Eishockey News

Adler siegen im Topspiel mit Play-off-QualitätMannheim schlägt Nürnberg nach Verlängerung

Christoph Ullmann (Adler Mannheim, rechts) im Angriff. (Foto: dpa)Christoph Ullmann (Adler Mannheim, rechts) im Angriff. (Foto: dpa)

Das Topspiel des Spieltags hielt, was man sich von einem Topspiel verspricht. Die Adler Mannheim besiegten die Thomas Sabo Ice Tigers mit 3:2 (1:1, 0:0, 1:1, 1:0) nach Verlängerung.

Beide Mannschaften legten von der ersten Sekunde an ein höllisches Tempo vor, offenes Visier, ein Spiel Coast to Coast, rassige Torszenen auf beiden Seiten, hart aber herzliche Spielweise, ein berechtigter, aber nicht verwandelter Penalty (Nürnberg, 6.), das erste Drittel machte atemlos. Das Salz in der Suppe fehlte auch nicht, in der 14. Minute verwertete Christoph Ullmann einen Abpraller von der Bande zum 1:0 für die Adler im Powerplay. Die Gültigkeit des Tors überstand sogar das Nachstudium per Videobeweis durch die Referees, eine Disziplin, bei der die Adler diese Saison bis jetzt eher schlecht abschnitten. Dem Spielverlauf angemessen, ließ sich Nürnberg nicht lange bitten. In der gleichen Minute verwertete, ja wer wohl, Patrick Reimer einen Abpraller vom Bein des Mannheimer Verteidigers Denis Reuls. Dieser Patrick Reimer hat ein unheimliches Näschen für solche Positionen vor dem gegnerischen Tor, dieses Gespür kann man nicht lernen, das hat man, die technischen Fähigkeiten solche Situationen auszunutzen hat er sowieso – 1:1 nach 20 Minuten.

Das zweite Drittel brauchte so ungefähr fünf Minuten, um die Intensität der ersten 20 Minuten zu erreichen. Beider Torhüter jetzt unter Dauerbeschuss, immer noch ein Spiel mit Haken und Ösen und weiter auf technisch hohem Niveau. In der 37. Minute erwischte es dann Nürnbergs schwedischen Neuzugang Nichlas Torp. Die Referees entschieden auf Bandencheck und verpassten ihm eine 5 + Spieldauer, ein deutliches „Hmm“ dafür.

In einer Szene, als Brandon Segal seinen Rachegelüsten nachgab und wie sein Namensvetter den in zwei anderen Szenen provozierenden Mannheimer Daniel Sparre beim Gang zur Bank per Ellbogen auf die „Bretter“ schickte, wäre das eher angebracht gewesen. Nun denn, die Konzessionsentscheidung folgte auf dem Fuße. Während einer Vollversammlung vor Ice-Tigers-Goalie Andreas Jenike erhielt Christoph Ullmann, umringt von vor dem Tor aufräumenden Nürnbergern, eine Strafe wegen Torwartbehinderung, eine Schande, dass er gegen gefühlt 240 Kilogramm durchtrainiertes Lebendgewicht nicht einfach stehen blieb, wo er war. Damit war das Powerplay für die Adler erst mal vorbei, bei vier gegen vier neutralisierten sich beide Mannschaften auf hohem Niveau, das zweite Drittel endete torlos.

Anfang des letzten Drittels schlug dann das im Moment sehr gut funktionierende Powerplay der Adler wieder zu. In den letzten Sekunden der ablaufenden Fünf-Minuten-Strafe gegen Torp nahm Garrett Festerling Maß und netzte per Handgelenksschuss ein. Unterbrochen von je einer Strafe um die 50. Minute für beide Parteien mussten sich die Adler wütenden Angriffen der Nürnberger erwehren. Dennis Endras und Glück verhinderten in dieser Phase einen Treffer für die Nürnberger. Vor allem Dennis Endras, der zudem in der 52. Minute einen weiteren Penalty hielt. Der Schatten von Denis Reul, der auf den anstürmenden Ice Tiger Philippe Dupuis fiel, reichte aus zu dieser Penalty Entscheidung. Dennis Endras hielt und freute sich entsprechend. Der dem Spielverlauf verdiente Ausgleich fiel für Nürnberg aber doch noch. In der 57. Minute erzielte Patrick Reimer den Ausgleich. Er stand wieder mal goldrichtig und verwertete einen „Handpass“ von Sinan Akdag zum 2:2. Interessant die Entstehungsszene dazu. Sinan Akdag streckt sich nach dem hohen Puck, erreicht ihn und befördert die Scheibe, natürlich ungewollt, Richtung Patrick Reimer. Jesse Blacker springt auch nach dem Puck, kommt aber zu spät und trifft Akdag mit dem Ellbogen am Kopf und reißt in um, das zweite deutliche „Hmm“ des Nachmittags. Unglückliche Entstehung aber von der Sache her trotzdem verdienter Ausgleich.

Das bedeutete Verlängerung, drei gegen drei für fünf Minuten. Und das erinnerte an hoch interessantes Schach, was die Kontrahenten da zeigten, mit dem glücklicheren Ende für Mannheim. Sieben Sekunden vor Schluss löffelte Denis Reul bedrängt den Puck per Rückhand ins Nürnberger Tor.

Zu sagen bleibt, das Spiel war Top-Werbung fürs Eishockey. Beide Mannschaften lieferten ein Spiel der Extraklasse ab. Unentschieden gibt es ja nicht im Eishockey, für dieses Spiel könnte man es einführen.

Festzuhalten gilt, die Adler sind auf dem Weg zur Play-off-Form. Die Abteilung Attacke hatte eh wenige Probleme bis jetzt, die Defensive ist der Teil, der sich von Spiel zu Spiel verbessert. Die Stürmer übernehmen endlich ihren Teil des Mitzurückarbeitens, das lässt die Verteidiger ruhiger agieren. Die Leistungen der Special Teams (Überzahl, Unterzahl, Vier gegen Vier, Drei gegen Drei) zeigen deutlich aufsteigende Tendenz, letztendlich haben sie das Spiel heute auch entschieden.