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Mit Kreativität und gutem Draht zum Erfolg (2/2)Gespräch mit KEV-Nachwuchskoordinator Robin Beckers und DNL-Trainer Elmar Schmitz

Elmar Schmitz ist Sportvorstand und DNL-Trainer beim Krefelder EV. (Foto: KEV 81)Elmar Schmitz ist Sportvorstand und DNL-Trainer beim Krefelder EV. (Foto: KEV 81)
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Wie sehen Sie das deutsche Eishockey im internationalen Vergleich?

Wir sind auf einem guten Weg mit dem Konzept des DEB „Powerplay 26“ (Bis zum Jahr 2026 will der Deutsche Eishockey Bund den Anschluss zu Top-Nationen wie Kanada und Schweden herstellen, Anm. d. Verf.). Ich muss sagen, dass ich die deutschen Nationalmannschaften nicht so genau verfolge. Wie wir im internationalen Vergleich stehen, weiß ich nicht. Ich merke, dass wir versuchen, dass es besser wird. Aber insbesondere was ich von Trainerkollegen höre, was die oberen Mannschaftsklassen betrifft, wird das Jugendeishockey eher schlechter als besser. Oder was sagst du dazu, Elmar? Siehst du das anders?

Elmar Schmitz: Wie wir uns international entwickeln? Da brauchen wir noch eine Weile. Es hat sich in den letzten zehn Jahren nicht viel verändert. Die deutschen Nationalmannschaften sind Fahrstuhlmannschaften, da stehen wir auch. Mit dem neuen Konzept hoffen wir auf bessere Zeiten. Da sind wir auch ein wenig von guten Jahrgängen abhängig, um etwas zu erreichen. Die Spieler, die im "Powerplay26" integriert sind, haben sicher einen Vorteil. Aber um da etwas ablesen zu können - was hat es gebracht? - müssen wir uns gedulden. Die Jahrgangseinfrierung (ab der kommenden Saison gibt es U9, U11, U13... bis hin zur U20-DNL, Anm. d. Verf.) ist positiv und entscheidend für die U-Nationalmannschaften. Besonders in der DNL können die Jungs dann ein Jahr länger in der Liga spielen. Das wird definitiv einen Ausschlag in der U18- und U20-Nationalmannschaft geben. Kurzfristig wird sich jedoch nichts ändern.

Mit der Rekrutierung neuer Spieler gibt es beim KEV keine Probleme?

Das ist jahrgangsabhängig. Im U10-Bereich sind wir unheimlich stark. Da spielen 40 bis 50 Kinder, das ist wirklich gut. Die Rekrutierungsmaßnahmen laufen in Form von Kids Days, Laufschule und auch das Schuleislaufen läuft. Mal kommen viele Kinder, mal weniger. In der U8 haben wir momentan noch nicht so viele, aber die Saison hat ja erst angefangen. In der U12 und U14 ist uns recht viel weggebrochen. Da sind wir in der Breite nicht so gut aufgestellt, wie wir uns das wünschen. Aber das ist in vielen Vereinen nicht anders, selbst die Schweden haben in diesen Jahrgängen Probleme.

Woran liegt das?

Ja, dieser soziale Wandel erreicht irgendwie alle. Die Kinder und auch die Eltern sind nicht mehr bereit den Aufwand für den Sport zu betreiben. Man muss dazu sagen, dass Eishockey recht teuer ist. Viele kommen mit großer Euphorie hier hin, dann sehen sie schon die frühen Laufschulzeiten. Dann kommt eine Stufe später das häufige U10-Training. Und das wird mit der Zeit nicht weniger... Wir trainieren mit der U8 und U10 viermal die Woche. Bei der U12 kommt dann noch Trockentraining hinzu, die DNL-Mannschaft trainiert sogar jeden Tag doppelt - eine Stunde trocken plus eineinhalb Stunden auf dem Eis. Also im Grunde so wie die Profis, nur da kommen noch Schule bzw. Ausbildung oder Studium hinzu. Und dann sind sie auch noch angewiesen auf die Eltern, die arbeiten und ihre Kinder hinfahren müssen.

Wo sehen Sie den KEV81 in der deutschen Eishockeylandschaft?

