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Augsburg dreht Derby in den SchlusssekundenAugsburg - Ingolstadt 3:2 n.V.

Jubelnde Panther - enttäuschte Panther. Bis 16 Sekunden vor Ende führte Ingolstadt, am Ende gewann Augsburg. (Foto: Imago)Jubelnde Panther - enttäuschte Panther. Bis 16 Sekunden vor Ende führte Ingolstadt, am Ende gewann Augsburg. (Foto: Imago)
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Beide Mannschaften schienen gewillt, das üppige Weihnachtsessen aus den Knochen zu laufen und starteten mit ordentlich Dampf, ohne aber zwingende Chancen herauszuarbeiten. Nach fünf Minuten waren die Panther das erste Mal in Überzahl. In diesem Powerplay rückte T.J. Trevelyan in den Mittelpunkt: Erst scheiterte er mit einem Abfälscher, dann im Nachschuss nach einem Schlagschuss von Brady Lamb. Gegen Ende der Strafzeit zog er mit einem Solo gleich die nächste Strafe gegen Ingolstadt. Dieses Powerplay des aktuell zweitschlechtesten Überzahl-Teams der Liga blieb aber wirkungslos, auch weil Ciernik sich eine Strafe wegen Behinderung einhandelte. Danach Ingolstadt im Vorteil: Jared Ross zielte aus halbrechter Position auf das linke obere Eck, aber Mason parierte seinen Handgelenkschluss. Nach elf Minuten musste Jared Ross aus Ingolstädter Sicht unnötig wegen eines Fouls hinter dem AEV-Tor auf die Strafbank. Ingolstadt verteidigte aber clever und ließ wenig zu. Kurz darauf hatten sie die Gelegenheit, es besser zu machen, kamen jedoch wieder kaum gefährlich vor das Tor von Ingolstadts Meister-Goalie Timo Pielmeier. Noch überflüssiger für die Schanzer: Bei Aussprache der Strafe handelte sich Patrick Köppchen einen „Zehner“ wegen Reklamierens ein. Bis kurz vor Drittelende tat sich nicht mehr viel, bis Ryan MacMurchy wegen eines Wechselfehlers in die Kühlbox musste. Auch hier sah es zunächst so aus, als sollte wieder nicht viel gehen für die Schwaben. Wenige Sekunden vor der ersten Sirene hatte dann aber wieder Trevelyan die bis dahin beste Chance zur Führung, scheiterte aber mit seinem Schuss kurzer Distanz an Pielmeier.

Zunächst ging wenig für Augsburg, dann macht’s Machacek alleine

Eine versprungene Scheibe hinter dem ERC-Tor brachte den Augsburgern nach 21 Minuten das nächste Überzahlspiel: In der daraus resultierenden Unordnung in der Abwehr der Schanzer wurde Periard wegen Beinstellen hinausgestellt. Da Augsburgs Caporusso ihm auf die Strafbank folgte wegen Halten des Stockes war auch dieser Vorteil dahin. Kurz darauf jubelte aber der Augsburger Anhang: Spencer Machacek überlief nach schnellem Zusammenspiel mit dem nachverpflichteten Rückkehrer Greg Moore die Abwehr der Ingolstädter und traf aus kurzer Distanz zur Führung des AEV. In der Folge hatten die Panther einige weitere gute Gelegenheiten nachzulegen, kamen mit ihren Versuchen, unter anderem durch Trevelyan und Breitkreutz nicht durch. Zur Hälfte des Spiels hatten dann auf einmal die Ingolstädter beinah aus dem Nichts ihre beste Chance zum Ausgleich: Nach einem präzisen Querpass von MacMurchy vor dem Augsburger Tor stand Brandon Buck frei vor Mason, der aber parierte, ebenso wie beim Schuss von Derek Hahn kurze Zeit später. Gegen Ende des Drittels erhöhte Ingolstadt den Druck und kam zu einigen guten Gelegenheiten, bei denen AEV-Goalie Chris Mason aber ruhig und sachlich klärte. Dann musste Trevelyan wegen Spielverzögerung auf die Strafbank. Die erste Chance jedoch die Augsburger bei einem Alleingang von Greg Moore. Seinen Schuss aus halblinker Position wehrte Pielmeier mit dem Blocker ab. Danach schnürten die Schanzer die Augsburger fast eine Minute in ihrer Zone ein: Beinahe folgerichtig erzielte Ryan MacMurchy per Direktabnahme vom linken Bullykreis nach einer Kombination über Taticek und Brocklehurst den Ausgleich – zum Jubel der etwa 300 mitgereisten Fans der Oberbayern und der Ingolstädter Trainer Larry Huras und Peppi Heiß, die sich 25 Sekunden vor Drittelende über ein seltenes Powerplay-Tor ihrer Mannschaft freuen konnten.

Alles auf Anfang: Dann regelt’s Rekis in der Verlängerung

Zu Beginn des Schlussabschnitts suchten beiden Mannschaften die Entscheidung. Dabei war Ingolstadt zunächst etwas zwingender und kam unter anderem durch Hager und Hahn zu einigen guten Chancen. Nach sieben Minuten hielten die Augsburger den Atem an: Lamb versprang die Scheibe an der blauen Linie, das bescherte Hager und Szwez eine 2:1-Situation, die zunächst Mason und dann die gesamte Augsburger Abwehr abwehrten. Dann kamen die Ingolstädter zu einer Doppelchance durch Laliberte und Köppchen. Kurz darauf war es soweit: John Laliberte traf aus dem Gewühl zur Führung der des ERC. Danach versuchte Augsburg mit großem Engagement alles, um noch den Ausgleich zu erzielen, konnte sich aber gegen clever verteidigende Ingolstädter kaum Chancen erarbeiten – und hatte bei einigen Offensiv-Aktionen der Schanzer noch Glück, nicht das dritte Tor zu kassieren. „Hier regiert der ERC!“ skandierten die Fans und so richtig viel konnte der AEV nicht tun, um dies zu entkräften, zumal Ingolstadt sich durch Laliberte und Hager weitere Chancen erarbeitete. 81 Sekunden vor Schluss ging Chris Mason vom Eis und dann wurde es dramatisch: Zunächst ging ein Puck nur knapp am AEV-Tor vorbei, und dann schaffte Caporusso mit dem letzten Angriff 16 Sekunden vor Schluss den etwas glücklichen, aber keinesfalls unverdienten Ausgleich. Damit rettete sich Augsburg in die Verlängerung.

Und nach nur 24 Sekunden in der Overtime war dann endgültig Feierabend, als Arvids Rekis aus zentraler Position nach von Greg Moore zum Sieg des AEV einschoss. Entsprechend gelöst zeigte sich Thompson nach dem Spiel: „Wir haben so viele Chancen in Überzahl im ersten Drittel ausgelassen, auch weil das Selbstvertrauen fehlt. So darfst Du eigentlich nicht Eishockey spielen, aber das ist mir wurscht, denn wir haben den richtigen Willen gezeigt und gewonnen, nur das zählt.“

Tore:
1:0 (25:24) Spencer Machacek (Greg Moore)
1:1 (39:35) Ryan MacMurchy (5-4)
1:2 (48:19) John Laliberte (Thomas Greilinger, Patrick Köppchen)
2:2 (59:44) Loui Caporusso (Brady Lamb, Ivan Ciernik)
3:2 (60:24) Arvids Rekis (Spencer Machacek, Jeff Woywitka)

Strafen: Augsburg 6, Ingolstadt 10 + 10 (Patrick Köppchen)
Zuschauer: 5.962