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Eine Eishockey-FamilieVom Virus infiziert

Eric Kelnhofer gibt im Trikot der kleinen Tigers alles. (Foto: privat)Eric Kelnhofer gibt im Trikot der kleinen Tigers alles. (Foto: privat)
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Die Kelnhofers machen erst mal einen ziemlich normalen Eindruck. Vater Fabian ist CNC-Dreher bei einer Straubinger Zahnradfabrik und arbeitet dort im Drei-Schicht-Betrieb. Mutter Nadine ist eigentlich Hausfrau. Doch wie wir sehen werden, steht das Wort „eigentlich“ zu Recht da. Der ältere Sohn André hat gerade erst diesen Sommer aufgehört zu spielen, da er eine Lehre begonnen hat und der jüngere Sohn Eric kann gar nicht genug Eis unter den Füßen haben. Der einzige, der keinen Bezug zum Eishockey hat, ist Familienhund Paul.

So kamen sie zum Eishockey

Fabian spielte früher in der Hobbymannschaft der Attinger Wölfe Inlinehockey. Ins Eishockey geht er aber schon lange und meint: „Seit zwanzig Jahren gehe ich ins Stadion.“ Nadine wurde durch André in die Halle gelockt, sie erzählt: „André hatte in der Schule einen Freund, der Eishockey gespielt hat, und das er hat sich das dann unbedingt eingebildet. Dann haben wir darüber gesprochen und gesagt, wenn, dann müssen wir alle dahinter stehen, weil Eishockey ja doch zeitintensiv ist. Wir haben es ihn dann ausprobieren lassen, weil wir eigentlich auch nicht gedacht hätten, dass er das durchhält. Er hat es dann aber durchgezogen, hat bei den Kleinschülern angefangen und hat erst zu dieser Saison aufgehört.“ Daran, dass André nun aufgehört hat, gibt sie sich selbst eine Mitschuld und meint mit etwas trauriger Stimme: „Dadurch, dass wir immer gesagt haben ganz oder gar nicht, hat er das Gefühl, dass er jetzt nicht mehr ganz kann und hat zurzeit ein Eishockeytief. In dem Alter stellt es sich oft raus, ob sie weitermachen oder nicht. Ich habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben. Noch dazu, da sie letzte Saison mit der Meisterschaft eine richtig gute Saison hatten.“ André war aber nur der Anfang, denn wie es ebenso ist, was der große Bruder macht, will auch der Kleine machen. Nadine erinnert sich: „Dadurch, dass André gespielt hat, wollte Eric in die Laufschule, da war er zweidreiviertel. Dann sind wir beide so reingerutscht. Erst Eric und ich, weil ich immer mit aufs Eis musste und dann Fabian.“

Auf einmal Nachwuchsleiterin

Inzwischen ist sie beim EHC als Nachwuchsleiterin auf 450-Euro-Basis angestellt und ist im sportlichen Beirat. Dies macht sie auch zur Freude von Manfred Lermer, dem 2. Vorsitzenden des EHC: „Mit Nadine habe wir jemanden gefunden, der Eishockey lebt und sich dementsprechend der Sache annimmt. Genauso Fabi. Als Nachwuchsleiterin plant sie für alle Mannschaften zum Beispiel die Termine, koordiniert die Sani-Dienste und die Busfahrten. Zusätzlich macht sie ehrenamtlich die Laufschule. Die beiden machen alles für den Sport ihrer Kinder, stehen ständig zur Verfügung und nehmen sich vielen Aufgaben an, um das Vereinsleben zu gestalten.“ Spätestens jetzt wird klar, dass die Kelnhofers keine ganz typische Eishockey-Familie ist. Nadine berichtet wie sie in die Sache reingerutscht ist: „Die Trainer haben mein Engagement erkannt und mich mit eingebaut. Dann hat die Organisatorin der Laufschule aufgehört und die Verantwortlichen haben mich gefragt, ob ich das nicht machen möchte. Ich habe dann recht schnell zugesagt, weil ich ja ohnehin immer da war.“ Jetzt schleust sie etwa 80 der rund 130 Kinder und Jugendlichen in den unterschiedlichen Mannschaften durch den täglichen Trainingsbetrieb. Alleine die Masse an Schülern lässt vermuten, wie zeitintensiv das ist und macht das „eigentlich Hausfrau“ aus der Vorstellung klar. Nadine erzählt: „Es kommt immer darauf an, wieviel Zeit man ehrenamtlich macht. Aber ich mache das gerne und mache das für die Kinder, weil mir das total am Herzen liegt, dass die immer wissen, wo sie hingehen können. Ich bin sechs bis sieben Tage im Stadion, das kann zwischen drei und zwölf Stunden pro Tag sein. Je nach dem, was anfällt.“ Mit einem Lächeln meint sie: „Und es ist ja auch schön im Eisstadion.“ Auch Fabian ist inzwischen mittendrin. Er berichtet: „Ich bin durch den Großen reingerutscht und bin Betreuer der U16 geworden. Das teile ich mir mit dem U19-Betreuer und helfe auch mal in der U10 aus. Wenn es mein Beruf zulässt, bin ich bei den Auswärtsfahren dabei, da ist man auch relativ lange unterwegs, je nachdem, wo es hingeht. Außerdem schleife ich für alle in der U8, U10 und U16 die Schlittschuhe. Da kommt auch einiges zusammen.“