Wir sind gut aufgestellt. Im Trainerstab sind wir auf einer Linie mit dem Ausbildungssystem. Von den ganz Kleinen bis hin zu den Großen verfolgen wir eine Philosophie. Wir reden sehr viel miteinander. In der DNL sind wir so gut wie lange nicht mehr. Und das Besondere ist: Die Mannschaft besteht aus sehr vielen Krefeldern. Das ist in einigen Städten anders, wo kaum eigene Kinder da sind. Bei der U16 ist es ähnlich. In der U12 waren wir bei beiden NRW-Meisterschaften erfolgreich und haben die Titel geholt. Bei der U10 hingen wir ein wenig durch - nicht nur quantitativ, auch qualitativ. Masse ist zwar gut, aber wenn keine Talente dabei sind, kann man wenig machen.

In Ihrem Saisonheft, welches Sie verfasst haben, heißt es kurzgefasst: Der KEV ist auf einem guten Weg, aber wenn die zweite Eisfläche nicht gesichert wird, könnte es auch ganz schnell zu Ende sein mit dem guten Eishockeysport. Ist das so eine dunkle Wolke, die über dem Verein schwebt?

Ja, das ist das größte Problem. Wir haben durch das 5-Sterne-Programm genaue Vorgaben, wieviel wir trainieren müssen. Wir wollen unbedingt diesen Standard halten. Das ist das, was uns von anderen Vereinen abhebt. Wer viel trainiert, der wird besser. Das ist einfach so. Momentan können wir das durch den KönigPalast noch kompensieren, aber das ist auf Dauer nicht möglich. Dann können die 5 Sterne nicht gehalten werden und die Fördersummen bleiben aus. Die Profis (Krefeld Pinguine GmbH, Anm. d. Verf.) müssen dann Strafe bezahlen. Die Trainingsstunden sind ein Hauptkriterium des Konzepts und müssen erbracht werden, sonst haben wir ein gewaltiges Problem.

Machen Sie sich da nicht zu viel Druck? Würden nicht vier Sterne reichen? Dann würde der Verein ja immer noch leben.

Wir sind hier in Krefeld und haben einen gewissen Anspruch, dem wollen wir gerecht werden. Wir wollen besser werden und nicht schlechter. Das kann ganz schnell einen Domino-Effekt auslösen.

Elmar Schmitz: Ganz einfach: Dann wird der KEV ganz schnell vom Leistungssport- zum Breitensportverein. Das ist Fakt. Verlieren wir die 5 Sterne, können wir nicht mehr in der DNL I spielen. Dann gehen allerspätestens im Knabenalter die Topspieler verloren. Wir würden keine Spieler für den Profibereich mehr ausbilden können. Dann gibts kein Geld von der GmbH und vom DEB. Dann sind wir ganz schnell bei drei oder zwei Sternen. Die Trainer könnten nicht mehr gehalten werden. Es ist eine Gratwanderung. Ich weiß ja, was du meinst: Dann haben wir halt vier Sterne und machen ganz normal weiter. Aber das funktioniert nicht. Und ein Breitensportverein wollen wir nicht sein. Das alles wird nicht passieren. Es kam das klare Bekenntnis von Politik und Verwaltung zum Eishockey. Darauf bauen wir.

Vielleicht muss man solch ein Szenario aufzeigen, um die Dringlichkeit der zweiten Eisfläche zu verdeutlichen...

Elmar Schmitz: Das ist richtig. Und es soll auch um Gottes Willen keine Drohgebärde sein oder so etwas. Es ist einfach Fakt, dass dann kein Leistungssport mehr möglich wäre. Aber von allen Ratsparteien kam Rückendeckung und das finde ich beeindruckend! Krefeld will zwei Eisflächen plus KönigPalast und das ist eine entscheidende Aussage.

Inwiefern ist das Fünf-Sterne-Konzept abhängig von der DEL-Mannschaft?

Elmar Schmitz: Von der DEL-Mannschaft ist es gar nicht abhängig. Es ist die Kooperation zur ersten Mannschaft entscheidend. Da gibt es bspw. Landshut, Rosenheim oder Bad Tölz, wo es für die Jungs wesentlich einfacher ist in die erste Mannschaft zu kommen. Da spielen die Mannschaften in der Zweiten Liga oder Oberliga und auch da sind die fünf Sterne machbar. Abhängig sind wir aber vom Kooperationsvertrag mit den Krefeld Pinguinen. Deswegen sollte Krefeld möglichst DEL-Standort bleiben.

Apropos Krefeld Pinguine. Herr Beckers, wie schätzen Sie die Chancen auf das Erreichen der DEL-Play-offs ein?

