Trainer Andreas Gensel beim Spielbogen ausfüllen vor der Berliner Kabine

Eines vorweg: Wer Eishockey pur, ehrliche, unverbrauchte Emotionen auf und neben dem Eis als Kontrastprogramm zum üblich gewordenen Eventtrara und Spektakel erleben möchte, der wird bei den Spielen der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) mit großer Sicherheit fündig werden. Diese Empfehlung kann ich guten Gewissens nach zwei Tagen auf Auswärtstour mit dem DNL-Team der Eisbären Juniors geben. Ich hoffe, ich kann Sie dafür begeistern!

 Mit „kurzer Bank“ haben die Eisbären Juniors die Reise nach Krefeld angetreten. Einige Spieler der Mannschaft sind in Berlin geblieben. Teils verletzt, wie ihr zweitbester Scorer Feodor Boiarchinov, oder aber weil sie inzwischen überwiegend für Eisbären-Kooperationspartner FASS Berlin in der Oberliga zum Einsatz kommen. Insgesamt 19 Spielernamen konnte Trainer Andreas Gensel auf dem Spielberichtsbogen notieren. Und das auch nur, da er mit Daniel Weber und Jonas Müller auf zwei Spieler aus dem Schüler-Kader zurückgreifen konnte. Außerdem waren die DEB-Auswahlspieler der Juniors erst am Donnerstag von einem Turnier aus Kanada zurückgekehrt und, wie sich spätestens beim Spiel am Sonntag herausstellte, doch noch vom Jetlag geplagt.

Nachdem durch Schwinge, Marco, Tatanka und den Jungs in der zugewiesenen Gästekabine Arbeitsfähigkeit hergestellt war, ging es für die Mannschaft an die frische, fast frühlingshafte Luft zur so genannten Landerwärmung, sprich Runde um die Halle drehen, Stretchen und ein bisschen Fußball knödeln. Trotz der Ausfälle einiger Mitspieler strahlten die Jungs ungezwungenen Optimismus aus und die Stimmung in der Kabine war daher nicht annährend so angespannt, wie man das hätte nach frühem Aufstehen und langer Busfahrt vermuten können. Man war einfach gut drauf. Das spürte auch Trainer Gensel, der seine Ansprache ans Team entsprechend ausrichtete. Er erinnerte an das, was man die Woche über trainiert hatte, mahnte noch einmal das richtige Verhalten im Rahmen des eigenen taktischen Systems an, wann die Verteidiger pinchen, offensiv Druck auf den Gegner ausüben und wohin die Stürmer dann verschieben müssen zum Beispiel. Der Gegner war dabei kaum ein Thema. Das eigene Zeug richtig machen, steht offenbar im Vordergrund. „Leidenschaft will ich sehen, Disziplin und Laufbereitschaft!“, lautete Gensels zusammenfassende Parole. Dann wird es laut, die Jungs feuern sich selbst an und Gensel dreht mit entschlossenen Schritten eine Runde durch die Kabine und klatscht dabei jeden seiner Spieler ab, die darauf nicht weniger kraftvoll Richtung Eis marschieren.

Vom ersten Bully an hat man das Gefühl, dass die Jungs ihrem Trainer nicht nur gut zugehört, sondern ihn auch verstanden haben. Zwar hinterlassen die Krefelder schlittschuhläuferisch und physisch einen reiferen Eindruck, doch die Juniors gleichen das tatsächlich wie gefordert mit taktischer Disziplin und Leidenschaft aus. Chancen gibt es auf beiden Seiten. Das Agieren der Berliner lässt jedoch eher auf einen Plan schließen, an den sie glauben. Die Überraschung hierüber liegt klar beim Gastgeber. Und im Tor der Juniors gibt der Memminger Jimmy Hertel von Anfang seinem Team das Gefühl von Sicherheit, dass nicht jeder Fehler vor ihm auch mit einem Gegentreffer bestraft wird. Juniors-Top-Scorer Sven Ziegler, gebürtiger Nürnberger übrigens, erweist sich alles andere denn als egoistischer Knipser, der nur vor dem Tor lauernd auf die richtigen Pässe wartet, um zu glänzen. Er arbeitet hart nach vorn und stört die Hausherren immer wieder empfindlich in ihrem Spielaufbau, oft genug geht denen so der Puck wieder verloren. Oder es braucht wenigstens den zweiten und dritten Versuch, damit die Krefelder Jungs aus ihrem Drittel heraus und in Richtung des der Juniors marschieren können. In der neutralen Zone werden durch Zieglers Mannschaftskameraden geschickt die Passwege zugemacht und schon hier aggressiv Druck ausgeübt. Die Jung-Pinguine tun sich schwer und liegen nach vierzig Minuten überraschend mit 0:2 (Berliner Tore: Roberto Geiseler und Vladislav Filin) zurück. Dass es für die Juniors am Ende dennoch nicht zum Sieg langte, dafür waren sich ab der 50. Spielminute mehrende individuelle Fehler verantwortlich. Schade drum! Der Ärger darüber hielt sich aufgrund der insgesamt doch mehr als respektablen Leistung in Grenzen. Auch bei Trainer Gensel. Ein wichtiger Punkt war gewonnen, wie sich später noch herausstellen sollte. Und schließlich gab es in gut zwölf Stunden schon die Möglichkeit, vielleicht doch noch mal etwas schärfer nach zu waschen.

Jetzt hieß es die Nachbereitung schnell hinter sich zu bringen, an bereits lang bewährtem Ort die Kohlenhydratbunker mit Nudeln, Hühnchenfleisch und leckerem Salat aufzufüllen, und durch eine Mütze voll rechtschaffen Schlaf zu regenerieren. Es dauerte nicht wirklich lang, ehe auf den jeweils doppelt belegten Hotelzimmern weitestgehend Ruhe herrschte. Irgendwann weit nach Mitternacht auch beim mitgereisten Schreiberling.

Lesen Sie im vierten Teil: Kein Tag wie der andere und warum auf einmal die Spieler Montys Bus anschieben mussten!

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