Alle Eltern sind wichtig

Auch wenn die Kelnhofers überdurchschnittlich viel für den Verein leisten, so sind auch alle anderen Eltern wichtige Bausteine. Fabian berichtet: „Das ist wie sicher in jedem Verein, es sind immer dieselben hier. Das Wichtigste ist aber, dass die Eltern die Kinder herbringen. Was die Heimspiele angeht, braucht man auch immer Leute für die Leitstelle und das klappt wunderbar. Ohne die Eltern kommt man nicht weit.“ Das meint auch Manfred Lermer: „Es ist extrem wichtig, dass wir ehrenamtliche Helfer haben, sonst kann kein Verein, ob Fußball, Eishockey oder sonst was überleben. Bei normalen Eltern schaut es so aus, dass sie die Kinder zum Training bringen, alleine oder auch in wechselnden Fahrgemeinschaften und das bis zu dreimal in der Woche, plus zwei freiwillige Trainingseinheiten vor der Schule. Die wären von 6.30 Uhr bis 7.15 Uhr. Genauso bringen sie sich die Eltern bei den Heimspielen ein, zum Beispiel durch den Verkauf von Snacks und Getränken. Was verkauft wird, wird sozusagen vorab von den Eltern gespendet und die Erlöse fließen in die Mannschaftskasse.“

Wenn die eisfreie Zeit zu lange ist

Eric geht in die zweite Klasse und ist zurzeit für den sportlichen Teil der Familie zuständig. Wir sitzen in der Kabine und warten auf den Sportler. Auf dem Tisch liegen noch irgendwelche Hausaufgaben, die zwischen Schule und Training auch erledigt werden müssen. Dann stapft er verschwitzt und abgekämpft herein, nimmt den Helm ab und setzt sich zu uns. Er lässt wissen: „Ich bin vier Mal in der Woche auf dem Eis.“ Nadine ergänzt: „Eric spielt in der U10, macht aber auch das U8-Training mit.“ Das ist so aber eigentlich nie geplant gewesen. Sie sagt: „Das ist für mich eigentlich ein ganz schwieriges Thema, weil Eric viel mehr aufs Eis will, als ich das eigentlich will. Heute hätte er eigentlich kein Training, aber da ich zur Laufschule hier bin, hat er gesehen, dass die U8 Training hat und wollte unbedingt mittrainieren. Von außen schaut das so aus, als ob ich da so dahinter wäre. Ist aber nicht so, weil oft sage ich: du kannst auch mal einen Tag Pause machen.“ Das schlimmste sind eisfreie Zeiten: „Für ihn sind die Wochenenden, an denen er kein Spiel hat, ganz schlimm. „Im Sommer spielt er Inlinehockey, weil er meint: Mama, vier Wochen Pause sind viel zu lang. Wir könnten doch auch mal Inlinehockey ausprobieren. Aber da bringe ich ihn nur hin und hole ihn ab und stehe da nicht auch noch an der Bande.“ Die Sommerpause ist aber gar nicht so lange, wie sie sich anhört. Manfred Lermer klärt auf: „Wir haben eigentlich nur einen Monat, in dem Pause ist. Das ist normalerweise April. Aber es gibt ab und zu auch Turniereinladungen im April. Anfang Mai geht’s aber schon wieder los. Eis haben wir keines, aber es gibt Trockentraining, unser Kraftraum kann genutzt werden und wir haben bis zu fünf Sporthallen in ganz Straubing angemietet und machen dort altersgerechtes Sommertraining. Das ist dann teilweise auch einfach nur Fußball- oder Basketballspielen, damit sich die Kinder sportlich betätigen.“ Beim freiwilligen Training in der Früh würde Eric auch gerne mitmachen, da gibt’s aber einen Haken: „Das ist erst ab der U12. Ich sage: Gott sei Dank. Eric meint hingegen, dass er schon gerne vor der Schule aufs Eis will und er findet das ziemlich unfair, dass er da nicht mitmachen darf, nur weil er in der U10 ist“, meint Nadine.