Robin Beckers: Es sieht auf jeden Fall besser aus als im letzten Jahr. Es funktioniert einiges in der Mannschaft, was ganz angenehm ist. Man merkt, dass die Spieler wieder Gas geben und Euphorie entfachen, auch bei den Fans. Das freut mich. Die Liga ist ausgeglichen, die Mannschaften klauen sich gegenseitig die Punkte. Da ist ja noch überhaupt nichts entschieden nach fast einem Drittel der Spielzeit. Jetzt sind wir Zehnter. Wir haben verhältnismäßig viele Punkte gegen große Clubs geholt, dafür weniger gegen kleinere. Um die Pre-Playoffs zu erreichen müssen wir vor allem auch gegen direkte Konkurrenten wie Schwenningen gewinnen. Dann sieht es sehr gut aus. Die Chancen sind da. Wenn man gegen Köln gewinnt, kann man auch gegen Schwenningen gewinnen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Krefeld Pinguinen?

Die Zusammenarbeit ist besser geworden. Wir haben ständig Profis bei uns im Nachwuchstraining. Es wurde ein Patenschaftenprogramm gestartet - Profis sind für einzelne Nachwuchsspieler zuständig. Selbst U16-Spieler sind Feuer und Flamme, wenn Jungs aus der ersten Mannschaft mit aufs Eis gehen. Und wenn Erfolg bei den Profis herrscht, ist auch bei uns die Stimmung besser.

Hängt die bessere Zusammenarbeit auch mit dem neuen Geschäftsführer und Sportlichen Leiter Matthias Roos zusammen?

Auf jeden Fall! Der Kontakt zwischen Elmar, mir und Matthias ist super. Er hat mich u.a. dort wieder ins Trainerteam geholt. Ich bin bei den Spielen dabei und führe die Statistiken - Zeit auf dem Eis, Bullys, Schüsse, Tore, Plus/Minus... Bin auch in der Kabine. Matthias fördert den Kontakt sehr. Er unterstützt uns nicht nur sportlich, auch administrativ. Unsere Sponsoren wurden letztens in den Businessbereich eingeladen. Auch im Bereich Kommunikation arbeite ich eng mit der Pressesprecherin Katharina Schneider-Bodien zusammen. Wir haben erstmals ein gemeinsames Doppel-Logo bei allen Mannschaften auf dem Trikot - Krefelder EV und Pinguine. Es ist ein visuelles Zeichen für die ganze Kooperation im Hintergrund, die ja kaum einer mitkriegt. Das läuft wirklich prima. Unsere DNL-Jungs sind bei den Profis mit im Training. Philip Kuhnekath, der letztes Jahr noch DNL gespielt hat, bekommt zu unserer großen Freude viel Eiszeit. Die Zusammenarbeit läuft bestens.

Und zum Abschluss: Wann sehen wir Robin Beckers in der DEL?

(lacht) Ganz bald! Ne, Spaß beiseite. Jetzt gucken wir erstmal, dass das mit dem Nachwuchs weiter gut läuft. Klar habe ich höhere Ziele. Ich werde hoffentlich in zwei Jahren meinen A-Schein machen und dann schaue ich weiter. Ich bin noch sehr jung, muss noch unglaublich viel lernen. Nicht nur im Nachwuchseishockey, sondern auch in der Arbeit mit Älteren.

Nun ja, in der Fußball-Bundesliga ist es grad Mode junge, deutsche Trainer im Seniorenbereich einzusetzen...

Die sind aber trotzdem noch ein bisschen älter.

Elmar Schmitz: Vielleicht sollten wir generell mal sehen, dass deutsche Trainer in der DEL zum Zuge kommen. Da sieht es ja sehr schlecht aus.

In der vergangenen Saison haben die Krefeld Pinguine Franz Fritzmeier die Chance gegeben und das endete in einer Trennung.

Elmar Schmitz: Bei der DEG war Christof Kreutzer noch vor kurzem DEL-Trainer des Jahres und plötzlich soll er keine Mannschaft mehr trainieren können... Mit Thomas Popiesch in Bremerhaven und Uwe Krupp gibt es momentan zwei deutsche Trainer. Das war es schon. Da brauchen wir nicht über einen 26-Jährigen zu sprechen.

Wer weiß....

Elmar Schmitz: Wenn es so kommen sollte, da würden wir Robin gerne abgeben. Aber jetzt ist er erstmal bei uns im Nachwuchs sehr gut aufgehoben. 

Michael Sender