesten und lautesten Stadien der Liga wartet sicher wieder eine spannende Saison auf die Fans.