Der Jungsportler und seine Pläne

Dabei ist Eric aus seiner Klasse der einzige, der Eishockey spielt. Stolz berichte er: „Aber einer aus der Schule hat einen Cousin, der Eishockey bei uns spielt, der heißt Stefan Loibl.“ Loibl ist Stürmer, aber Eric spielt lieber Verteidiger und meint: „Ab und zu mal ein Tor schießen, aber sonst hinten bleiben.“ Hört sich so an, als ob in Straubing ein Stay-at-Home-Verteidiger heranwächst. Aber so speziell ist man in der Altersgruppe zum Glück noch nicht. Auch einen Ligabetrieb gibt es nicht, stattdessen gibt es Turniere. Eric erklärt: „Bei Turnieren spielen immer drei oder vier Mannschaften gegeneinander. Wir verlieren mehr, aber manchmal gewinnen wir auch.“ Und bei besonderen Siegen gibt es auch besondere Belohnungen. Mit einem strahlenden Lachen sagt er: „Nach dem letzten Turnier sind wir zum McDonalds, weil wir gegen Weiden gewonnen haben. Das passiert sonst nicht.“ Seine Vorbilder sind echte Megastars: „Sidney Crosby und Alex Ovechkin.“ Und einen langfristigen Plan hat er auch schon: „Wenn ich erwachsen bin, will ich in Kanada spielen.“ Dabei haben Nadine und Fabian besonders genau hingehört.

Eishockey entwickelt die Persönlichkeit

Dabei drängt sich die Frage auf, ob Eric schon immer so einen drang hatte. Dazu berichtet Nadine: „Nein, gar nicht. In der Laufschule wollte er mal und mal nicht, das war er immer hin und her, weil er einfach das Selbstbewusstsein nicht so hatte. Erst durchs Eishockey ist er aufgeschlossen geworden. Vorher war er immer sehr zurückhaltend und hat mit keinem Fremden gesprochen. Das Eishockey hat ihn positiv sehr beeinflusst, auch im Umgang mit Erwachsenen. Mit anderen Kindern war es ganz schwierig, denn wenn die nicht so wollten wie er, dann war das gleich eine Katastrophe. Er hat hier viel für sich mitgenommen. Früher war er auch sehr explosiv, heute kann man mit ihm über die Dinge reden. Und wenn sich etwas nicht ändern lässt, wie er das gerne hätte, dann akzeptiert er das. Eishockey hat seinen Charakter sehr positiv beeinflusst. Das war auch bei André so. Du musst in der Mannschaft einfach mit verschiedenen Charakteren klarkommen.“ Womit viele Vereine in schicken Hochglanzprospekten oder Imagefilmen werben, bestätigt sich bei den beiden einmal mehr im richtigen Leben. Mit angerührten Blick erzählt Nadine: „In einer Mannschaft gibt es ja immer einen älteren und einen jüngeren Jahrgang. Dabei machen die Kinder das ganz unbewusst, dass die Älteren die Jüngeren anleiten, aber auch in ihre Schranken weisen. Auch im Sommerprogram halfen die U16-Spieler in der Laufschule und im Ferienprogram aus. Es ist unglaublich, wie Eishockey die alle zusammeneschweißt, dass die Großen so fürsorglich mit den Kleinen umgehen. Das hätte ich vorher nie geglaubt.“

Ein Dankeschön

Den Tag des Ehrenamtes wollen wir von Hockeyweb auch nutzen, um den vielen Eltern, Familien und Helfern zu danken, die für den Nachwuchs in vielen Vereinen tätig sind. Nicht jeder muss und kann so viel leisten wie die Kelnhofers, aber wie im Bericht erwähnt wurde, Hauptsache man bringt die Kinder in die Halle. Aber wie man sieht, kann man auch ganz schnell von dem Virus infiziert werden.